Günter Widmann hat sich kurz vor seinem 75. Geburtstag einen Traum erfüllt: das eigen Durlach-Museum. | Foto: jodo

Sammler eröffnet Privatmuseum

Durlacher mit Leidenschaft für Schätze aus der Heimat

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Sein Heimat-Stadtteil Durlach hat ihn schon immer fasziniert: Kurz vor seinem 75. Geburtstag hat sich der passionierte Sammler Günter Widmann einen Traum erfüllt und eröffnet sein eigenes Museum. Auf über 220 Quadratmetern kann man neben Exponaten des Train Bataillon Nr. 14, historischen Ansichtskarten und Gemälden auch wertvolle Stücke der Fayence-Produktion aus Durlach bewundern.

Mit einem Speicher fing alles an: Noch heute kann sich Günter Widmann daran erinnern, welche Faszination der verbotene Raum direkt unter dem Dach als Kind auf ihn ausübte. So oft die Großeltern und Eltern aus dem Haus waren, schlich sich der Junge nach oben. „Der Speicher war die reinste Wundertüte“, denkt Widmann zurück. Dort ließen sich alte Möbel, Musikinstrumente oder auch Inflationsgeld finden. „So kam das Sammeln in mein Leben.“

Ich sammle alles von, aus, über Durlach

Angefangen hat seine Sammelleidenschaft in den 1970ern nach Abschluss seiner Ausbildung zum Buchdruckermeister und staatlich geprüften Druckereitechniker mit alten Ansichtskarten aus Durlach. Doch dabei blieb es nicht lang. Zu den Ansichtskarten gesellten sich bald Krüge und andere Reservistika des Badischen Trainbataillons Nr. 14 aus Durlach, Gemälde, Stiche und Zeichnungen sowie außergewöhnliche Fayence-Stücke. Fayence – auch das „Porzellan der armen Leute“ genannt – ist ein Steingut mit einer Glasur, die porzellanähnlich ist. Die Durlacher Fayence, so erklärt Widmann, galt als die mit der schönsten Glasur in ganz Deutschland. „Ich sammle alles von, aus, über Durlach“, fasst er sein Konzept zusammen.

Museum ist ein Lebenstraum

Heute – kurz vor seinem 75. Geburtstag – hat sich der Rentner mit dem eigenen Museum einen Lebenstraum erfüllt. Seit über 30 Jahren taucht Widmann immer tiefer in die Materie der Durlacher Fayence ein und hat sich inzwischen einiges Expertenwissen angeeignet. Das teilt er nicht nur mit seinem neuen Museum, sondern erstellt auf Wunsch auch gern kostenlose Expertisen zu Stücken, deren Geschichte und Herkunft unsicher ist.

Mit diesen Doppel-Eierbechern kann man nicht nur stehende, sondern auch quer liegende Eier essen. Der grün bemalte Doppel-Eierbecher auf dem Sockel ist der erste bekannte Doppel-Eierbecher aus Durlach. | Foto: jodo

An den Kauf seines ersten Fayence-Krugs erinnert sich Widmann noch heute. Den hat er in Stuttgart ersteigert, der Krug stammt aus dem Jahr 1782. Viele Stücke seiner Sammlung holte er aber auch aus anderen Ländern zurück nach Durlach.

Eintritt nur mit Führung

Sein über 220 Quadratmeter großes Museum ist thematisch aufgeteilt. Der erste Raum ist den Exponaten des Train Bataillons Nr. 14 vorbehalten. Danach folgen die Fayencen und Krüge. Im hinteren Bereich finden sich Gemälde, Zeichnungen, Stiche und Bilder. Mehr als 2 500 Einzelstücke lassen sich dort bewundern.
Günter Widmann kann zu beinahe jedem Exponat eine Geschichte erzählen, beispielsweise zu dem Doppel-Eierbecher, der zwischen 1765 und 1780 entstanden sein muss und mit dem man nicht nur aufrecht stehende, sondern auch quer liegende Eier essen kann.

Sein größter Schatz ist aber eine gut erhaltene Fayence-Schleifkanne. Aus solchen Kannen tranken Lehrlinge den ersten Schluck zu Beginn ihrer Ausbildung. Man kennt sie jedoch sonst nur aus Metall. Nicht einmal in der Fachwelt sei bekannt gewesen, dass es eine Fayence-Schleifkanne aus Durlach gebe, erklärt Widmann stolz. Der Sammler führt selbst durch sein Museum, Besucher sollten mindestens zweieinhalb bis drei Stunden Zeit einplanen.

Die Führungen sind kostenlos, Widmann bittet aber um eine Spende für die Durlacher Bürgerstiftung.
Führungen für bis zu 18 Personen, Anmeldung unter (01 72) 9 39 31 00 oder an widmann.durlach@gmail.com