Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot. | Foto: Picture Alliance

Wahlkreis immer in Karlsruhe

Trauer in Karlsruhe: Ehemaliger Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot

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Der ehemalige Bundesaußenminister Klaus Kinkel ist tot.

Der frühere FDP-Vorsitzende starb am Montag im Alter von 82 Jahren, wie der heutige Parteichef Christian Lindner unter Berufung auf die Familie am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Seinen Wahlkreis hatte Klaus Kinkel immer in Karlsruhe. Von 1994 bis 2002 saß er im Bundestag, seit 1998 als Stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion. Er war stets über die Landesliste ins Parlament eingezogen.

Ein Schwabe als Vertreter der Baden

Trotz seiner schwäbischen Herkunft war Kinkel zum Vertreter der badischen Interessen im Bund geworden. An Karlsruhe begeisterte ihn vor allem die Lebenslust der Leute, wie er in einem früheren BNN-Artikel erzählt.

Der damalige Bürgermeister Ullrich Eidenmüller bezeichnete Kinkel 2007 anlässlich seines 70. Geburtstages als „schwäbischen Muster-Preußen, der hier in Karlsruhe zu seiner badischen Veredelung kam“. Zu der Feier im Tollhaus waren mehr als 450 Gäste gekommen.

Für die Karlsruher Gerichte eingesetzt

Er habe „viel Positives für Karlsruhe bewegen können“, hatte der damalige Oberbürgermeister Heinz Fenrich über Kinkel gesagt. So habe sich Kinkel etwa für den Verbleib der beiden höchsten Gerichte in Karlsruhe eingesetzt und die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas unterstützt.

In Karlsruhe fühlte er sich wohl

Kinkel war auf zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Veranstaltungen in der Stadt zu Gast. Der ehemalige Bundesaußenminister sprach zum Beispiel vor Studenten an der Universität Karlsruhe zur Situation im Irakkrieg und zur Zukunft Europas.

„Ich bedauere sehr, dass ich so wenig Zeit für Karlsruhe habe“, hatte Kinkel 2008 bei einer Veranstaltung der Stadt-FDP gesagt. Zu diesem Zeitpunkt lebte Kinkel in Siegburg, sah sich der Fächerstadt aber immer noch stark verbunden. „Ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt“, so Kinkel im damaligen BNN-Beitrag. „Die Karlsruher haben mich damals als Bundestagsabgeordneten wahnsinnig freundlich aufgenommen.“ 2003 war Kinkel zum Ehrenmitglied der Karlsruher FDP ernannt worden.

Treuer Fan des KSC

Kinkel galt als KSC-Fan, er engagierte sich auch im Kuratorium der Bundesliga-Stiftung und war Vorsitzender der DFB-Ethikkommission. Zum 65. Geburtstag hatte Kinkel von KSC ein Trikot mit seinem Namen und der Rückennummer 65 geschenkt bekommen.

„Sport war immer mein Lebenselixier“, sagte Kinkel damals. Darüber hinaus setzte sich Kinkel sein Leben lang für die Interessen behinderter Kinder und Erwachsener ein.

„Man muss wissen, wann man aufhören soll“

In Gastbeiträgen für die BNN hat Kinkel mehrmals die Bedeutung der Bildungspolitik für Deutschland als Industrienation betont. Unter anderem forderte er mehr Kitas und Krippen. „Ich finde es großartig, dass Karlsruhe Elite-Universität geworden ist“, wurde Kinkel außerdem zitiert. Seine Entscheidung, nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren, bedauerten 2002 viele Karlsruher. „Man muss wissen, wann man aufhören soll“, hatte Kinkel damals gesagt.

Vize-Kanzler bei Schwarz-Gelb

Neben seinem Engagement für Karlsruhe hatte Kinkel wichtige bundespolitische Ämter inne. Er gehörte über viele Jahre hinweg zu den engsten Mitarbeitern des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher (ebenfalls FDP).

Nach dessen Abschied aus dem Auswärtigen Amt übernahm Kinkel 1992 für sechs Jahre selbst das Ministerium. Er war auch Vizekanzler der damaligen schwarz-gelben Koalition.

Erster Zivilist an der Spitze des BND

Der gebürtige Schwabe begann seine berufliche Karriere nach einem Jura-Studium als Beamter im Bundesinnenministerium. 1979 war er der erste Zivilist an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes (BND).

Nach dem Machtwechsel zu Schwarz-Gelb 1982 kehrte er als Staatssekretär im Justizministerium in die damalige bundesdeutsche Hauptstadt Bonn zurück. In dieser Funktion war er nach dem Fall der Mauer auch am deutsch-deutschen Einigungsvertrag beteiligt.

Justizminister im Bund

1991 wurde der Spitzenbeamte selbst Justizminister. Erst damals trat er auch in die FDP ein. Ein Jahr später setzte er sich nach Genschers Rücktritt in einer Kampfabstimmung um den Chefposten im Auswärtigen Amt gegen die damalige Bauministerin Irmgard Adam-Schwaetzer (ebenfalls FDP) durch. 1993 wurde Kinkel Vize von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU).

Bis 2002 für Karlsruhe im Bundestag

Zusätzlich übernahm Kinkel damals auch noch den Vorsitz der FDP. Nach einer Niederlagenserie bei Kommunal- und Landtagswahlen verzichtete er jedoch 1995 auf eine abermalige Kandidatur. Mit dem Wahlsieg von Rot-Grün verlor er 1998 sein Ministeramt.

Bis 2002 saß Kinkel dann noch im Bundestag. Später arbeitete er als Anwalt und übernahm den Vorsitz der Deutsche-Telekom-Stiftung. Zuletzt lebte er in Sankt Augustin bei Bonn. Die Beisetzung findet auf Kinkels Wunsch im engsten Familienkreis statt.

 

BNN/dpa