Eichhörnchenbaby Pippilotta | Foto: Privat

Nach kurioser Polizeimeldung

Eichhörnchen Pippilotta ist bei Pflegeeltern untergekommen

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„Hilfe, ich werde von einem Eichhörnchen verfolgt“: Eine kuriose Polizeimeldung hat Eichhörnchen Pippilotta berühmt gemacht – nun wird der sechs Wochen alte Nager von Tierfreunden aufgepäppelt.

 

Karlsruhe hat einige berühmte Stadtkinder zu bieten: Stadtgründer Markgraf Karl III. Wilhelm gehört natürlich dazu, außerdem Fußballer Oliver Kahn oder Sänger Mark Forster. Seit kurzem hat die Fächerstadt eine weitere Berühmtheit zu bieten. Dürfen wir vorstellen: Pippilotta, rotbraunes Fell, schwarze Kulleraugen, knapp so groß wie eine menschliche Hand.

Als das Eichhörnchenbaby vor einer Woche einen Mann in Karlsruhe verfolgte und dann von der Polizei aufgegabelt wurde, war ganz Deutschland begeistert (die BNN berichteten). Sogar der englische „Guardian“ aus London vermeldete die Geschichte. Anfangs hatte die Polizei den Nager „Karl-Friedrich“ getauft. Dass es sich dem Tier tatsächlich um ein Weibchen handelte, das fanden dann Kleintierärztin Dr. Astrid Fritzenschaf und ihre Tochter Larissa heraus, die die junge Eichhörnchendame inzwischen bei sich aufgenommen haben.

Alle drei Stunden ist Zeit zum Füttern

„Das ist schon das sechste Hörnchen, das wir dieses Jahr aufziehen“, erzählt die 28-jährige Larissa Fritzenschaf. Auch Igel, verschiedenste Vögel und andere Tiere haben die Fritzenschafs schon beherbergt. Dr. Astrid Fritzenschaf, die als Kleintierärztin in Neureut arbeitet, kümmere sich seit vielen Jahren um Wildtiere – „viele Tierärzte lehnen das ab“, erzählt Tochter Larissa. Pipilotta mache sich derweil gut: Seitdem sie bei den Fritzenschafs untergekommen ist, habe sie 40 Gramm zugenommen. Nur eine Verletzung am Auge mache derweil noch Probleme. Gefüttert wird Pipilotta mit einer Nährlösung – und zwar alle drei Stunden, rund um die Uhr. „Inzwischen schläft sie auch mal vier oder fünf Stunden durch“, erzählt Larissa Fritzenschaf, und man spürt: Die Pflege von Wildtierbabys ist mehr als nur ein Hobby.

Verein gegründet

Gerade haben die Tierfreunde einen gemeinnützigen Verein gegründet, die Wildtierauffangstation Karlsruhe (WiTAS). Ab Oktober soll es Flyer und eine Website geben, außerdem eine Telefonnummer, an die sich Menschen wenden können, die ein Wildtier gefunden haben oder bei der Aufzucht Hilfe brauchen. „In Karlsruhe gibt es viele engagierte Tierfreunde“, erzählt Larissa Fritzenschaf. „Wir wollen diese Helfer unterstützen.“ Bis der Verein läuft, bleibe die Anlaufstelle für Menschen, die Wildtiere in Not gefunden haben, aber die bundesweite Tierrettungsleitstelle UNA, die rund um die Uhr unter der Notrufnummer 0700-952-952-95 erreichbar ist.

Eichhörnchenbaby Pippilotta mit Artgenosse Björn | Foto: privat

Und Pippilotta? Derzeit wird das Eichhörnchenbaby noch mit der Pipette gefüttert, bald sollen dann Obst, Gemüse, Sonnenblumenkerne und Nüsse auf den Speiseplan kommen. Sobald sie fit genug ist, soll Pippilotta gemeinsam mit Artgenosse Björn in die Außenvoliere ziehen, um das Klettern zu üben. Dann soll sie ausgewildert werden – wenn alles normal läuft, geschieht das Ende September oder Anfang Oktober, sagt Larissa Fritzenschaf. Das sei bei den selbstständigen Eichhörnchen meistens recht einfach, berichtet sie. Zumindest das, möchte man hinzufügen. Zumindest das.

Hinweis: In einer früheren Version des Artikels war die Nummer der Tierrettungsleitstelle UNA falsch. Die Notrufnummer lautet 0700-952-952-95.