SPEKTAKULÄRER BADE-TEMPEL: Die Wund-Gruppe will massiv in ihre Badewelt Sinsheim investieren: mittelfristig soll es eine halbe Milliarde Euro sein. Das setzt auch andere Betreiber von Sauna-Anlagen im Südwesten unter Druck. Der Markt ist umkämpft. | Foto: pr

Immer mehr Mitstreiter werben um die spendable Wellness-Klientel

Ein hitziger (Sauna-)Markt

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Ab in die Sauna! Über 15 Millionen Menschen gehen hierzulande regelmäßig in eine öffentliche Sauna, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Deutschen Sauna-Bund (Bielefeld). Und weil der Mensch etwas Warmes braucht, sind es in diesen kalten Monaten noch einige mehr als sonst. Für die Betreiber der Bäder und Thermen mit Saunen ist also eine wichtige Jahreszeit angebrochen. Dabei wird der Wettstreit um die spendable Wellness-Klientel härter: Die Schwitzstuben in kleinen kommunalen Bädern werden aufgepeppt, etwa durch den Umbau zu Event-Saunen für Show-Aufgüsse. Große Player auf dem Markt wie die Wund-Gruppe aus Friedrichshafen (Badewelt Sinsheim) expandieren. Insgesamt werde aber nicht mehr umgesetzt. Im Gegenteil. Der Sauna-Bund spricht für dieses Jahr von leicht rückläufigen Erlösen. Die Ertragslage sei „ausreichend“.

 

„Den“ Saunagänger gibt es jedenfalls nicht. „Die ,Sauna um die Ecke’ – die ,Kiezsauna’ – erfreut sich unverändert großer Beliebtheit, gerade bei den sogenannten Stammgästen“, sagt Gensow. Betreiber von großen Saunen in der Region stellen hingegen einen regelrechten „Sauna-Tourismus“ fest: Da wird in einem Monat die Caracalla-Terme in Baden-Baden für einen Tag Auszeit angefahren, und in den kommenden Monaten geht es auf Tagestour ins Palais Thermal nach Bad Wildbad, ins Karlsruher Europabad, in die Schwaben-Quellen nach Stuttgart, ins Miramar nach Weinheim oder in die Badewelt Sinsheim.

Spendable Wellness-Klientel reist gerne von Sauna zu Sauna

Die Wund-Gruppe bietet für ihre fünf Thermen zwischen Euskirchen und Erding bei München sogar einen „Thermen- Pass“ an. Der Ansporn: Wer innerhalb einer bestimmten Zeit in vier von ihnen war, bekommt den Aufenthalt in der fünften gratis. Der Deutsche Sauna-Bund konstatiert, dass die Gäste tendenziell länger in den Anlagen bleiben. Da liegt es auf der Hand, dass Shop-Betreiber, Masseure und Gastronomen, die fast immer Teil der Wellness-Tempel sind, ebenfalls davon profitieren.

 

Die Wund-Gruppe hat ehrgeizige Ausbaupläne für ihre Therme in Sinsheim, die erst 2012 an den Start ging und nach Betreiberangaben mittlerweile fast 800 000 Besucher pro Jahr hat – zeitweise stehen die Menschen sogar auf dem Parkplatz und warten auf Einlass. Über solche Stoßzeiten informiere man auf der Homepage, so Betriebsleiter Stephan Roth. Wegen des enormen Bedarfs soll die Badewelt nun massiv erweitert werden. Fast eine halbe Milliarde Euro will der Architekt Josef Wund nach früheren Angaben gleich neben der Rhein-Neckar-Arena mittelfristig investieren.

Stolze 150 Millionen Euro nimmt die Europa-Park-Eigentümerfamilie Mack in die Hand für ihren Wasserpark „Rulantica“ gleich neben Deutschlands größtem Freizeitpark – er lässt sich zudem rasch verdoppeln. Im ersten Ausbauschritt sind aber keine Saunen vorgesehen, dafür aber Rutschen satt und Deutschlands größtes Wellenbad.

SCHWITZSTUBE: Bei der Caracalla-Therme in Baden-Baden ist nicht alles aus Marmor. | Foto: Carasana

„Wir erwarten schon, dass Rust einen Effekt auf uns hat“, sagt Konrad Lansche, Betriebsleiter bei der Carasana Bäderbetriebe GmbH in Baden-Baden mit ihrer Caracalla-Therme und dem Friedrichsbad. „Wir haben einen großen Anteil an französischen Besuchern.“ Für die liege Rust nah. Die Hoffnung sei, dass sich die Auswirkungen in Grenzen halten.

BADEN WIE EINST DER ADEL: Mit seinem historischen Ambiente trumpft das Palais Thermal in Bad Wildbad auf. „Sauna-Touristen“ seien eine Chance und Herausforderung zugleich, heißt es. Foto: Gruppe 3 Tourismus-Gruppe

Alle Freizeiteinrichtungen seien für ihre Bäder eine Konkurrenz, betonen Frank M. Rieg vom Palais Thermal, Oliver Sternagel vom Europabad und Lansche. Auch sie investieren. Sie müssen es auch, weil die Saunagäste zwar spendabel sind, aber auch mit Neuheiten verwöhnt werden wollen. „Die Sauna bringt die Hälfte des Umsatzes. Sie ist die Cash-Cow. Ohne Sauna könnten wir das Europabad nicht ansatzweise wirtschaftlich betreiben“, sagt Sternagel. Während ihre Sauna-Gäste also in den Ruheräumen relaxen, bleiben die Manager der Wellness-Tempel unruhig. Es ist und bleibt ein hitziger (Sauna-)Markt.

DA SPRUDELN SOGAR GEWINNE: Dank der Sauna schreibt das Karlsruher Europabad operativ einen Gewinn – eine Seltenheit unter den kommunalen Bädern. | Foto: jodo

Immerhin: So richtig ins Schwitzen kamen die Sauna-Betreiber, als Mitte 2015 die Umsatzsteuer von sieben auf die regulären 19 Prozent erhöht wurde. In der Folge gingen vielerorts auch die Eintrittspreise nach oben. Der Deutsche Sauna-Bund sprach von einem Rückgang der Besucherzahlen um zirka zehn Prozent und berief sich dabei auf eigene Erhebungen. „Von diesem leichten Rückgang scheinen sich die öffentlichen Saunaanlagen gegenwärtig wieder zu erholen“, sagt Gensow.

 

Weitere Texte zu dem Thema lesen Sie in der Printausgabe vom 09. November 2017