Gar nicht weihnachtlich geschmückt ist ein Teil der Kaiserstraße
KEIN WEIHNACHTLICHES DEKOR ziert die Front von Karstadt. Auch andere Filialisten geizen mit weihnachtlichem Wandschmuck. Zudem fehlt im Zentralabschnitt der Fußgängerzone die städtische Weihnachtsbeleuchtung über der Kaiserstraße. | Foto: jodo

Weniger Weihnachtsbeleuchtung

Einkaufsstadt verliert an Strahlkraft

Karlsruhe leuchtet. Dem einen ist dieses Weihnachtsgefunkel in der Einkaufsstadt schon zu viel, dem anderen reichen die Glühsterne und Glitzergirlanden in der Kaiserstraße noch lange nicht aus. Dabei ist zu beobachten: Es wird wieder dunkler im Advent, aber die Lichter gehen noch lange nicht aus.

Widersprüche im Advent

Der Streit der Meinungen spiegelt die Karlsruher Adventswirklichkeit 2016: Beim Christkindlesmarkt verdient sich eine intransparente Bürokratie im Einsatz für eine vermeintlich neuerdings gerechte Vergabe der Budenplätze den Zorn vieler Bürger. Und trotzdem suchen sie das Geschiebe. Andere Zeitgenossen schlagen lieber einen Bogen um die Glühweinschwemme auf dem Friedrichsplatz. Auch klingen die Ladenkassen bislang nicht so, wie sich Citymanager Sascha Binoth und die Geschäftsleute das vorstellen.

Wie stark schrecken die Baustellen ab?

Andererseits packt viele Christen und junge Humanisten das Kaufrauschfieber für die Geschenkeberge unter dem Tannenbaum nicht mehr. Dazu kommen die Grundsatzfragen: Hat der U-Strab-Bau im verflixten siebten Jahr die Kundschaft noch mehr abgeschreckt? Oder setzt der Internethandel Kaiserstraße & Co immer schwerer zu?

Einkaufsrummel unter Weihnachtsschmuck
FESTLICHES FLAIR im Einkaufsrummel schenkt die glitzernde Bespannung in weiten Teilen der Kaiserstraße zwischen Kronenplatz und Karlstraße. Vielleicht sieht es im nächsten Advent mit einer neuen Beleuchtung an der Haltestelle „Herrenstraße“ ganz anders aus. | Foto: jodo

Ob eine strahlende Weihnachtsbeleuchtung in den Einkaufstraßen viel ändern würde, kann ohne voreingenommenen Standpunkt kaum gesagt werden. Tatsache ist: Bei der Beleuchtung hat die „Beste Weihnachtsstadt“ nachgelassen. Ausgerechnet im Jahr, in dem das Stadtmarketing sich stolz mit der Auszeichnung der Fächerstadt neben Neumünster und Traben-Trarbach als „Best Christmas City“ brüstet, nimmt ihre Leuchtkraft ab.

„Karstadt hatte eine wunderschöne Beleuchtung“

Binoth bestätigt, dass etwa auf dem Zentralabschnitt der Kaiserstraße zwischen Marktplatz und Ritterstraße keine Weihnachtsbirne leuchtet. Wegen der Baustellen habe man dort das Lämpchenlametta noch nicht wieder über die Fußgängerzone gespannt. Er bedauert auch besonders, dass die Karstadtfront, abgesehen von den Schaufenstern, diesmal dunkel bleibt. „Gerade Karstadt hatte früher eine wunderschöne Beleuchtung“ – die habe sich der Konzern wohl nun gespart, meint der Mann, der seit 15 Jahren versucht, das Geschäftsleben in der Fächerstadt am Puls der Kundschaft zu halten.

Die MIttlere Karlstraße ist nicht geschmückt.
KAUM EINE SPUR von weihnachtlicher Illumination ist in der Karlstraße bei der Postgalerie (links) auszumachen. | Foto: jodo

„Einige Geschäfte mehr als sonst machen dieses Jahr nichts“, bestätigt der City-Experte den allgemeinen Eindruck. Vor allem viele Filialisten zeigten außen keinen Weihnachtsschmuck mehr, was vor allem in der Kaiserstraße einen schlechten Eindruck mache, kritisiert Binoth. Bei diesem Verzicht auf Weihnachtsbeleuchtung zeige sich in Karlsruhe „ein bundesweiter Trend“. Binoth bedauert: „Die Weihnachtsschmuckmoral bei den Geschäften hat abgenommen.“ Der Citymanager diagnostiziert „Verbesserungsbedarf“.

Die Waldstraße im Weihnachtsschmuck gefällt vielen Bürgern.
PÄCKCHEN UND STERNE hängen über der Waldstraße zwischen Kaiserstraße und
Ludwigsplatz. Dieser Weihnachtsschmuck fällt vielen Bürgern positiv auf.
| Foto: jodo

Da freut sich Binoth über andere Glanzlichter, wie sie ausgerechnet der U-Strab-Bauherr Kasig mit der Glitzergirlande um das blaue Havarierohr in der Kaiserstraße aufgesteckt hat. Auch die neue Leuchtpyramide auf der Halbbaustelle Marktplatz lässt den Stadtvermarkter schwärmen. Auch viele Läden besonders in der Karl- und in der Waldstraße sowie das Einkaufszentrum „Ettlinger Tor“ bewiesen, „wie wichtig die Außendeko ist“. Eine weihnachtliche Fassade sei doch „ein wichtiger Faktor“ im Wettbewerb um die Gunst der Kunden.

Kommt 2017 eine neue Weihnachtsbeleuchtung?

Auch wenn Binoth sich dazu noch nicht äußern will, so ist doch in der Geschäftswelt von einem Hoffnungsschimmer für die Kaiserstraße im Advent 2017 die Rede. Demnach gibt es vielleicht im nächsten Jahr schon eine neue Karlsruher Weihnachtsbeleuchtung, die Stadt und Handel über die Fußgängerzone mit Straßenbahnverkehr bis mindestens 2021 spannen.