Mit einer Vision: Annika Beihofer (links) und Claire Dietrich helfen bei Vereinsaktionen mit.
Mit einer Vision: Annika Beihofer (links) und Claire Dietrich helfen bei Vereinsaktionen mit. | Foto: Jörg Donecker

Verein Viva con Agua

Einsatz für Wasser ist nicht für die Tonne

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Die Weltkarte in Form eines Wassertropfens: Wer bei Konzertbesuchen etwa im Tollhaus oder dem Substage aufmerksam um sich schaut, der entdeckt das blau-weiße Logo. Viva con Agua sammelt Pfandbecher – Tonne auf, Spende rein. Der Verein verfolgt seit vier Jahren in Karlsruhe die Vision „alle für Wasser, und Wasser für alle“. Fehlendes sauberes Trinkwasser und hygienische Sanitäranlagen sind in zahlreichen Ländern der Welt noch immer ein Problem. Dagegen wollen die Mitglieder mit Aufklärungsarbeit, Spendenkassen und diversen Aktionen ankämpfen.

Pfanderlös als Spende

„Wir positionieren uns auf Veranstaltungen mit unseren Tonnen, in welche die Besucher ihre Pfandbecher werfen können“, erklärt Claire Dietrich. Die 26-Jährige ist seit 2014 im Verein tätig und kümmert sich derzeit um das Netzwerk in Karlsruhe. „Wir fordern die Menschen allerdings nicht dazu auf. Sie sollen sich eigenständig für die Spende entscheiden.“ Mit der Kampagne ist Viva con Agua etwa beim Zeltival im Tollhaus zu sehen. Im September präsentiert sich die Truppe beim Theaterfest des Badischen Staatstheaters.

Viva con Agua weltweit

Gegründet wurde der Verein 2005 in Hamburg von Profi-Fußballer Benjamin Adrion. „In einem Trainingslager auf Kuba hat er gesehen, dass die wenigsten Menschen sauberes Wasser zur Verfügung haben“, erzählt Claire Dietrich. Mittlerweile ist der Verein in über 55 Städten mit mehr als 9 000 Ehrenamtlichen vertreten. Rund 35 Aktive verfolgen Adrions Vision in Karlsruhe. Auch in Österreich, in der Schweiz sowie in Uganda und Kalifornien haben sich Freiwillige zusammengefunden, um Projekte für sauberes Trinkwasser und Hygiene im In- und Ausland zu unterstützen. Die gleichnamige Stiftung verkauft zudem Viva con Agua-Wasser, das in Karlsruher Cafés zu finden ist.

Lebe mit Wasser.

„Viva von Agua bedeutet übersetzt ,Lebe mit Wasser‘“, sagt die Netzwerk-Koordinatorin. „Der Verein steht aber auch für Kunst, Musik und Sport.“ Denn die Aktionen und Bildungsangebote seien meistens mit Aktivitäten dieser Branchen verknüpft. Einmal jährlich findet etwa in Hamburg die „Millerntor Gallery“ statt, bei der fünf Tage lang zugunsten der Vereinsprojekte Kunst verkauft wird.

Zusammenarbeit mit Welthungerhilfe

„Unser größter Partner ist die Welthungerhilfe“, erklärt die angehende Lehrerin. „Viva con Agua wählt aus, in welche Projekte die Spenden fließen. Die Organisation koordiniert das Geschehen vor Ort und baut zum Beispiel mit dem Geld Brunnen.“ Der Verein ist in Äthiopien, Uganda, Kenia, Indien, Malawi und Nepal aktiv. „Es geht nicht nur um Brunnenbau“, betont Claire Dietrich.

Wasser, Wasser, Wasser: Das Viva con Aqua-Team sammelt in selbstgestalteten Tonnen bei Konzerten wie hier im Substage Pfandbecher.
Wasser, Wasser, Wasser: Das Viva con Agua-Team sammelt in selbstgestalteten Tonnen bei Konzerten wie hier im Substage Pfandbecher. | Foto: Jörg Donecker

„Wir geben Hinweise für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und vermitteln Kenntnis über Hygiene – nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland.“ Dazu gehe das Team an Schulen und organisiere zum Beispiel Spendenläufe. Zuletzt fand ein Nachtflohmarkt im Club Stadtmitte statt: Dabei kamen rund 1 300 Euro Spenden zusammen.

Hygiene und Wasser

„Ich kenne die Organisation schon lange, habe mich aber nie engagiert, da es in meiner Heimatstadt keine Gruppe gab“, erzählt Annika Beihofer, die erst seit Juli dabei ist. „Seit ich im Verein aktiv bin, hat sich nicht nur meine Wahrnehmung von Wasser, sondern von Hygiene allgemein verändert,“ resümiert die 22-jährige Pädagogikstudentin. „Man schätzt die Mittel viel mehr wert, die man hier zur Verfügung hat.“

Energie für Ehrenamt

Ihre Kollegin Claire Dietrich ist hingegen seit der Schulzeit Teil von Viva con Agua. „Meine Lieblingsband hat immer bei ihren Konzerten dazu aufgerufen, die Pfandbecher in die Tonnen zu werfen. Irgendwann habe ich mich informiert und gemerkt, das ist eine coole Sache“, erinnert sich die gebürtige Stuttgarterin. „Jeder kann mitmachen. Jeder kann so viel Zeit und Energie einbringen, wie er will.“

Einheimische tragen Idee weiter.

Sie selbst hat ihr Ehrenamt vergangenes Jahr nach Uganda geführt. „Ich habe die Gründung der dort ansässigen Gruppe verfolgt“, erzählt Claire Dietrich. „Es ist interessant zu sehen, dass dort ein kleiner Kreis überzeugter Einheimischer lebt, die unsere Idee weitertragen.“ Auf ihrer Reise hat sie die Situation im Land hautnah erlebt. „Uns ist gar nicht bewusst, wie eine Latrine aussieht“, sagt sie. „Das ist absoluter Horror. Auf so eine Latrine zu gehen, erfordert eine Menge Überwindung.“

Aus den Hygiene-Bedingungen entstehen oft Krankheiten. „Wir wollen Menschen, denen dieses Wissen aufgrund ihrer kulturellen Herkunft fehlt, Zusammenhänge zeigen. Aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern auf Augenhöhe“, betont die Referendarin. „Zu sehen, dass man die Einheimischen dazu anregt, etwas zu verändern, ist toll.“

Beitrag zu Projekten

Ihren „Aha-Moment“ erlebte Annika Beihofer bei ihrer ersten Hilfsaktion während eines Konzerts: Das Gefühl einen Beitrag leisten zu können, erinnert sie sich. 36 Euro können einem Menschen in Äthiopien Zugang zu sauberem Trinkwasser verschaffen, konkretisiert ihre Kollegin. Das verdeutliche, welchen Wert die Spendeneinnahmen haben.

Nebeneffekt: Musik

Einen netten Nebeneffekt der ehrenamtlichen Arbeit gebe es dennoch: „Bei Konzerten dürfen wir mithören. Oft lernen wir die Künstler kennen, die sich für ein Foto mit uns Zeit nehmen oder sogar darauf bestehen“, berichtet Dietrich. „Wir sind eine große Gemeinschaft“, betont das langjährige Vereinsmitglied. „Wir möchten alle mit unserer Zeit für andere Menschen etwas Gutes erreichen.“