Der Alkoholakzeptierende Aufenthaltsraum soll dazu beitragen, die Suchtkranken von der Straße zu holen. | Foto: Uli Deck

Süchtige von der Straße holen

Trinkraum ab heute offen: Entspannt sich Lage auf dem Werderplatz in Karlsruhe?

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Der neue Trinkraum in der Südstadt soll die angespannte Lage auf dem Werderplatz entschärfen: Ab heute ist der „Alkoholakzeptierende Aufenthaltsraum“ (A³) in der Schützenstraße 2 eröffnet.

Bei den Räumlichkeiten handelt es sich um eine ehemalige Gaststätte, die das Diakonische Werk schon seit Jahren für verschiedene Angebote genutzt hatte. Mit A³ wird das Diakonische Werk nun seine bestehende Straßensozialarbeit auf dem Werderplatz erweitern.

Betroffene bisher kritisch

„Den Besuchern stehen ein großer Hauptraum und zwei kleinere Nebenräume sowie eine große Küche und eine Terrasse zur Verfügung“, sagt Luise Winter, die bei der Diakonie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Betroffenen sollen hier die Möglichkeit haben, niedrigprozentigen Alkohol zu konsumieren.  Zudem gibt es die Möglichkeit mit Sozialarbeitern zu sprechen. Sie stehen dem Angebot des Diakonischen Werks jedoch eher skeptisch gegenüber. Winter bewertet die Reaktionen als „kritisch abwartend“. Man freue sich aber, nach der Eröffnung die Bevölkerung von der Qualität und Notwendigkeit des Angebots zu überzeugen.

Alkoholverbot auf dem Werderplatz

Mit dem Angebot einher gehen soll auch ein Alkoholverbot auf dem Werderplatz. Dieses muss allerdings erst vom Gemeinderat beschlossen werden. Derzeit prüfe das Ordnungsamt, ob die notwendigen Kriterien für ein solches Verbot erfüllt seien, so Mathias Tröndle vom Presseamt der Stadt. Dabei gehe es etwa um die Anzahl der Personen, auch müssten Daten der Polizei über Straftaten auf dem Platz zusammengetragen werden. „Es muss einfach sichergestellt werden, dass andere Möglichkeiten wie Personenkontrollen oder Platzverweise ausgeschöpft wurden“, so Tröndle weiter. Dieser Prozess dauere voraussichtlich bis Ende des Jahres.

Drogenkonsumraum frühestens Anfang 2019

Auch der angedachte Drogenkonsumraum werde frühestens im Januar 2019 kommen. Dafür bedarf es noch einer entsprechenden Rechtsverordnung des Landes Baden-Württemberg. Der Entwurf dieser Rechtsverordnung befindet sich nach Angaben der Stadt derzeit noch in einem Anhörungsverfahren, voraussichtlich im Oktober soll er im Kabinett in Stuttgart vorgestellt werden. Daraufhin werde die Rechtsverordnung aller Voraussicht nach beschlossen und könne dann zum 1. Januar 2019 in Kraft treten, erklärt Tröndle.

Herausforderung Standortfrage

Parallel dazu sucht die Awo als Träger bereits nach möglichen Räumen in zentraler Lage. „Allerdings nicht in der Südstadt“, macht Tröndle deutlich. Generell sei die Standortfrage eine große Herausforderung. In seiner Sitzung vom 24. April hatte der Gemeinderat der Einrichtung eines Trink- sowie eines Drogenkonsumraums jeweils einstimmig zugestimmt. Stadträte aller Fraktionen hatten große Hoffnungen in die Projekte gesetzt. Es gab aber auch skeptische Stimmen. So hatte etwa Lüppo Cramer (Kult) Bedenken geäußert, ob der Trinkraum auch von den Betroffenen angenommen werde. Aber: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so der Stadtrat.
Bislang trafen sich zweitweise bis zu 80 Süchtige am Tag auf dem Werderplatz. In Bochum hat sich ein ähnliches Projekt sogar erfolgreich etabliert, die Stadt hat gute Erfahrungen mit einem Drogen- und Alkoholkonsumraum gemacht. Die offene Szene sei dort verschwunden und schwerst Suchtkranken könne so besser geholfen werden, berichtete eine Diakonie-Sprecherin.
(mit Material von lsw)