Sie ist die "Seele des Vereins". Seit 20 Jahren führt Erna Pacer die Ortsgruppe Karlsruhe der Landsmannschaft Deutscher aus Russland (und ehemaligen Sowjetrepubliken), Mit viel sozialem Gespür und Führungskraft hat sie ein überwiegend weibliches Team für Beratung und Bildungsarbeit um sich geschart. | Foto: lie

Für Integration in Karlsruhe

Erna Pacer führt Russland-Deutsche

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Sie ist das Gesicht und die gute Seele der Deutschen aus Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken, die in der Region Karlsruhe leben. Erna Pacer führt seit 20 Jahren den Ortsverband mit Führungskraft und sozialer Kompetenz. 

„Für die Seele, für die Leute, für die Stadt musste ich einfach weiter etwas tun, deshalb habe ich mich gleich bei der Landsmannschaft engagiert als ich 1998 nach Karlsruhe kam“, erzählt Erna Pacer. Sie hatte nach der Ausreise aus der Ukraine unter schwierigsten Bedingungen im Auffanglager Friedland gelebt und kurz in Leipzig. Die Tochter bekam eine Stelle am Klinikum Karlsruhe, Erna Pacer folgte ihr und nahm in der neuen Heimat viele verschiedene Jobs an. Sowie das Ehrenamt „für die Seele“. Und seitdem ist sie das Gesicht und die gute Seele der Deutschen aus Russland und den ehemaligen Sowjetrepubliken, die in der Region Karlsruhe leben.

Integration der Deutschen aus Russland

Von 1999 bis 2009 kamen die meisten. Auch heute entscheiden sich Menschen von Ost nach West zu wechseln. Mit Hoffnungen, dank unbändigem Fleiß und Diplomen neu anfangen zu können. Aber auch mit der häufigen Erfahrung, schon wieder als fremd angesehen zu werden. Obwohl gerade sie doch das Deutschsein gepflegt haben in der alten Heimat. „Zwei drei Jahre dauert die Integration mindestens, manche von uns meinen noch viel länger. Wir von der Landsmannschaft helfen ganz konkret bei Arbeitssuche und mit Behörden. Manchmal müssen wir bremsen, dass Männer, die unbedingt irgendetwas arbeiten wollen, ihre Qualifikationen verschleudert. Auch persönliche Ermunterung und Lebensberatung ist nötig“, sagt die 66-Jährige, die einst Ökonomie studierte und Geschäftsfrau war.

„Wollen in keine Ecke gestellt werden“

Sie und ihr Team aus besonders vielen Frauen müssen vermitteln zwischen den Gesetzen und der Realität in Deutschland sowie dem Gefühl vieler Russlanddeutscher, schräg angeschaut zu werden.
„Dabei sind unsere Leute weder Putin-hörig noch einer bestimmten rechten Partei zugetan. Wir und der neutrale Verband möchten nicht in diese Ecke gestellt werden wegen einiger weniger,“ sagt CDU-Mitglied Pacer. Sie hat selbst seit langem gute Kontakte zu den wichtigen Akteuren der Kommunalpolitik.

Diskussion über Ausgrenzung

An den laufenden Karlsruher Wochen gegen den Rassismus nehmen die Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion mit einer Veranstaltung teil. Sie wollen ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung und Integration, diskutieren: Am Donnerstag, 21. März, um 18 Uhr im Internationalen Begegnungszentrum, ibz, Kaiserallee 12d. Es moderiert Katharina Martin-Virolainen.
Opernfan Pacer wohnt seit kurzem bei der Familie ihrer Tochter. Ein „Lebenszimmer“ hat sie immer noch in der Scheffelstraße.In einjähriger Umbauarbeit entstanden 2007 im Hinterhaus Räume für die Landsmannschaft. Überall hängen ausdrucksstarke, von Kindern gemalte Bilder. Sie entstanden bei der Kunstvermittlung für den Nachwuchs.

Starkes weibliches Team

200 Kinder und Jugendliche erhalten wöchentlich Unterstützung in deutscher Sprache, für die Schule oder kreative Angebote wie Theaterspielen. An anderen Orten der Stadt wird getanzt und musiziert. Die praktizierende evangelische Christin Pacer hat dafür mit Führungskraft und sozialem Gespür engagierte Mitstreiterinnen um sich geschart.

 

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Erna Pacer wurde 1952 in Kasachstan in einer deutschsprachigen Familie geboren. Sie wuchs mit vier Geschwistern auf. Ihre Mutter war Hausfrau, ihr Vater Schreiner und Bauarbeiter. Sie studierte Ökonomie und arbeitete in der Ukraine, in der Nähe von Kiew. Sie reiste 45-jährig mit ihrer Tochter 1997 nach Deutschland aus. In Karlsruhe hatte sie verschiedene Berufe und übernahm 1998 den Vorsitz bei der Orts- und Kreisgruppe der Deutschen aus Russland. Außerdem hatte sie Ehrenämter auf Landes- und Bundesebene. Mit ihrem Team baute sie Bildungs- und Beratungsangebote für Deutsche aus Russland und ihre Familien aus. Auch anderen Migranten können beim Verband Beratung bekommen.