Finanzamt
Die Steuern sprudeln weiter im Finanzamt Karlsruhe-Stadt. Auch im Finanzamt in Durlach flossen die Einnahmen 2019 reichlich, dort ist sogar ein neuer Rekordwert erreicht. | Foto: jodo

Steuern in der Stadt sprudeln

Erneut steigende Einnahmen bei den Finanzämtern in Karlsruhe und Rekordbilanz in Durlach

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In den Finanzämtern Karlsruhe-Stadt und Karlsruhe-Durlach sprudeln die Steuereinnahmen für Bund und Land. Sie steigen oder stagnieren auf hohem Niveau, zeigt die vorläufige Bilanz für 2019. Dazu trägt die Vollbeschäftigung bei, tendenziell steigen außerdem die Gehälter.

Auch günstig für die Bilanz sind ortstreue große Unternehmen wie die Drogeriemarkt-Kette dm, die ihren Sitz innerhalb der Stadt verlegt hat.

Dabei gab das Finanzamt in Durlach Lohnsteuerzahlern übrigens 2019 mehr Geld zurück – anders als beim Finanzamt mitten in der Stadt, wo vergleichsweise weniger Besserverdiener veranlagt werden. Wer nicht viel Verdienst hat, bei dem fallen in der Regel auch Rückzahlungen niedriger aus.

Bei der Steuer ist Karlsruhe ganz untypisch

Absolut dominant beim Finanzamt Karlsruhe-Stadt ist die Umsatzsteuer. Die Behörde, die mit ihren rund 350 Beschäftigten im Sommer vom Schlossvorplatz an die Durlacher Allee zieht, kassierte im zurückliegenden Jahr rund 4,4 Milliarden Euro für Land und Bund ein. Rund 2,3 Milliarden Euro Umsatzsteuer – 2018 waren es sogar 2,47 Milliarden – machen mehr als 50 Prozent des gesamten Steueraufkommens aus. Das ist völlig untypisch, auch bundesweit, sagt der Vorsteher des Finanzamts, Joachim Cadus. Den Ausschlag dafür gebe die Mineralöl-Industrie am Rhein.

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Das Ergebnis des Finanzamts Karlsruhe-Stadt bleibt gut – es fällt allerdings um 1,6 Prozent hinter das Rekordergebnis von 2018 zurück. 4,5 Milliarden Euro waren damals an Land und Bund geflossen. Ein spürbares Minus von 7,7 Prozent bei der Umsatzsteuer sei entstanden, weil die neue dm-Zentrale am östlichen Rand der A 5 unter neuer fiskalischer Zuständigkeit steht, erklärt Cadus.

Die umsatzstarke, profitabel wirtschaftende Drogeriemarkt-Kette wird nun beim Finanzamt Karlsruhe-Durlach geführt. Dort schlägt entsprechend bei der Umsatzsteuer im Vergleich zum Vorjahr ein sattes Plus (27 Prozent) zu Buche. 2018 kamen rund 380 Millionen Euro zusammen. 2019 nach dem Zuzug der Drogeriemarkt-Zentrale waren es fast 488 Millionen, berichtet Ulrich Buggisch. Er leitet das Finanzamt Karlsruhe-Durlach in direkter Nachbarschaft zur Karlsburg, das auch für Neureut und Teile des Landkreises zuständig ist.

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Ebenfalls fette Einnahmen für die öffentliche Hand bringt Jahr für Jahr die Lohnsteuer. Als Steueranteil am Verdienst der Einwohner gingen fast 1,4 Milliarden Euro bis Ende November 2019 im Finanzamt Karlsruhe-Stadt ein – ein gewaltiger Batzen, mehr als ein Viertel des gesamten Steueraufkommens. 2018 waren es rund 1,37 Milliarden Euro, der jüngste Zuwachs beträgt gut zwei Prozent.

Neuer Rekord durch Umzug der dm-Zentrale

Im Bereich des Finanzamts Karlsruhe-Durlach weist die vorläufige Jahresbilanz deutlich über 500 Millionen Euro Lohnsteuer aus. Das bedeutet im Vergleich zu 2018 eine Steigerung um hervorstechende 16 Prozent. So ist die Lohnsteuer erstmals zum dicksten Batzen in der Einnahmebilanz des Finanzamts in Durlach geworden. Das steuerliche Gesamtaufkommen dort beträgt fürs abgelaufene Jahr 1,6 Milliarden Euro – ein neuer Rekord.

Von 2018 stammt die bisherige Bestmarke, da waren es rund 1,44 Milliarden. Zusätzlich zu der guten Beschäftigungslage und gestiegenen Löhnen nennt Buggisch auch den dm-Umzug als Mitursache der erneuten Steigerung.

Lotteriesteuer wird fürs ganze Land in Durlach kassiert

Die Kassen für Bund und Land klingeln nicht nur, weil wirtschaftlich der Rubel rollt in Karlsruhe und dem umliegenden „Speckgürtel“. Denn mit dem Einzug der Lotteriesteuer ist zentral für ganz Baden-Württemberg in Durlach eine Vollzeitstelle eingerichtet. Und die wirft Jahr für Jahr stabil um die 180 Millionen Euro ab, berichtet Buggisch.

Die Konkurrenz im Internet zahlt in Deutschland keine Steuern, sie ist in Malta oder Zypern registriert. Bisher habe das nicht stark durchgeschlagen, sagt Buggisch. Die aktuelle Neuregelung wirke sich frühestens 2021 aus. Der Chef des Finanzamts rechnet nicht mit einer starken Wirkung.