Schluss mit Salti: Was der zwölfjährige Roman im Januar noch zeigen durfte, kann im Moment so nicht stattfinden. Die Parkourhalle des NCO-Club ist geschlossen.
Schluss mit Salti: Was der zwölfjährige Roman im Januar noch zeigen durfte, kann im Moment so nicht stattfinden. Die Parkourhalle des NCO-Club ist geschlossen. | Foto: Jörg Donecker

Ungewissheit

Ersatz für die Karlsruher Parkour-Halle steht in den Sternen

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Die von jungen Trendsportlern stark genutzte Parkourhalle des NCO-Clubs in Karlsruhe ist Corona-bedingt zur Zeit geschlossen. Wenn in der Gegend auf dem C-Areal neu gebaut wird, muss sie weichen. Ein Ersatzbau war im Januar noch versprochen – doch die Jugendlichen haben Angst, dass das Projekt durch die Corona-Krise aufgegeben werden könnte.

Es ist heiß an diesem späten Nachmittag in der Nordstadt. Ohnehin zu heiß, um in der Parkourhalle des NCO-Clubs zu trainieren. Doch auch bei schlechten Wetter bleibt die Halle bis auf Weiteres geschlossen. Die Corona-Hygieneregeln machen es unmöglich, das tägliche offene Training für Jugendliche ab 14 Jahren anzubieten. Nur die Kurse für die Jüngeren finden jetzt statt – wieder.

Arne Becker ist mit einer Gruppe rund um die Merkur Akademie unterwegs, später wird er sie noch zum nahe gelegenen Indiana-Spielplatz führen. In der Parkourhalle müsste man regelmäßig alle Geräte desinfizieren, das sei nicht machbar, erklärt Becker. Deshalb geht der Abiturient, der seit anderthalb Jahren Parkour-Trainer beim NCO-Club ist, mit seinem Kurs raus, aufs Gelände.

Parkour ist eine Philosophie für sich.

Arne Becker, Parkour-Trainer

An einem von einer Betonmauer umgebenen Treppenaufgang macht die Gruppe kurz Halt. Die Kinder üben ein paar Sprünge. „Was ist, wenn man da abrutscht?“, fragt ein Junge. „Man rutscht einfach nicht ab“, erklärt Becker und überwindet einen etwa drei Meter tiefen und gut zwei Meter weiten Abgrund mit einem kraftvollen, kontrollierten Sprung.

„Parkour ist eine Philosophie für sich“, sagt Becker, „es geht darum, Hindernisse zu meistern. Man überwindet sie, anstatt einen Weg drumherum zu suchen.“ Und darum, effizient von A nach B zu kommen – die Kinder lernen dabei eine Denkweise, die sich auf andere Lebenssituationen übertragen lasse.

So wirklich große Sprünge und Kunststücke können die Kursteilnehmer zur Zeit nicht machen – das geht nur in sicherer Umgebung mit Trainingsgeräten und Stürze auffangenden Matten. Draußen im Gelände fehlt das alles.

 

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Der Ersatz für die Parkourhalle steht in den Sternen

Ungewiss ist, wie lange die Parkourhalle noch zu bleibt – und ob es nach Beginn der Bauarbeiten auf dem so genannten C-Areal, auf dem die Halle steht, tatsächlich einen Ersatz geben wird. In spätestens drei Jahren sollte – Stand Januar 2020 – die bisherige Halle abgerissen werden. Einen Ersatzstandort hatte der Stadtjugendausschuss bereits im Auge: Auf einer Rasenfläche hinter dem NCO-Club solle die neue Halle für Parkour und andere Trendsportarten errichtet werden.

„Wir waren grade dran, das alles zu regeln“, sagt Arne Becker. Er meint die siebte Karlsruher Jugendkonferenz, in der Details hätten besprochen werden sollen – doch der Termin wurde Anfang März wegen Corona abgesagt. „Es hat sich im Sand verlaufen. Die Hoffnung ist, dass sich jetzt alles einfach um ein Jahr verschiebt.“

Der Bebauungsplan, der wohl bis Ende des Jahres rechtskräftig wird, sehe zumindest im Entwurf eine Halle westlich des NCO-Gebäudekomplexes vor, sagt Rudi Kloss, beim Stadtjugendausschuss Fachbereichsleiter für Offene Kinder- und Jugendarbeit. „Wir gehen davon aus, dass es im Prinzip möglich ist.“ Allerdings habe es noch keinen Beschluss für den Hallenbau seitens der Stadt gegeben.

„Bisher sind das alles nur Willensbekundungen“, sagt Kloss. Durch die Corona-Krise fürchten viele der Jugendlichen und ihrer Betreuer, dass das Projekt Parkourhalle in der Prioritätenliste nach hinten rutscht.

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Parkour bietet den Kindern Abwechslung vom öden Corona-Alltag

„Das kann natürlich sein, wenn sich starke Haushaltsbelastungen abzeichnen“, sagt Kloss. „Aber an dem Punkt sind wir noch nicht.“ Ob ein Ersatz vor dem Abriss der bestehenden Halle realisiert werden kann, stehe sowieso in den Sternen. Auf der Internetseite des Investors GEM ist der geplante Baubeginn auf dem C-Areal mit „Ende 2021“ angegeben. Darauf hatte man sich – zumindest für eine Teilfläche – nach langem Ringen im Oktober 2019 mit der Stadt geeinigt. Telefonische Rückfragen an GEM waren am Montag nicht möglich.

Auf dem Indiana-Spielplatz trainiert an diesem Nachmittag eine zweite Parkourgruppe, geleitet von Tim Pasel. Sie üben auf dem weichen Hackschnitzel-Boden ein paar Flugrollen, dann spielen sie „Parkour-Fangen“. Über Klettergerüste und Schaukeln hinweg rennen sie einander nach. „Man kann nicht richtig viel machen, aber ich denke es macht trotzdem allen Spaß“, sagt Pasel.

„In der Parkourhalle haben wir richtige Geräte und Laufwege“, sagt der 13-jährige Vincent. „Das hier ist für kleine Kinder.“ Trotzdem ist er froh, wieder trainieren zu dürfen. „In der Corona-Zeit bin ich den halben Tag am Buch oder am Laptop gesessen und hab’ mich gefragt: was mach’ ich heute?“, sagt er. „Da ist Parkour schon ne gute Abwechslung.“

Draußen im freien Gelände sei es einfach schwieriger, gerade die Jüngeren bei Laune zu halten, sagt Parkour-Trainer Arne Becker. „Wenn wir wieder in die Halle dürfen, wird auf jeden Fall gefeiert.“

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