KOLOSSALE KLÖPPERSCHALE: 2,20 Meter Durchmesser hat die von Firmenchef Andreas Müller entworfene Pflanzschale. Der Hydrokultur-Spezialist stattet bundesweit Büros, Fabrikhallen, Hotels und Einkaufszentren mit Grün aus. | Foto: Fabry

Karlsruher Firma Andreas Müller Hydrokulturen GmbH

Es grünt so grün, wenn Müllers Pflanzen blühen

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Ist das nun ein Designer-Tempel, ein Gewächshaus oder doch ein stylishes Büro? Wer Andreas Müller (53) in seinem Karlsruher Unternehmen besucht, muss da schon kurz überlegen: Gleich nach dem Eingang steht eine doppelstöckige Glasvitrine – unten ziert ein uriges Wurzelwerk, oben eine Sansevieraia, eine üppige Grünpflanze. Vorbei geht es an weitaus mehr als mannshohen Edelstahlvasen, grünen Pflanzwänden, Moos-Bildern samt integriertem Hirsch-Konterfei und schließlich unter hängenden Pflanzen hindurch.

Es grünt so grün, wenn Müllers Pflanzen blühen. Sein Unternehmen stattet in Süddeutschland Bürogebäude, Hotels, Einkaufscenter oder auch Arztpraxen mit üppigem Grün aus, pflegt es auf Wunsch und wechselt je nach Saison auch das Arrangement.

Bundesbank, Burda und Daimler als Kunden

Die Deutsche Bundesbank, Daimler, Burda, Edeka Südwest, verschiedene ECE-Center, die Messe Karlsruhe, der ADAC oder 1&1 sind beispielsweise seine Kunden. „Im Großraum Karlsruhe sind wir der Marktführer“, sagt Müller. Doch der Mann mit dem grünen Daumen wirkt über Kooperationspartner auch bundesweit. Seine grünen Geschäfte gedeihen gut, auch wenn er sich zu Umsatz und Ergebnis ausschweigt. Nur so viel: Zwei Millionen Umsatz will er in den nächsten Jahren erreichen.

Zusätzliche Kundschaft soll auch ein Anbau in der Karlsruher Zentrale bringen, der rund eine Million Euro kostet. Der Visionär Müller will dort keine Trennung mehr zwischen Show-Room und Arbeitsplätzen. „Wir wollen unsere Büros in einen einzigen großen Show-Room total integrieren“ – durch den können Interessenten dann gehen und sich Anregungen holen.

Müller sieht sich denn auch „als Visionär“ in seiner Andreas Müller Hydrokulturen GmbH. „Er ist der Macher“, fügt Assistentin Anne-Katrin Thurig flugs hinzu, denn der Chef des 22-Mann-Unternehmens fährt auch gerne mal mit dem 7,5-Tonner frische Pflanzen aus und pflegt bei einzelnen Kunden auch heute noch regelmäßig das Grün.

Sein Jugendzimmer war Andreas Müllers erstes Büro

Dieses grüne Gen trägt er in sich: Der Großvater war Chefgärtner in Karlsruhes Botanischem Garten. In einer Baumschule lernt Müller den Beruf des Einzelhandelskaufmanns und wechselt dann zum heutigen Metro-Großmarkt als Chef des Blumenshops – dort ist er von Hydrokultur fasziniert und wird von Kunden gefragt, ob er nach Feierabend auch die Pflanzen pflegen könnte. 1989 gründet er dann sein Ein-Mann-Unternehmen. „Sein erstes Büro war sein Jugendzimmer“, erinnert seine Frau Birgitt Müller, die heute Prokuristin im Unternehmen ist. Der Durchbruch kommt mit dem US-Konzern HP, damals auch in Waldbronn beheimatet. In seinem Show-Room hat Müller heute noch die gelbe Schreibmaschine, Marke Silverette, stehen, mit der er 1989 das Angebot geschrieben hat. Kurz danach folgt Siemens als nächster Großkunde.

SCHÖNER ARBEITEN ODER KUNDEN EMPFANGEN: Ein Beispiel für modern gestaltetes Grün zeigt diese Aufnahme, die beim ADAC Nordbaden in Karlsruhe entstanden ist. | Foto: Fabry

Der Wettbewerb habe sich verschärft, sagt Müller – vor allem bei der Pflege des Grüns, das rund 50 Prozent des Umsatzes bringt. Gärtnereien und Blumengeschäfte wollten sich ein weiteres Standbein schaffen. Müller unterstreicht aber, dass spezielles Know-how nötig ist und fachsimpelt über Ionenaustausch beim Düngen. Je nach Kalkgehalt des Wassers mische sein Gartenbauingenieur eine spezielle Düngemischung. Auch beschäftige man ausschließlich Mitarbeiter, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. „Wir pflegen pro Monat etwa 17 000 Pflanzgefäße im Haus unserer Kunden“, oft in sensiblen Bereichen wie auf Vorstandsetagen oder in den Rechenzentren. Da überrascht es auch nicht, dass so mancher Firmenchef für sein Haus oder seine Villa bei Müller einkauft – und die Pflanzen von dessen Grün-Spezialisten auch noch pflegen lässt.

Der Kostendruck sei eine Herausforderung, ebenso die Suche nach Fachpersonal, erläutert Müller. „Auf der anderen Seite ist das Thema Grün Indoor in den Unternehmen fest verankert“, weist er auf Chancen hin.

„Pflanzen reduzieren Krankenstände“

„Krankenbestände lassen sich nachweisbar durch den Einsatz von Grünpflanzen reduzieren“, betont Birgitt Müller und zückt ein Flugblatt mit weiteren Argumenten für Grün in Büro und Fabrik: Schadstoff-Filter, Schallschutz, Staubreduktion, Luftfeuchte, Motivation, Energieeinsparung, heißt es dort beispielsweise. Die Müllers legen übrigens selbst Wert auf motivierte, langjährige Mitarbeiter, die nicht nur die Gießkannen, sondern auch die Firmen-Philosophie zu den Kunden bringen. Während des BNN-Gesprächs leuchten auf dem Großbildschirm im Besprechungsraum Neujahreswünsche und Glückwünsche für lange Betriebszugehörigkeit auf. Davor stehen frisches Obst, Wasser, Kaffee, Tee – kostenfrei.

Im Trend liege die vertikale Begrünung, sagt der Firmenchef. „Moos an der Wand ist ein Hype, der aber schon heiß läuft. Aber die Vertikalbegrünung wird generell noch viele Jahre wichtig sein.“ Er besucht zahlreiche Messen, tauscht sich mit Designern und Innenarchitekten aus. Er hat aber auch viele eigene Ideen. Ein Beispiel: Müller, der als passionierter Bergsteiger schon zahlreiche 4 000er bestiegen hat, macht auch gerne in der Uckermark Urlaub – und ist von der hügeligen Landschaft begeistert. Davon angeregt, ließ er die „Uckermarkschale“ schaffen. Das Teil wird sonst als Endstück für Eisenbahn-Kesselwagen produziert. Versehen mit Füßen und begrünt ist es ein Hingucker – so wie das Exemplar mit 2,20 Meter Durchmesser in Müllers Showroom. Und dort fragt man sich erneut: Ist das hier ein Designer-Tempel, ein Gewächshaus oder doch ein Büro?

Hydrokultur:

Bei dem „Wasser-Anbau“ kommen die Pflanzen ohne konventionelle Erde aus. Blähtonkugeln dienen ihnen als Fundament. Sporen und Pilze gibt es so bei der richtigen Handhabung keine. Eine Dünger-Lösung wird hinzugegeben. „Der Wartungsintervall ist sehr lang“, sagt Andreas Müller. Er bekommt den Blähton aus Norddeutschland, die Pflanzen aus den Niederlanden. Hinzu kommen die Pflanzgefäße, die seine Mitarbeiter in der „Pflanzhalle“ in Karlsruhe quasi miteinander verheiraten.