Eine helfende Hand reichen in Extremsituationen die Ethik-Komitees der Krankenhäuser. | Foto: Kahnert

Rat in schweren Stunden

Ethik-Komitees an Karlsruher Kliniken bieten Entscheidungshilfe

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Es ist eine Situation, die wohl jedem Angst macht: Ein geliebter Mensch ist schwer krank, steht am Ende seines Lebens. Seit Wochen schon liegt er im Krankenhaus, wird gegebenenfalls nur noch von Maschinen am Leben erhalten. Eine Patientenverfügung gibt es nicht. Was hätte dieser Mensch gewollt? Würde er beatmet werden wollen, wäre die künstliche Ernährung in seinem Sinne?

ViDia Kliniken und Städtisches Klinikum

Fragen wie diese sind oft schwer zu beantworten – für die Angehörigen, aber auch für Ärzte und Pflegekräfte. In den meisten Fällen findet man eine Lösung – gelingt dies aber nicht, hilft die Ethische Fallbesprechung der Krankenhäuser in der Fächerstadt. Neben den ViDia Christliche Kliniken Karlsruhe bietet auch das Städtische Klinikum ein entsprechendes Angebot an.

Verschiedene Berufsgruppen in den Komitees

Seit der Fusion von Diakonissenkrankenhaus und Vincentius Kliniken gehören beide Ethikberatungen offiziell zusammen. Aus organisatorischen Gründen agieren die beiden Stellen aber nach wie vor eigenständig an den jeweiligen Häusern. Die Ratsuchenden sollten auch künftig kurze Wege haben, heißt es zur Begründung. Den Klinischen Ethik-Komitees (KEK) gehören Mitglieder verschiedener Berufsgruppen an: Neben Ärzten und Pflegekräften sind das etwa Pflegepädagogen, Physiotherapeuten oder auch eine Juristin. Ziel sei es, viele Berufsgruppen zu vereinen, sagt Michael Drescher, stellvertretender Vorsitzender des KEK am Diakonissenkrankenhaus.

Vier bis fünf Fälle pro Jahr

„Das KEK richtet sich an Menschen, die in Entscheidungssituationen ethische Orientierung suchen“, so der Pastoralreferent. Wer sich in einer solchen Situation befindet, stellt eine entsprechende Anfrage an das KEK. Dies sei in den jeweiligen Kliniken etwa vier bis fünf Mal pro Jahr der Fall, erklärt der Vorsitzende des KEK am Diakonissenkrankenhaus, der Pfarrer Theo Berggötz. Auch am Städtischen Klinikum finde eine solche Beratung vier bis fünf Mal pro Jahr statt, so der katholische Klinikseelsorger Guntmar Huber vom dortigen Komitee für ethische Grundsatzfragen.

Am Ende steht die Alternative, die am besten erscheint

„Solche ethischen Entscheidungen werden täglich getroffen“, verdeutlicht Berggötz. In 99 Prozent der Fälle komme man rasch zu einer Entscheidung. In anderen Fällen greife die Ethische Fallberatung. Bei dem Gespräch seien neben Ärzten, Pflegekräften und Angehörigen immer auch zwei Mitglieder des Ethik-Komitees dabei. „Am Ende des Gesprächs steht dann die Alternative, die am besten erscheint“, sagt Berggötz. Letztlich entscheidet nicht das KEK, sondern der Mediziner, bestenfalls im Konsens mit den Angehörigen. In zehn Jahren ist Berggötz nur ein Fall bekannt, in dem kein Konsens gefunden werden konnte.

Patientenautonomie ist wichtig

Derartige Entscheidungen seien heute oft schwieriger zu treffen als noch vor 30 Jahren, erklärt Michael Drescher. Damals habe der Arzt entschieden, und der Patient habe es so hingenommen. Heute spiele die Patientenautonomie eine größere Rolle, auch seit der Änderung des Patientenrechtegesetzes im Jahr 2010.

Hausarzt als erster Ansprechpartner

Die Mitglieder der Ethik-Komitees weisen auch auf die Bedeutung einer Patientenverfügung hin. Nach Meinung von KEK-Mitglied Esther Lutsch, Oberärztin der Palliativstation der ViDia Kliniken, ist eine entsprechende Vorsorge- oder Generalvollmacht für die Angehörigen noch wichtiger: „Das spart viel Kummer.“ Bei der Suche nach Informationen zu Vollmacht oder Patientenverfügung sei der Hausarzt der geeignete Ansprechpartner.