Europa hat mehr als nur ein Silicon-Valley sagt Günther Oettinger bei seinem Gastauftritt bei der DLD-Konferenz im Karlsruher ZKM. | Foto: Gigler

Digital-Konferenz am ZKM

EU-Kommissar Oettinger: „Unser Ländle hat viele Silicon-Valleys“

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Alb-Valley und Pfinz-Valley, Murg-, Enz-, und natürlich das Mittlerer-Oberrhein-Valley: Für den schwäbischen EU-Kommissar Günther Oettinger ist das ganze Ländle ein einziges Silicon-Valley.

Silicon-Valley an Pfinz, Rhein und Alb

Und dass er damit gar nicht so falsch liegt, wurde auf der DLD-Campus-Konferenz deutlich, die am Dienstag im ZKM in Karlsruhe stattfand und bei dem Oettinger als Gastredner auftrat. Erstmals gastierte der renommierte Digital-Kongress aus dem Hause Burda in Karlsruhe und präsentierte digitale Köpfe und digitale Ideen aus der Region.

Im Unterschied zu Kalifornien konzentriere sich das digitale Know-how in Europa ganz nah an den Fabriken. „Wenn es um Menschen und Verbraucher geht, liegen wir meilenweit zurück. Aber im Bereich der Robotik, der Sensorik, der Industrie 4.0 hat Europa die Nase vorn“, so Oettinger.

Tamim Asfour, Wissenschaftler am Karlsruhe Institute of Technology will seinen Robotern das Kartoffelschälen beibringen | Foto: Gigler

Küchenroboter soll Kartoffeln schälen

In der realen Welt, also dort, wo es nicht um Likes und Friends geht,
sondern darum, den Tisch zu decken und den Geschirrspüler einzuräumen, forscht Tamim Asfour vom KIT. Er arbeitet an einem humanoiden Roboter, der eines Tages auch Kartoffeln schälen soll.

Während die künstliche Intelligenz bei der Sprach- und Bildbearbeitung schon sehr stark eingebunden ist, steckt sie bei der realen technischen Umsetzung noch in den Kinderschuhen. Asfour arbeitet an der Übersetzung von Informationen in Bewegungsabläufe.

Noch fehlen die Daten zur menschlichen Bewegung

Mit Armar VI, einem fast menschlich wirkenden Roboter, den das KIT erst jüngst auf der Technologiemesse Cebit vorgestellt hat, ist er schon sehr weit gekommen – aber längst nicht weit genug.

Eines Tages, so sagt Asfour, will er auch unterstützende Anzüge bauen, die Arbeitern mehr Kraft und Senioren mehr Ausdauer geben, aber vielleicht auch dabei helfen das Klavierspiel oder Tanzen zu lernen, ganz ohne Trainer.

Das KIT verfüge inzwischen über die weltweit größte Datenbank für menschliche Bewegungen. Doch ist die Datensammlung längst noch nicht groß genug.

Ohne Arbeit – arbeitslos?

„Wie schnell, wie stark muss eine Hand zugreifen, um ein Glas zu fassen?“ Solchen Fragen stellt sich Torsten Kröger, der ebenfalls am KIT forscht.

Dazu wird er wohl Menschen in vernetzte Anzüge stecken, um so die Daten realer Bewegungen abzugreifen, zu speichern und seinen Robotern zugänglich zu machen.

Doch sein Dialog mit dem amerikanischen Autor und Internet-Kritiker Andrew Keen auf der ZKM-Bühne versuchte neben den Chancen und Versprechen der roboterhaften Automation des Alltags auch deren Risiken aufzuzeigen.

Gerne wollte Keen akzeptieren, dass Kröger mit seiner Forschung den Menschen lästige Arbeiten abnehmen wolle. Aber drohe nicht Massenarbeitslosigkeit und innere Leere, wenn man den Menschen ihre Arbeit wegnehme?

Torsten Kröger (KIT) und der amerikanische Autor Andrew Keen (links) auf der Bühne des DLD Campus Karlsruhe. | Foto: Gigler

„Einige Jahre“ sind im Silicon-Valley eine Ewigkeit

Die Lösung der sozialen Auswirkungen wird wohl noch mindestens so lange auf sich warten lassen, wie die der technischen Probleme. Und wann werden die humanoiden Roboter im Alltag funktionieren? „In einigen Jahren“, verspricht Kröger und der Amerikaner übersetzt: „Im Silicon-Valley heißt das so viel wie man ist noch ewig weit vom Durchbruch entfernt.“