Berlin: Die Flagge der Europäischen Union (EU) auf dem Reichstagsgebäude weht im Wind.
Die Europäische Union unterstützt über den Europäischen Sozialfonds (ESF) Projekte in Karlsruhe. | Foto: dpa

440.000 Euro jährlich

Europäischer Sozialfonds fördert Projekte in Karlsruhe

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Geld aus Brüssel kommt auch den Karlsruhern zugute: zum Beispiel geht es an soziale Projekte, die über den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert werden.

Obwohl Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der Region florieren und Fachkräfte dringend gesucht werden, scheitern viele Jugendliche am Übergang von der Schule in den Beruf. Und auch in Karlsruhe gibt es Menschen, die über viele Jahre hinweg in der Arbeitslosigkeit feststecken.

Zuschüsse für arbeitsmarktbezogene Projekte in Karlsruhe

Die Europäische Union bezuschusst über den ESF Projekte, die sie aus ihrer Situation herausführen oder dafür sorgen, dass es gar nicht erst so weit kommt. In Karlsruhe hat zudem das 2013 vom Gemeinderat verabschiedete Gesamtkonzept Arbeit diese Zielgruppen im Blick.

Wie funktioniert der Europäische Sozialfonds? In einem Videoprojekt erklären das Schüler des Markgrafengymnasiums Durlach:

 

Beide Förderprogramme stehen für das Jahr 2020 wieder zur Verfügung. Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen sind aufgerufen, innovative Projekte zu entwickeln und sie zur Förderung einzureichen – die Frist für 2020 läuft für beide Förderprogramme noch bis zum 30. September 2019.

Verantwortlich für die Projektprüfung ist die Arbeitsgemeinschaft für ESF und Gesamtkonzept Arbeit. Das Expertengremium hat für 2020 ein regionales Strategiepapier entwickelt, das AG-Vorsitzender und Bürgermeister Martin Lenz am Dienstag im Hardtwaldzentrum vorstellte.

Bei uns klappt Integration

Sozialbürgermeister Martin Lenz

Mit Blick auf das Ergebnis der Kommunalwahlen und das Verfassungsfest im Mai sagte Lenz, dass in Karlsruhe demokratische Werte gelebt würden. „Bei uns klappt die Integration“, so Lenz, „und beim Thema Integration sind wir dann ganz schnell beim Arbeitsmarkt.“

Der Sozialbürgermeister wiederholte den Leitsatz, den sich die Stadt Karlsruhe bereits vor Jahren selbst gegeben habe: „Kein Jugendlicher darf am Übergang von Schule und Beruf verloren gehen.“ Unter anderem durch die Arbeit des Stadtjugendausschusses sei die Fächerstadt da „auf einem mehr als guten Weg“.

Förderbedarf trotz gesunkener Arbeitslosigkeit

Peter Dressler von der ESF-Geschäftsstelle hob hervor, dass die Arbeitslosigkeit in Karlsruhe tendenziell gesunken sei, vor allem bei den Frauen – jedoch seien die Zahlen bei der Teilzeitbeschäftigung angestiegen. Förderbedarf gebe es nach wie vor bei den Zielgruppen der (Allein-)Erziehenden, bei schwer behinderten Menschen, in der Altersgruppe 55 plus und bei Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Da in den vergangenen Jahren Programme für Langzeitarbeitslose erfolgreich gefördert worden seien und die Situation sich hier verbessert habe, liege jetzt der Fokus ganz besonders auf den jungen Menschen, so Dressler. „Wir haben ein gutes Angebot an Ausbildungsplätzen. Trotzdem finden viele nichts, die Plätze bleiben leer und die Abbruchraten sind hoch.“ Es handele sich also um ein „Passungsproblem“, das die Notwendigkeit zeige, junge Menschen beim Übergang von der Schule in den Beruf aktiv zu unterstützen und zu verhindern, dass sie aus dem sozialen Netz herausfallen.

ESF-Förderung bei Projekten für junge Menschen erwünscht

Zwar verringern sich in Karlsruhe etwa die Zahlen der Schulabbrecher insgesamt, doch vor allem bei den männlichen Werkrealschülern fällt eine steigende Tendenz auf. Besonders große Schwierigkeiten haben laut Dressler auch junge Geflüchtete und Migranten, die in der Ausbildung etwa sprachliche Schwierigkeiten hätten und auf die Unterstützung durch Begleitprojekte angewiesen seien.

Ziel der Förderprogramme ist es, die Jugendlichen darin zu unterstützen, eine schulische, ausbildungsbezogene oder berufliche Qualifikation abzuschließen oder anders ins Arbeitsleben zu gelangen sowie Sozialleistungen zu beantragen und anzunehmen.

ESF-Förderung erhalten im Jahr 2019 zum Beispiel die von verschiedenen Organisationen getragenen Projekte „Geht was?!“ für schwer zu erreichende Jugendliche, „BOBiE“ für junge Menschen in Elternzeit und „MegA“ für langzeitarbeitslose Frauen in Elternzeit.

Wir wünschen uns Kreativität und neue Ansätze

Ebenfalls von den Geldern profitieren das „Lernrestaurant“ für geflüchtete Personen und Migranten unter 25 Jahren, „Das soziale Buffet“ für Langzeitarbeitslose über 55 Jahren und Personen mit Behinderung, „Perspektive Now! Plus“ für junge Zugewanderte, insbesondere unbegleitete Minderjährige, und „SCHEFF“ für junge Flüchtlinge und Migranten aus Südosteuropa.

Dresslers abschließender Appell an die künftigen Projektträger: „Wir wünschen uns für 2020 Kreativität und neue Ansätze.“

 

Der von der Europäischen Union im Jahr 1957 gegründete Europäische Sozialfonds (ESF) ist das zentrale arbeitsmarktpolitische Instrument zur Förderung der Beschäftigung und von sozialer Integration in Europa. Der ESF unterstützt bessere Bildung, Ausbildung sowie Qualifizierung und trägt zum Abbau von Benachteiligungen am Arbeitsmarkt bei.
Der ESF bezuschusst arbeitsmarktbezogene Projekte auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Um die Umsetzung des ESF auf lokaler Ebene kümmert sich in Karlsruhe die Geschäftsstelle des ESF-Arbeitskreises Stadt Karlsruhe, die bei der AFB Arbeitsförderungsbetriebe gGmbH angesiedelt ist.
In der Förderperiode 2014 bis 2020 sind im Operationellen Programm des Landes Baden-Württemberg zwei spezifische Ziele für die regionale ESF-Förderung vorgesehen: erstens die Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und der Teilhabechancen von Menschen, die besonders von Armut und Ausgrenzung bedroht sind. Zweitens die Vermeidung von Schulabbruch und die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit. Zur Umsetzung dieser Ziele steht dem Arbeitskreis für ESF und Gesamtkonzept Arbeit der Stadt Karlsruhe ein jährliches ESF-Budget in Höhe von 440 000 Euro zur Verfügung. Der ESF gibt darüber hinaus generell eine nationale Kofinanzierung von mindestens 50 Prozent vor.
Der ESF-Arbeitskreis konkretisiert die Ziele für die ESF-Förderung in Karlsruhe unter Berücksichtigung der aktuellen lokalen Situation. Die Strategie wird jährlich fortgeschrieben und jeweils im Sommer für das Folgejahr veröffentlicht.