Herbstwald
Die Farbenpracht des Herbstes, viel Sonnenschein und sommerliche Temperaturen bieten am Wochenende beste Bedingungen für Ausflüge in die Karlsruher Wälder | Foto: Jock

Morgentau gibt neue Vitalität

Farbenpracht lockt zum Spaziergang im Herbstwald

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Sonne satt und sommerliche Temperaturen locken an diesem Wochenende nach draußen – und farbenprächtige Bäume machen einen Spaziergang zu einem besonderen Genuss. Vor allem in Waldgebieten mit vielen Eichen reicht die Farbpalette nun bis in tiefrote Töne, erklärt Förster Bernd Struck.

In seinem Revier im Bergwald ist diese Baumart, neben der dominanten Rotbuche, gut vertreten. Menschen, die am Wochenende den Herbstwald genießen möchten, empfiehlt er beispielsweise, sich von Hohenwettersbach aus auf den Weg Richtung Bergwald zu machen. Am Waldlehrpfad wachsen viele Roteichen, die nun langsam ihr Herbstkleid anlegen, und entlang des Waldlehrpfades, vorbei am Damwildgehege und am Spielplatz, könne man den Wald mit all seiner Vielfalt erleben.

Tipps für den Rundgang

Gewaltige Buchen, deren Blätterkleid sich langsam Richtung Knallgelb verfärbt, findet man im Rittnert – dem nächsten Tipp Strucks für einen Rundgang am Wochenende. „Aber eigentlich ist es gerade überall im Herbstwald schön“, findet der stellvertretende Leiter des städtischen Forstamtes. Rund um den Turmberg seien tolle Spazierwege: Am Waldrand entlang und mit Blick über die Weinberge auf die Stadt. Die Kombination aus Wald und Wasser gibt es auf Rappenwört – und eine große Vielfalt an Laubbäumen in allen Farben, sagt Struck. Silberweiden und Pappeln etwa, die sich wie Kastanien früh verfärben und auch früh ihre Blätter verlieren. In den Rheinauen gedeihen zudem Berg- und Spitzahorn Rot- und Stileiche, Rotbuche, Linde, Vogelkirsche, Birke, Schwarznuss und vereinzelt Kiefern. Ähnlich ist der Bewuchs in der Kinzig-Murg-Rinne mit ihrem hochstehenden Grundwasser. Dort sind nun durch die lichter werdenden Bäume die Wasserflächen wie etwa Erlach- und Oberwaldsee auch aus der Ferne zu erkennen, was Struck ebenfalls reizvoll findet. Und egal, in welchem Waldgebiet man unterwegs ist: Morgens, wenn noch viel Feuchtigkeit in der Luft ist und die Sonne noch tief steht, erscheinen die Farben des Herbstes besonders intensiv, sagt er.

Nochmal Fotosynthese

Der Morgentau sorgt auch dafür, dass die Bäume trotz anhaltender Trockenheit neue Vitalität entwickeln, erklärt der Forstmann. „Versorgt mit Feuchtigkeit und Sonnenlicht, betreiben sie nochmal richtig Fotosynthese“, führt er aus, warum viele Bäume noch sehr grün sind und ihre verbliebenen Blätter noch festhalten. Ein Teil des Laubes wurde nämlich bereits im August abgeworfen. „Ein Schutzmechanismus gegen Wassermangel“, erklärt Struck. Ob ein Baum die Schäden kompensieren kann, werde sich aber erst in den nächsten Jahren zeigen, stellt er klar.

Klimawandel verlängert Vegetationsperiode

Schon fest stehe aber, dass die Vegetationsperiode sich, bedingt durch die Klimaveränderungen, deutlich verlängert hat. „Vor 20 Jahren war Mitte Oktober der Laubholzeinschlag in vollem Gang, nun hat sich die um fast vier Wochen nach hinten verschoben“, schildert der Forstexperte. Gefällt werden aktuell aber die durch Trockenheit stark geschädigten Kiefern sowie viele Eschen, denen ein Pilz den Garaus macht. Daher gibt es bereits einzelne Sperrungen im Wald, an die sich Waldbesucher aus Sicherheitsgründen unbedingt halten sollten, betont Struck.

In Parks und am Straßenrand

Die Farben des Herbstes kann man aber auch direkt in der Stadt genießen. Je nach Baumart sind ganze Straßenzüge in intensive Farbtöne getaucht. Robust müssen die Straßenbäume sein, aber eine schöne Färbung ist durchaus auch ein Auswahl-Kriterium, erklärt Gartenbauamtsleiterin Cornelia Lutz. Die komplette Farbpalette zeigt beispielsweise der Ahorn, der viele Straßen flankiert. Ginkgo und Tulpenbäume, die man beispielsweise am Albtalbahnhof und in der Frankenstraße findet, nähern sich nun einem intensiven Gelb. Auch im Stadtgarten, der wie die anderen städtischen Parks nun beste Gelegenheit zum Herbstspaziergang bietet, gedeihen beide Baumarten.

Der Standort entscheidet

Dort finden sich auch Amberbäume, die wunderschöne Rottöne entwickeln, berichtet Lutz. „Ein toller Baum, der die Jahreszeiten intensiv abbildet, aber auch mit den Klimaveränderungen gut zurecht kommt“, sagt sie. Gerade an den Amberbäumen beim Nord- und beim Südeingang zeige sich durch die Farbunterschiede, dass auch Standort, Licht- und Wasserversorgung Einfluss auf den Zustand der Blätter haben.

Der Duft von Weihnachten

Und auch, wer der Zeit gedanklich schon voraus ist, findet an einem Baum im Stadtgarten Inspiration: Beim Brunnen an der Wolffanlage steht ein japanischer Katsura-Baum, zu Deutsch: Kuchen-Baum. „Wenn sein Laub zerfällt, riecht es nach Zimt“, erklärt Lutz. Nach Weihnachten also.