Symbolbild. | Foto: Keystone

10 Jahre gefordert

Faustschlag nach KSC-Spiel: Heute Urteil erwartet

Die Vernehmungen von 15 Zeugen und die Gutachten von zwei Sachverständigen haben die Anklage im Prozess um den gewaltsamen Tod eines 35-Jährigen Mannes nach einem KSC-Spiel für Staatsanwältin Jennifer Marberg vollumfänglich bestätigt. Wegen Totschlags forderte Marberg für den 22-jährigen Karlsruher deshalb eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren.

„Er wusste um die Gefährlichkeit seiner Schläge“, verwies Marberg auf die Vorstrafen des ehemaligen Zeitsoldaten.

„Reine Schutzbehauptungen“

Die Einlassung des Angeklagten, der behauptet hatte, er habe nach dem Spiel des KSC gegen den FSV Zwickau nur ein paar Späße gemacht und sei von dem 35-Jährigen zuerst geschubst werden, stufte Marberg als „reine Schutzbehauptungen“ ein. Zahlreiche Zeugen hatten übereinstimmend berichtet, dass der Angeklagte am Nachmittag des 18. November weitere Stadionbesucher aggressiv bedrängt und provoziert habe. Nach Einschätzung von Nebenklagevertreter Winfried Rehm hätte der 22-Jährige wegen des brutalen Schlags ins Gesicht eines arglosen Mannes auch wegen Mordes angeklagt werden können.

„Keine Reue gezeigt“

Außerdem habe der Angeklagte während des gesamten Verfahrens keine Reue gezeigt und wenig Unrechtsbewusstsein an den Tag gelegt. „Ich habe die Liebe meines Lebens verloren“, sagte die Ehefrau des Getöteten. „Und wirkliche Gerechtigkeit kann es in einem solchen Fall nicht geben.“ Er könne die Trauer der Hinterbliebenen natürlich nachvollziehen, sagte Verteidiger Lars Middendorf, aber dennoch müsse das Urteil am Ende tat- und schuldangemessen ausfallen. Sein Mandant habe nicht aus Vorsatz gehandelt und den Tod des 35-Jährigen weder gewollt noch billigend in Kauf genommen. Deswegen könne der 22-Jährige lediglich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt werden.

Unterbringung in Entzugseinrichtung?

Außerdem solle das Gericht die Zukunft eines jungen Menschen mit einem allzu harten Urteil nicht endgültig verbauen. „Es war nur ein Schlag, und dazu war mein Mandant noch stark angetrunken.“ Zur Tatzeit hatte der Angeklagte etwa zwei Promille. Trotz dieses „mittelschweren Rauschzustandes“ gab es für die psychologische Sachverständige keine weiteren Hinweise für eine verminderte Steuerungsfähigkeit. Schließlich habe der 22-Jährige vor und nach der Tat weder motorische noch sprachliche Defizite an den Tag gelegt und auch den Faustschlag sehr zielgerichtet im Gesicht seines Opfers platziert. Allerdings attestierte die Sachverständige dem Angeklagten wegen seines „problematischen Konsums“ eine gewisse Alkoholabhängigkeit und legte dem Gericht die Unterbringung in einer Entzugseinrichtung nahe.

Urteil wird heute erwartet

Gestorben ist der 35-Jährige nach dem Gutachten der rechtsmedizinischen Sachverständigen an den vom Aufprall des Kopfes auf den Asphalt verursachten schweren Schädel-Hirn-Verletzungen.

Am Donnerstag wird das Urteil in dem Fall erwartet.

Von Ekart Kinkel