Juden
Juden feiern jetzt das Pessachfest - für das Rabbiner Mendelson schon Mazzen bereithält | Foto: Sandbiller

Chabad Baden will umziehen

Jetzt sind Feiertage – für Christen ebenso wie für Juden

Jetzt sind sie da, die Feiertage – und zwar nicht nur für Christen, sondern auch für Juden: Am Abend des Karfreitags beginnt in diesem Jahr ebenso das achttägige Pessach-Fest.

Es erinnert an den Auszug aus Ägypten, an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei. Eine Geschichte, die am Sederabend zum Auftakt von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Großer Hausputz bei Juden

Mordechai Mendelson sieht dabei auch einen ganz aktuellen Bezug: „Jeder Mensch hat Grenzen in sich selbst. Es geht darum, seelisch, psychische Mauern zu überwinden“, sagt der Rabbiner.

Seit Tagen bereiten er, seine Frau Yehudit und seine fünf Kinder alles für Pessach vor. Das Haus wird blitzblank geputzt, das Auto gesaugt.

Auf der Jagd nach „Chamez“

Es geht um mehr als das große Reinemachen im Frühjahr: Gläubigen Juden ist es die Feiertage über untersagt, Gesäuertes – Hebräisch „Chamez“ – zu essen oder zu besitzen.

Das erinnert an die Zeit der Flucht: Damals blieb keine Zeit, den Brotteig gehen zu lassen. Heute werden die acht Tage über Mazzen aus Wasser und Getreide gegessen.

Die Krümel in der Sofaritze

„Chamez“ wie Nudeln, Brot, Kuchen, Kekse oder nur Krümel davon sind indessen aus der Wohnung zu verbannen.

Und die können sich überall verbergen: Angefangen bei der Computertastatur bis hin zur Ritze im Sofa – vor allem dann, wenn Kinder im Haus sind.

Vorfreude auf das Fest

Entsprechend viel ist vor dem Fest zu tun, berichtet der Rabbiner. Dennoch strahlt er. Der 40-Jährige freut sich sehr auf die Feiertage.

Viele Menschen werden mit ihm und seiner Familie den Sederabend in der Synagoge in der Herrenstraße begehen.

Zwei Synagogen in Karlsruhe

Zwei jüdische Gotteshäuser gibt es inzwischen in Karlsruhe: Das der Jüdischen Gemeinde in der Nordstadt. Und eben das von Rabbiner Mendelson, der zur Chabad-Bewegung gehört.

Die orthodoxe Gruppierung ist weltweit aktiv. Selbst in Ländern wie Thailand sind die Häuser der Rabbiner beliebte Anlaufstellen für gläubige und auch weniger gläubige Juden. In Deutschland sind 35 Chabad-Familien in 25 Zentren aktiv.

Rabbiner Mendelson seit 2003 in Karlsruhe

2003 kam der in New York geborene und dort zum Rabbiner ausgebildete Mordechai Mendelson nach Karlsruhe. „In Deutschland kannte ich Frankfurt und Berlin“, erzählt der 40-Jährige rückblickend. „Aber von Karlsruhe hatte ich nie gehört.“

Weil in der Stadt die Landeserstaufnahme für Flüchtlinge angesiedelt ist und damals viele Juden aus der einstigen Sowjetunion zuzogen, sah Chabad Bedarf in der Region. Immerhin geht es der Gruppierung nicht zuletzt darum, Menschen mit jüdischen Wurzeln aktiv Angebote zu machen, ihren Glauben zu leben.

Kontakt zu russischen Zuwanderern

Mordechai Mendelson, der etwas Russisch spricht, suchte also den Kontakt zu den neu Zugewanderten. Von denen blieben viele nur wenige Wochen in der Stadt. Und es ging oft um profane Dinge wie Arbeits- oder Jobsuche, erinnert sich der Rabbiner.

Die Vorgabe für ihn war klar: Ein, zwei Jahre würde er bei seiner Arbeit in Karlsruhe von der Chabad-Zentrale in New York finanziell unterstützt, dann musste er auf eigenen Füßen stehen. „Ich finanziere mich über Spenden“, erläutert der Mann. Er ernährt so nicht nur seine Familie, sondern bezahlt ebenso die Miete für die in einem Bürogebäude untergebrachte Synagoge und alles, was eben noch so anfällt.

Freunde und Unterstützer

Mordechai Mendelson hatte bald Erfolg: Der Mann mit dem verschmitzten Lächeln baute sich Netzwerke auf. Er fand Freunde und Unterstützer.

Und er mag seine neue Heimat: „Karlsruhe ist toll, nicht zu klein und nicht zu groß. Und selbst wenn ich nachts um 2 Uhr mit Kippa auf der Straße unterwegs bin, fühle ich mich sicher. Das ist leider nicht überall so.“

Tür ist für alle offen

Rabbiner Mendelson geht auf Menschen zu. Er hört ihnen zu. „Meine Tür ist für alle offen“, sagt er.

Klug, charmant und mit viel Humor ist er zudem Brückenbauer: Ob Schulklasse oder politische Gruppierung – wer seine 2010 eröffnete Synagoge besichtigen möchte, kann dies tun. Wer Fragen hat, bekommt Antworten.

Großer Leuchter und Laubhütte

Zum jüdischen Lichterfest stellt Chabad jedes Jahr den großen, neunarmigen Leuchter im Herzen der Stadt auf. Prominente Gäste wie der Oberbürgermeister zünden Kerzen und tanzen zusammen mit vielen begeisterten Bürgern zu jüdischen Liedern.

Auch eine Laubhütte zum gleichnamigen Fest baut die Rabbinerfamilie stets nahe der Kirche St. Stephan auf. „Wir sind zuhause Juden, und wir sind es auch draußen und zeigen es“, erklärt der gebürtige Amerikaner. Er finde es schön, dass jüdisches Leben wieder Teil der Stadt ist.

Viele kommen regelmäßig

Anders als die Jüdische Gemeinde in der Nordstadt – der rund 900 Menschen zugerechnet werden – zählt Chabad keine Mitglieder.

Dennoch kommen viele Juden, darunter junge israelische Familien, die in Karlsruhe in der IT-Branche arbeiten, gerne und regelmäßig zu Mordechai Mendelson.

Touristen aus Israel

Es gibt Gebete an Shabbat und zu den Feiertagen sowie Thoraunterricht, den der Rabbiner in der Synagoge und in der Region anbietet.

Touristen und ganze Reisegruppen aus Israel, die verrückt nach dem Schwarzwald sind, freuen sich, die ihnen vertraute Chabad-Gruppierung in Karlsruhe zu wissen: Eine Anlaufstelle, in der sie warmherzig empfangen und auf Wunsch mit koscherem Essen versorgt werden.

Tagesmutter seit 2013

Seit 2013 arbeitet für Chabad Baden die Tagesmutter Bridmar Castro-Hilser. Sie betreut die Woche über Jungen und Mädchen in der Synagoge, anerkannt und gefördert von der Stadt Karlsruhe.

Tagesmutter
Fröhliches Kinderlachen gehört in der Synagoge von Chabad dazu. Tagesmutter Bridmar Castro-Hilser betreut die Kleinen. | Foto: Sandbiller

Die Kinder, jüdische und nicht-jüdische, spielen und basteln vor den an den Rand gerückten Tischen. Die müssen später für die Gebete wieder umgestellt werden.

Rabbiner auf Immobiliensuche

Mordechai Mendelsons Erfolg führt dazu, dass der Platz langsam, aber sicher knapp wird. Die 120 Quadratmeter in dem Bürogebäude in der Herrenstraße sind zu wenig. Deshalb ist der Rabbiner auf der Suche nach neuen Räumen.

400 Quadratmeter schweben ihm vor, im Zentrum der Stadt, gerne mit Garten für die Kindergruppe der Tagesmutter. Auch eine Kita will Chabad in Karlsruhe künftig anbieten. „Am liebsten würde ich die Immobilie kaufen“, erläutert der Rabbiner.

Unterstützung vom Vorsitzenden des Oberrats der Israeliten

Unterstützt wird er dabei vom Vorsitzenden des Oberrats der Israeliten in Baden, Rami Suliman. Er ist ausgesprochen angetan von der Arbeit Mendelsons in Karlsruhe.

„Ich fände es gut, wenn er Rabbiner der Jüdischen Gemeinde würde“, sagt Suliman, der selbst Vorsitzender der Pforzheimer Gemeinde ist. Die Karlsruher Gemeinde habe sich jedoch für einen anderen Rabbiner entschieden. „Im Oberrat werde ich in jedem Fall dafür plädieren, dass wir Rabbiner Mendelson unterstützen, wenn er mit seiner Synagoge umzieht und dafür unsere Hilfe beantragt“, so Suliman.

Kontakt

Wer eine Immobilie zur Verfügung stellen kann, sonst Chabad unterstützen oder mit der Gruppe in Kontakt treten möchte, kann sich per E-Mail hier melden oder auf der Homepage informieren.