Schilder sollen die Menschen rund um den Karlsruher Schlossplatz auf das Verbot hinweisen. Der Kommunale Ordnungsdienst will am Silvesterabend mit zehn Mitarbeitern Aufklärungsarbeit leisten.
Schilder sollen die Menschen rund um den Karlsruher Schlossplatz auf das Verbot hinweisen. Der Kommunale Ordnungsdienst will am Silvesterabend mit zehn Mitarbeitern Aufklärungsarbeit leisten. | Foto: jodo

Silvester

Feuerwerksverbot auf dem Karlsruher Schlossplatz als Testlauf

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Die Stadtverwaltung will das erstmals ausgesprochene Feuerwerksverbot auf dem Schlossvorplatz mit viel Aufklärung und möglichst wenig Zwang durchsetzen.

Schilder sollen schon bei der Anreise informieren, zehn Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) für Gespräche an den Zugangsstraßen bereit stehen. Absperrungen und Kontrollen wird es hingegen nicht geben. Man betrachte das Verbot als einen Testlauf und wolle aus den Erfahrungen Schlüsse für die nächsten Jahre ziehen, sagt Oberbürgermeister Frank Mentrup.

Als Reaktion auf das Geschehen in der vergangenen Silvesternacht, in der die Polizei vor dem Schloss acht Platzverweise ausgesprochen hatte und ein Kind durch einen Böller am Auge verletzt wurde, will das Stadtoberhaupt das Feuerwerksverbot nicht verstanden wissen.

Wer böllern will, wird auf andere Plätze ausweichen

„Die gefährlichen Situationen sind im vergangenen Jahr meist aus Unachtsamkeit entstanden, fast nie aus Mutwilligkeit“, sagt Ordnungsamtsleiter Björn Weiße, der selbst vor Ort war. Er rechnet damit, dass sich die große Mehrheit an das Verbot halten wird – geht aber wie die Polizei davon aus, dass böllerfreudige Feiernde an andere Stellen ausweichen.

„Wir werden ein verstärktes Augenmerk auf den übrigen Innenstadtbereich legen“, sagt Polizei-Pressesprecher Ralf Minet. „Da die Situation neu für uns ist, werden wir auf das aktuelle Geschehen reagieren müssen.“

Verbot war ein Wunsch vieler Familien

Dass auf dem Schlossvorplatz keine Böller und Raketen mehr angezündet werden sollen, sei insbesondere ein Wunsch vieler Familien mit Kindern, berichtet Mentrup. Ihnen will die Stadt die Möglichkeit geben, rund um die Eiszeit anzustoßen und zu feiern, ohne im schlimmsten Fall einer fehlgeleiteten Rakete ausweichen zu müssen. „So etwas nimmt einem das Vergnügen daran, gemeinsam aufs neue Jahr anzustoßen“, meint der Oberbürgermeister.

Um den Schlossvorplatz als attraktive Anlaufstelle anzubieten, kann die Eisfläche bis um 1 Uhr nachts genutzt werden. Auch die Buden bleiben so lange geöffnet. Ab 22.30 Uhr sorgt außerdem ein DJ für Stimmung.

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Feinstaub vernebelte im Vorjahr die Schlossfassade

Im vergangenen Jahr hatten sich rund 2.000 Menschen auf dem Platz versammelt. Viele hatten Feuerwerkskörper dabei, teilweise auch in Deutschland verbotene. Durch den Feinstaub war zeitweise der Blick auf die Schlossfassade vernebelt. Die Polizei beurteilte die Situation im Nachgang als „sehr gefährlich“.

Dem soll das Verbot nun einen Riegel vorschieben. Mit vielen Verstößen rechnet Ordnungsamtschef Weiße nicht. Dennoch seien sowohl der KOD als auch die Polizei bereit, das Verbot auch durchzusetzen. Bußgelder soll es allerdings keine geben – im schlimmsten Fall werden Platzverweise ausgesprochen.

Im Rest der Stadt darf geböllert werden

Abgesehen vom Experimentierfeld Schlossvorplatz ändert sich für Feuerwerker in der Stadt erstmal nichts. Außer in den bekannten Verbotszonen rund um Kirchen, Krankenhäuser oder Altenheime dürfen sie nach Herzenslust Knallkörper und Raketen abfeuern. Wer das tue, solle sich allerdings des Risikos bewusst sein, sagt Weiße. Jedes Jahr zeige ein Blick in die Notaufnahmen der Krankenhäuser, welche Folgen unsachgemäßer Umgang mit Feuerwerk haben könne.

Die juristische Grundlage für das Böllerverbot liefert das Bundessprengstoffgesetz. Das ermöglicht es Städten und Gemeinden, Feuerwerke in der Nähe von „besonders brandempfindlichen Gebäuden“ zu untersagen – in diesem Fall also in der Nähe des Schlosses.

Durch das Gesetz hätte die Stadtverwaltung weit mehr Spielraum, als sie tatsächlich nutzt, gibt Weiße zu bedenken. So könnte beispielsweise ein komplettes Verbot in Durlach oder Grötzingen ausgesprochen werden – einzig die Durchsetzung wäre personell kaum zu stemmen.

OB wünscht sich zentrale Plätze für Feuerwerk

Für Oberbürgermeister Mentrup ist der neue Schritt dennoch nur ein erster. Er wünscht sich mehr kommunale Befugnisse im Zusammenhang mit der Silvesternacht. Neben der Sicherheit sprächen Argumente wie Klimaschutz, Feinstaubbelastung und Müll für eine deutliche Ausweitung des Verbots.

Perspektivisch wünscht sich das Stadtoberhaupt gar eine Umkehr im Denken: Er könne sich vorstellen, in jedem Stadtteil einen zentralen Platz auszuweisen, auf dem das Abfackeln von Feuerwerkskörpern erlaubt ist, sagt er. Überall sonst würde er es gerne verbieten. Das müsse aber „in Abstimmung mit den Bürgern und dem Gemeinderat geschehen“, sagt Mentrup.

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