Mit dem Virus auf den Fersen: Drei Monate lang waren Frederic Giese, Pascal Joram und Simon Alberti unterwegs in Südostasien. In Da Nang erfuhren sie am 21. Januar zum ersten Mal von dem Coronavirus. | Foto: Alberti

Auf den letzten Drücker zurück

Fiebermessen vor dem Clubbesuch: Corona beeinträchtigte Simons Abireise durch Asien

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Per Rucksack in eine Corona-gebeutelte Heimat, in der nichts mehr ist wie es war: Ein 18-Jähriger kommt nach knapp vier Monaten in Asien zurück nach Karlsruhe. Zur Frage, ob er nun Architektur oder Bauingenieurwesen studiert, kommen Unsicherheiten. Doch ist das nicht seine größte Sorge.

Beim Abflug nach Asien drei Tage nach Nikolaus ist die Welt noch in Ordnung und Corona nur ein lateinisches Fremdwort. Im Rucksack hat Simon Alberti das Abi und seine sieben Sachen. Sonnensatte drei Monate später kommt er zurück nach Karlsruhe. Sein Souvenir: ein Mundschutz. Außerdem ein gelber Notfallausweis der indonesischen Regierung mit dem Stempel „Covid-19“.

Mit dem Coronavirus dicht auf den Fersen

Mit Freddy, Louis und Yannic hat die Tour durch Südostasien begonnen. Pascal kam später. Dann Corona. Seit 21. Januar ist das Virus Simon auf den Fersen und sogar in die Heimat vorausgeeilt. Ein Verfolger, der sich so schnell nicht abschütteln lässt. Zur Frage, ob er nun Architektur oder Bauingenieurwesen studiert, kommen Unsicherheiten. Doch ist das nicht seine größte Sorge.

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Am 9. Dezember beginnt das Abenteuer zwischen Abi und Studium in Bangkok. Thailand ist das erste von sechs Ländern in Südostasien, das die 18-Jährigen mit Rucksack und Schwung erkunden wollen. Sie feiern Weihnachten am Strand der Insel Ko Pha-ngan auf einer der kultigen Blackmoon-Partys.

Erschrocken wegen Covid-19 und sofort Mundschutz gekauft

Sie rutschen auf der Inselgruppe Koh Phi Phi vergnügt in das Jahr 2020, das die Startbahn in die Zukunft schon bald schließen wird. Davon haben Simon und seine Freunde auch am Morgen des 21. Januar und mittlerweile in Nha Trang in Vietnam noch keinen Schimmer.

Freddy findet auf seinem Handy von den Eltern den Link zu einem Artikel, den die Jungs im Hotel studieren. Vietnam habe zwei chinesische Besucher mit Fieber in Da Nang isoliert. „Das war der erste Artikel, den wir über das Virus gelesen haben“, erinnert sich Simon an den Tag just vor dem Aufbruch nach Da Nang. „Wir sind erschrocken, haben sofort Mundschutze gekauft und hatten Angst.“

Fremde Luft schnuppern, aber mit Einschränkung. Zumindest vorübergehend haben Simon Alberti (rechts) und sein Abi-Kollege Frederic Giese Mundschutz getragen. | Foto: Alberti

Fiebermessen gegen Corona vor dem Clubbesuch

Übers Internet halten sie sich auf dem Laufenden. Nach zwei Wochen legen sie mit der Angst auch den Mundschutz, der allmählich ohnehin immer teurer wurde, wieder ab. Sie erfahren, dass nur ältere Menschen gefährdet seien. „Wir konnten das alles nicht nachvollziehen und wussten auch nicht, welche Ausmaße das annehmen wird.“

Erst in Indonesien wird ihnen der Ernst der Lage bewusst. Bei der Einreise ihrer letzten Station bekommen die jungen Männer einen Notfallausweis in die Hand gedrückt, der vor Covid-19 warnt. „Beim Einlass zum größten Club in Kuta wurde jedem Fieber gemessen“, erzählt Simon.

„Bis 16. März war noch alles offen in Indonesien“, erinnert er sich. Erst am 19. März wird eine große religiöse Veranstaltung in letzter Minute abgesagt, berichten die Medien. Zwei Tage vorher schon, am 17. März, steigt Simon ins Flugzeug. Er will nach Hause.

Auf den letzten Drücker zurück

Auf den letzten Drücker kann er noch regulär nach Frankfurt fliegen. Da sind die deutschen Grenzen schon dicht und etliche Flüge gecancelt. Eigentlich will Simon mit Pascal noch drei Tage in Katar verbringen. Doch haben sie dort als deutsche Staatsbürger bereits Einreiseverbot.

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Mit einem Visum, das nur noch drei Tage gilt, müssen die beiden jungen Männer in Indonesien zusehen, einen neuen Rückflug zu buchen. Nach dreieinhalb Stunden Wartezeit in einem überfüllten Office bekommen sie ihr neues Ticket wie alle italienischen und deutschen Staatsbürger, die in Katar Einreiseverbot haben, kostenlos.

„Uns war bewusst, was uns zuhause erwartet. Wir hatten nur Sorge, dass wir erst mal in Quarantäne kommen.“ Doch erweist sich diese als unbegründet. „Wir konnten den Flughafen in Frankfurt ohne Untersuchung verlassen.“ Keine Kontrolle, kein Fiebermessen.

Unibeginn ab Herbstsemester ist wegen des Coronavirus unsicher

Eigentlich wollte Simon noch ein paar Wochen mehr in Südostasien verbringen. „Aber uns haben so viele geraten, wir sollen so schnell wie möglich zurückkommen. Jetzt bin ich nur noch froh, daheim zu sein.“
Kein mulmiges Gefühl? „Nein“, meint Simon.

Jetzt bin ich nur noch froh, daheim zu sein

„Natürlich ist es ein Problem, jetzt nichts mehr unternehmen zu können. Wir wissen alle nicht, wie es weitergeht.“ Die große Zukunft – für sie wollte Simon jetzt die Ärmel hochkrempeln. Er möchte studieren. Architektur oder Bauingenieurwesen, ist sich aber noch nicht ganz sicher mit seiner Wahl. Das Praktikum, das ihm die Richtung weist, wird er so schnell nicht machen können. „Jetzt warte ich mal ab.“ Stattdessen: „Mehr Sport und laufen gehen.“

Zuhause gilt: Vorsicht statt Corona-Partys

Einmal hat Simon nach der langen Reise seine Freunde wieder getroffen. Für eine halbe Stunde nur. Und er muss abwägen, wie oft er seine Freundin sehen kann. „Ich habe Angst, ja“, sagt Simon.

Aber nur über Bande. Er selbst fühlt sich fit. Sein Vater aber hat Asthma und gehört damit zur Gruppe jener Menschen, für die eine Coronavirus-Infektion lebensgefährlich werden kann. Dass er sich an die Kontaktsperre hält, ist für Simon daher keine Frage. „Ich würde es mir niemals verzeihen, wenn sich mein Vater wegen mir ansteckt.“

Nur ein Kurztrip nach Düsseldorf muss noch sein, den Bruder vom Flughafen abholen. Der hat sein Freiwilliges Soziales Jahr in Guadalajara gemacht, Mexiko. Auch er muss früher zurück. In eine ungewisse Zukunft.