Multitalent aus Baden: Der Karlsruher Kabarettist Gunzi Heil ist auch Liedermacher, Musiker und Puppenspieler.
Multitalent aus Baden: Der Karlsruher Kabarettist Gunzi Heil ist auch Liedermacher, Musiker und Puppenspieler. | Foto: Andrea Fabry

Interview mit Gunzi Heil

Flaggenstreit: Badener des Jahres würde Lemberger-Trinker an Fusionsgrenze nicht abweisen

Er ist Kabarettist, Liedermacher und Puppenspieler. Gunzi Heil ist auch designierter Badener des Jahres. Die Kür durch den Bund Freiheit statt Baden-Württemberg steht am Sonntag, 15. Juli 2018, an. Mit dem Karlsruher Multitalent sprach BNN-Redakteur Bernd Kamleitner auch über den badischen Flaggenstreit – Antworten mit einem Augenzwinkern waren erlaubt!

Wenn Sie zum Badener des Jahres gekürt werden, darf die badische Fahne auf dem Karlsruher Schlossturm nicht gehisst werden. Wird das Ereignis durch diesen Umstand getrübt?

Heil: Getrübt überhaupt nicht. Der Flaggenstreit beweist nur einmal mehr, dass der Zwiespalt zwischen Baden und Württemberg ein Graben ist, den man zwar vordergründig zugeschüttet hat, den es aber zu pflegen gilt – auch in seinen ganzen archäologischen Schichten. Gleichzeitig zeigt sich, wie hochaktuell und wichtig es ist, dass es so eine Institution wie den „Bund Freiheit statt Baden-Württemberg“ gibt, der ja diese Ehrung zum „Badener des Jahres“ überhaupt erfunden hat.

Wie ist Ihre persönliche Gemütslage im Fahnenstreit auf der Skala zwischen hellgelb für sehr gelassen bis blutrot für sehr zornig?

Heil: Ich sehe mich da eher in der von der Sonne verwöhnten gelben Region und keinesfalls in einem hochroten Zorn. Das gehört auch zu meinem badischen Selbstverständnis, zur badischen Toleranz überhaupt. Es hat doch keinen Sinn, dass wir jetzt wegen des Flaggenstreits zum Beispiel anfangen, Menschen an der Fusionsgrenze hinter Pforzheim zurückzuschicken, nur weil sie beim Röhrchenpusten positiv auf Lemberger getestet wurden.

Treten Sie bisweilen mit badischer Fahne auf?

Heil: So unmittelbar habe ich das bisher nicht eingesetzt, aber die Farbkombination Rot-Gelb spielt bei mir schon eine wichtige Rolle. Meine roten Hosen, manchmal kombiniert mit gelbem Hemd, oder mein Schriftzug auf der Homepage rot-gelb.

Rot-Gelb spielt bei mir eine wichtige Rolle

Die Luftballonaktionen bei „Das Fest“ und „Karlsruh’ ich komm aus Dir“ natürlich rot-gelb. Früher hatte ich das auch als Autoaufkleber: auf der einen Seite die Stones-Zunge, auf der anderen das badische Wappen.

Aber das Konzert der Rolling Stones war gerade in Stuttgart …

Heil: Stimmt ja, aber es ist bekannt, dass die Stones viel lieber wieder auf dem Mannheimer Maimarktgelände gespielt hätten. Da wäre auch die Anfahrt für Mick Jagger aus seinem französischen Domizil viel kürzer gewesen.

Das Land verweist im Fahnenstreit auf die entsprechende Verordnung. Glauben Sie, dass sich doch noch was in der Sache bewegt?

Heil: Diese Verordnung ist ja kein physikalisches Grundgesetz wie die Schwerkraft. Die Regelung ist entstanden, damit Landesbedienstete beim Aufhängen von Flaggen an öffentlichen Gebäuden nicht mehr nachdenken müssen, also ohne sonderlichen geistigen Innendruck regelkonform arbeiten können. Dass jetzt das Kuratorium der „Revolutions“-Ausstellung im Badischen Landesmuseum seinen eigenen geistigen Innendruck erhöht und selbst nachgedacht hat, dass man der Flagge auf dem Schlossturm passend zur Ausstellung eine inhaltliche Aussage zuschreiben könnte, das ist eine Situation, die man in Stuttgart so überhaupt nicht kennt.

Selbstständiges Denken hat Landesregierung erschreckt

Ein solch selbstständiges Denken und Handeln wie es im Badischen üblich ist, zu erleben, war für die Landesregierung ein ungewohnter und wohl geradezu erschreckender Vorgang. Deshalb hat man vielleicht versucht, mit dem Verbot der badischen Fahne auf dem Schlossturm, alles wieder sofort auf den Boden der Flaggenverordnung zurückzuholen.

Der Karlsruher OB Frank Mentrup (SPD) wünscht sich mehr Souveränität beim Umgang mit der Verordnung…

 

Heil: Das ist schön, dass sich der OB für eine Lockerung einsetzt, aber die baden-württembergische Flaggenverordnung ist an die bundesweite angelehnt. Und damit ist letztendlich der Bundesinnenminister, also im Moment noch Horst Seehofer, verantwortlich.

Man könnte bei Seehofer nachfragen

Man könnte also bei Seehofer nachfragen, ob das Unterdrücken der badischen Flagge auf dem Landesmuseum überhaupt im Sinne seines Super-Heimatministeriums ist oder ob es wenigstens einen Mast gibt, an dem man wirkungsgleich die badische Flagge hissen kann. Wenn Sie mich aber jetzt fragen, ob man entweder die badische Flagge rücktauschen oder lieber den Innenminister austauschen sollte, würde ich zugunsten des Allgemeinwohls gerne sofort zurückstecken und auf die badische Flagge verzichten.

Als designierter Badener des Jahres sind Sie ja gewissermaßen der Stellvertreter für das badische Gemüt. Haben Sie eine Idee, wie Badener mit dem Verbot umgehen sollten, wenn es bestehen bleiben sollte?

Heil: Eigentlich liegt ja der Vorfall noch in der Amtszeit meiner Vorgänger, des „Stockacher Narrengerichts“, und da gehört es auch hin. Man sollte das ganze jetzt nicht zu einer Rütli-Situation hochspielen nach dem Motto „Grüß die Fahne dort an der Stange“.

Nicht zur Rütli-Situation hochspielen

Aber man muss einfach auch anerkennen, dass tief im Untergrund zwischen Badenern und Schwaben sozusagen Kontinentalplatten des Gemüts aneinander reiben und es immer wieder zu unkontrollierten Beben und Ausbrüchen kommen kann.

Wie kann das Landesmuseum vom Flaggenstreit profitieren?

Heil: Es gibt doch solche Wackel-Postkarten mit 3D-Effekt – wenn der Museumsshop so eine produzieren ließe mit dem Schloss als Ansicht, und wenn man die Karte in die eine Richtung klappt, sieht man die baden-württembergische Flagge auf dem Turm, wenn man sie in die andere Richtung kippt, erscheint die badische Flagge. So könnte man mit einem Augenzwinkern einen Merchandising-Artikel schaffen, der das Badische noch weiter nach außen trägt.

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