Schulleiter Jürgen Angerhoferhat Vorgaben zum Schutz vor Corona umgesetzt.
Schulleiter Jürgen Angerhofer hat Vorgaben zum Schutz vor Corona umgesetzt. | Foto: jodo

Öffnung am Montag

Flatterband als Virenschutz: Schüler in Karlsruher Schulen sollen auf Distanz bleiben

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Nach sechseinhalb Wochen öffnen die Schulen in Baden-Württemberg am Montag für die älteren Jahrgänge wieder ihre Pforten. In den vergangenen Tagen mussten in Karlsruhe die Vorgaben zum Schutz vor Corona-Infektionen umgesetzt werden.

Flatterband und Zollstock waren in den vergangenen Tagen die wichtigsten Arbeitsutensilien von Jürgen Angerhofer. „Die Schüler sollen sich schließlich nicht zu nahe kommen. Deshalb haben wir die Vorgaben des Kultusministeriums umgesetzt und dabei ein schlüssiges Konzept zur Einhaltung des Mindestabstands entworfen“, sagt der Rektor der Nebenius-Realschule in der Südstadt.

Zeitversetzter Unterricht soll Schülerströme entzerren

Konkret bedeutet das: Der Unterricht beginnt ab Montag für die einzelnen Klassen nicht mehr gleichzeitig, sondern zeitversetzt. Im Idealfall kommen die Schüler einzeln mit dem Fahrrad an ihre Lehranstalt und beginnen den Schultag mit der Desinfektion ihrer Hände.

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Die Klassen wurden geteilt und pro Zimmer werden maximal 15 Jugendliche gleichzeitig unterrichtet. „Das Ausmessen der Abstände und das Platzieren der Schreibtische war eine logistische Herausforderung“, sagt Angermann mit einem Schmunzeln. Damit es auch in den Pausen sowie vor und nach dem Unterricht kein Gedränge gibt, wurden auf den Fluren und den Treppen noch Flatterband zum Abtrennen von Hin- und Rückweg gespannt. „Die Schüler sollen nur noch auf der rechten Seite laufen“, gibt Angermann die Marschrichtung vor.

„Eigentlich könnten wir mehr Klassen beschulen“

Angst vor chaotischem Zuständen hat der Schuleiter nicht. Am Montag kommen schließlich nur 75 der über 300 Schüler zurück, und da sei die räumliche Trennung eigentlich kein Problem. „Eigentlich könnten wir schon jetzt mehr Klassen beschulen“, sagt Angermann.

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Eine Rückkehr in die Schulhäuser sei vor allem für Kinder mit schwierigen Familienkonstellationen besonders wichtig. „Durch das Homeschooling haben wir keinen Zugriff auf diese Klientel“, sagt Angermann. Trotzdem werde er zunächst einmal nur bis Ende Mai planen und noch keine weiteren Öffnungsszenarien vorbereiten. „Der Teufel steckt im Detail. Vielleicht gibt es ja Probleme, die wir noch gar nicht einschätzen können“, sagt Angermann.

Schulamt lobt akribische Vorbereitung auf Wiedereinstieg

„Die Schulen haben in den vergangenen zwei Wochen unheimlich viel Arbeit in die Vorbereitung des Wiedereinstiegs gesteckt“, sagt Rüdiger Stein, Leiter des Staatlichen Schulamts Karlsruhe. Ob sämtliche Maßnahmen greifen, könne man aber frühestens Ende der kommenden Woche sagen.
Optimistisch an die Sache heran geht Michael Wochner.

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Der Rektor der Sophie-Scholl-Realschule setzt ebenfalls auf zeitversetzten Unterrichtsbeginn sowie ein intelligentes Raumkonzept. Als „echten Luxus“ bezeichnet Wochner den Umstand, dass es in der Oberreuter Realschule noch in jedem Klassenraum ein Waschbecken gibt. „Da können sich die Schüler direkt nach dem Betreten des Zimmers die Hände waschen“, sagt der geschäftsführende Karlsruher Realschulrektor. In anderen Schulen sei gerade beim Händewaschen mehr Improvisation und ein Nutzungskonzept für die Sanitärräume erforderlich.

Schuleiter sehen sich für nächste Schritte gewappnet

In der Sophie-Scholl-Realschule kehren 150 von 490 Schüler zurück. Dazu sind 90 Prozent der Lehrer einsatzbereit. „Die meisten unserer Schüler freuen sich schon auf den Unterrichtsbeginn“, sagt Wochner. In der Lehrerschaft sei Erleichterung spürbar.

Dank der um zwei Wochen nach hinten verschobenen Prüfungstermine könnten die Schüler nun noch einmal in direkter Ansprache auf ihren Abschluss vorbereitet werden. „Wenn das Konzept aufgeht, kann man die Schulen sicherlich schrittweise für weitere Jahrgänge öffnen“, betont Wochner. Um die Schülerströme bei Vollbetrieb zu bündeln, sei dabei ein Schichtmodell mit einem täglichen Wechsel von Präsenzunterricht und Heimarbeit eine pädagogisch sinnvolle Alternative.

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Albrecht Aichelin favorisiert bei einem Vollbetrieb in Corona-Zeiten eher einen wöchentlichen Wechsel zwischen Unterricht im Schulhaus und den eigenen vier Wänden. „Aber das ist noch Zukunftsmusik, denn zunächst einmal muss der Wiedereinstieg gut funktionieren“, betont der Direktor des Goethe-Gymnasiums. Allzu viele Probleme habe die Umsetzung der ministerialen Vorgaben nicht bereitet, so Aichelin. Die 220 Goethianer aus den Klassenstufen elf und zwölf könnten gut auf die Klassenräume des Innenstadt-Gymnasiums verteilt werden. Außerdem wurden neue Stundenpläne erstellt.