ARCHIV - Eine Zwergfledermaus sitzt am 17.04.2012 in Winterrieden (Schwaben) auf dem Handrücken von Renate Pfeiffer. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
Eine Zwergfledermaus wie diese wird derzeit als Auslöser des Höhenmessers vermutet. | Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Sperrung auf der Südtangente

Fledermaus als Stau-Verursacher?

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Hat eine Fledermaus am Montagabend auf der Südtangente den Verkehr zum Stillstand gebracht? Das städtische Tiefbauamt jedenfalls hat eines der nachtaktiven Flattertiere im Verdacht. Der Höhenmesser am Edeltrudtunnel, der verhindern soll, dass zu hohe Fahrzeuge in den Tunnel einfahren, löste eine Störmeldung und damit die kurzfristige Sperrung des Tunnels aus.

Flog eine Fledermaus an der Lichtschranke vorbei?

Was war passiert? Um zu verhindern, dass zu hohe Fahrzeuge in den Tunnel einfahren, ist in einiger Entfernung vor dem Tunnel eine Lichtschranke, der so genannte Höhenmesser, installiert. Passiert ein Fahrzeug mit zu geringem Abstand die Lichtschranke, wird die Ampel direkt vor dem Tunneleingang auf Rot gestellt und eine Störungsmeldung an die Netzleitstelle der Stadtwerke gesendet, wie Martin Kissel, Leiter des Tiefbauamts, auf BNN-Nachfrage erklärt. Offenbar wurde die Anlage am Montag- und Dienstagabend aber nicht durch einen zu großen Lkw, sondern ein in unmittelbarer Nähe der Lichtschranke vorbeifliegendes Tier ausgelöst.

Anlage vorerst abgeschaltet

Der Tunnel wurde wieder freigegeben und die Anlage zunächst abgeschaltet. Am Dienstagabend wurde erneut kontrolliert. Dabei habe einer der Mitarbeiter ein Tier aus der Anlage fliegen sehen, vielleicht einen Vogel, wahrscheinlicher aber eine Fledermaus, so die Vermutung beim Tiefbauamt. „Die Linse wird durch ein kleines Dach geschützt“, erklärt Kissel. Zunächst habe man als Barriere eine Plexiglasscheibe vor die Linse montiert. Da diese bei Feuchtigkeit beschlage und auch einen Alarm auslösen könne, habe man die Anlage ausgeschaltet. Am Donnerstag dann hätten Mitarbeiter des Umweltamts das Gehäuse nochmals geändert, den Boden entfernt, um ein Einnisten von Tieren unmöglich zu machen.

© Jodo-Foto / Joerg Donecker// 11.01.2018 Edeltrudtunnel/ -Copyright - Jodo-Foto / Joerg Donecker Sonnenbergstr.4 D-76228 KARLSRUHE TEL: 0049 (0) 721-9473285 FAX: 0049 (0) 721 4903368 Mobil: 0049 (0) 172 7238737 E-Mail: joerg.donecker@t-online.de Sparkasse Karlsruhe IBAN: DE12 6605 0101 0010 0395 50, BIC: KARSDE66XX Steuernummer 34140/28360 Veroeffentlichung nur gegen Honorar nach MFM zzgl. ges. Mwst. , Belegexemplar und Namensnennung. Es gelten meine AGB.
Den Edeltrudtunnel dürfen nur Fahrzeuge mit bis zu 4,50 Meter Höhe durchfahren. Dies kontrolliert ein Höhenmesser, der im Störfall reagiert. | Foto: Jörg Donecker

Doch damit war der Fehler immer noch nicht gefunden, denn: Damit die Ampel vor dem Tunnel aber auf Rot springt, muss zusätzlich ein Lkw über die drei Induktionsstreifen im Straßenbelag fahren. Wenn beide Messsysteme zur gleichen Zeit eine Bewegung registrieren, wird Alarm ausgelöst. „Bisher gingen wir davon aus, dass ein normal großer Lkw und eine Fledermaus den Alarm ausgelöst haben“, erklärt Tiefbauamtsleiter Martin Kissel. Durch den Umbau der Lichtschranke am Donnerstag habe man dann ausgeschlossen, dass ein Vogel oder eine Fledermaus Alarm auslöst. Trotzdem habe es erneut eine Störungsmeldung gegeben: „Es muss also doch etwas an der Elektronik sein.“ Gemeinsam mit der Wartungsfirma werde das nun geprüft, so lange bleibe die Anlage abgeschaltet. „Ich denke, dass wir nächste Woche Klarheit haben werden“, so Kissel.

Die Anlage am Edeltrudtunnel sei seit etwa 30 Jahren in Betrieb, so Kissel. An diesem Montag sei zum ersten Mal eine solche Störung aufgetreten. Wenn tatsächlich ein zu hohes Fahrzeug in den Tunnel einfahre, verursache das erhebliche Schäden an der Tunneldecke, in der sich unter anderem die Lüftungs- und Beleuchtungstechnik befinde. „Das kann in die Zehntausende gehen“, so Kissel.

Fledermäuse auch beim Bau des Wildparkstadions Thema

Dass das Auftreten von Fledermäusen große Auswirkungen haben kann, hat man auch bei den Planungen für den Bau eines neuen Wildparkstadions erlebt. Weil in der Haupttribüne Fledermäuse nisten, gibt es für den Abriss der Tribüne naturschutzrechtlich immer nur ein sehr enges Zeitfenster. Das städtische Umweltamt will in den nächsten Tagen klären, ob auch im aktuellen Fall eine Fledermaus hinter dem Vorfall steckt. „Wir haben schon an den unmöglichsten Stellen Fledermäuse gefunden“, sagt dazu Fledermaus-Expertin Monika Braun vom Naturkundemuseum. „Aber dass eine Fledermaus den Verkehr behindert, habe ich tatsächlich noch nie erlebt.“

In Baden-Württemberg leben etwa 20 Fledermausarten. Sie alle sind auch in Karlsruhe und Umgebung heimisch. Die häufigste Art ist die Zwergfledermaus, wie Monika Braun, Fledermaus-Expertin am Naturkundemuseum Karlsruhe, weiß. Diese Art vermutet die Biologin auch in der Höhenmess-Anlage am Edeltrudtunnel. Eigentlich sollten auch die Zwergfledermäuse jetzt noch Winterschlaf halten, doch bei milder Witterung könne es passieren, dass sie schon früher ausfliegen.