Filmrollen und Projektoren, hier präsentiert von Nils Menrad, Christine Reeh-Peters und Marc Teuscher (von links), gehören zu den umfangreichen Altbeständen, die von der Kinemathek am Samstag angeboten werden. | Foto: jodo

Kinemathek lädt zu Flohmarkt

Fundstücke für Kinofreunde

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Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und wo umgebaut ist, da muss Altbestand raus. Davon können Kinofreunde an diesem Samstag profitieren: Die Kinemathek Karlsruhe lädt ab 10 Uhr zum Flohmarkt in das Kurbel-Gebäude (Kaiserpassage 6). Dort soll bekanntlich das Obergeschoss, das bis zur Insolvenz des Genossenschaftskinos „Die Kurbel“ im vergangenen Sommer als Kino bespielt wurde, für den Jazzclub umgebaut werden. Dafür müssen unter anderem die Kinositze aus dem Saal „Kurbel 1“ weichen. Die in klassischem Rot gehaltenen Sitze gehören sicher zu den Highlights all dessen, was am Samstag angeboten werden soll.

Technik und Kuriositäten

Aber auch Technikliebhaber dürften auf ihre Kosten kommen: Alte Projektoren, Lautsprecher, Kabel, Mikrofone, Vorhänge, unzählige Filmrollen und Plakate gehören erwartbar zum Angebot. Hinzu kommen etliche Kuriositäten, zum Beispiel eine Kiste mit Single-Schallplatten, auf denen aber keine Musik ist: „So wurde früher die Werbung angeliefert“, erklärt Kinemathek-Vorstandsmitglied Nils Menrad lachend und zieht eine der kleinen Vinylscheiben heraus. Der Aufdruck darauf zeigt eine Versicherungsagentur, die es längst nicht mehr gibt.

Auch unliebsame Überraschungen

Solche Entdeckungen haben die beiden Vereine, die künftig unter einem Dach aktiv sein wollen, mehr gefreut als andere Überraschungen, die sich seit dem vergangenen November ergeben haben. Damals stimmte der Gemeinderat dem Umbaukonzept zu und bewilligte dafür 380 000 Euro – mit Sperrvermerk, so dass die Gelder erst fließen, wenn die tatsächliche Planung steht. Doch wie oft bei alten Gebäuden hat sich auch hier der Teufel im Detail gezeigt: Die Statik erforderte eine Überarbeitung des Nutzungsplanes, und der Zustand von Elektrik und Lüftung im ersten Obergeschoss stellte sich als weitaus schlechter heraus als angenommen.

Sanierungsstau im Obergeschoss

Zwar wurde in dem Gebäude vieles erneuert, als die Kinemathek im Jahr 2010 ins Erdgeschoss einzog, doch die Baumaßnahmen waren damals strikt auf den Bereich der Kinemathek begrenzt, die als gemeinnütziger Verein durch öffentliche Gelder gefördert wurde. Im Obergeschoss hingegen liegt offenbar ein Sanierungsstau vor, doch man ist optimistisch, mit dem Vermieter eine Lösung zu finden. „Das Gebäude gehört der Hubertus-Wald-Stiftung, der es sehr am Herzen liegt, dass hier weiterhin eine kulturelle Nutzung stattfindet“, betont Kinemathek-Geschäftsführerin Christine Reeh-Peters.

Foyer als einladender Raum

Das künftige Kulturhaus will sich auch stärker nach außen öffnen. Marc Teuscher, seit März im Kinemathek-Vorstand, erklärt: „Wir wollen die Rolle des Kinos als öffentlicher Raum stärken. Deshalb soll das Foyer einladender werden und mehr Aufenthaltsqualität bekommen, so dass man hier nach dem Film noch sitzen kann oder sich hier tagsüber treffen kann, auch wenn man nicht ins Kino will.“

Jazzclub muss noch warten

Dass die künftige Nachbarschaft mit dem Jazzclub stimmig sei, habe sich bereits gezeigt an der sehr guten Resonanz der neuen Reihe „Jazz & Film“, sagt Nils Menrad. Dass der Jazzclub sein 50-jähriges Bestehens im kommenden Herbst nun wohl doch noch nicht im neuen Domizil feiern kann, bedauert Vorstand Niklas Braun. Freilich muss der Jazzclub nicht zum ersten Mal aus der Not eine Tugend zu machen und hat auch diesmal einen Plan: „Wir werden das Jubiläum dann mit mehreren Veranstaltungen in all den Spielstätten feiern, in denen der Jazzclub über die Jahre hinweg aktiv war.“

Termin

Samstag, 27. April, ab 10 Uhr, Kinemathek, Kaiserpassage 6. Führungen durchs Gebäude alle zwei Stunden ab 10 Uhr.