Frau Antje sorgt mit ihrer Ukulele seit zehn Jahren für gute Laune. | Foto: Tanja Schneider

10 Jahre Soloprogramm

Frau Antje und die Ukulele

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Die Welt ist ballaballa. Seit zehn Jahren versucht Antje Schumacher alias „Frau Antje mit der Ukulele“ diese Erkenntnis zu verarbeiten. Daraus wurde eine Publikumstherapie, aus der alle befreit und glücklich entlassen werden. Frau Antje fegt rasant über die liebevoll dekorierte Bühne, sie singt, plappert, parodiert, zieht sich aus und wieder an, veranstaltet Rätselrunden mit echten Preisen und überzeugt dabei mit ausdrucksstarker Stimme und lebendiger Spielfreude. Mit ihren herrlichen Parodien von Evergreens, Discoklassikern, Schlagern und aktuellen Hits, und ihren tollen Eigenkompositionen trifft sie mitten ins Herz. Dazwischen erzählt sie Aberwitziges aus ihrem Leben und kommentiert unnachahmlich spontan ihre bisweilen verstörenden Beobachtungen. Es geht um Kamasutra und Käse, Schlaflosigkeit und Sprache, TV-Wahnsinn und Jugendwahn. Sie besingt leidenschaftlich Kühlschränke, kackende Kakadus, alte Falter und schräge Vögel. Ein solcher ist Frau Antje zuallererst selbst und zudem ein echter Rollenschlüpfer: die empfindsame Languste wächst einem ebenso ans Herz wie die verliebte Wurstfachverkäuferin. Aus Anlass ihres zehnjährigen Solo-Jubiläums hat Frau Antje dem SONNTAG zehn Fragen beantwortet.

1. Ihr tollster Auftritt?

Mein tollster Auftritt war mit meiner alten Band B-Dizzy als Vorband der „4 Non Blondes“ in der großen Freiheit in Hamburg. Ich war sehr aufgeregt, weil ich ja wusste, dass die Leute nicht wegen mir kommen, sondern wegen dem „One Hit Wonder“. Aber alles ging gut, das Publikum hat sich auf mich eingelassen und begeistert applaudiert. Da galt ich noch als die große Hoffnung der Musikszene – ich war jung und frisch, habe komponiert, gesungen und Gitarre gespielt, was das Zeug hält…(lacht)

2. Ihr schlimmster Auftritt?

War vor genervten Versicherungsmaklern, die nach einer sechsstündigen Schulung vor meinem Auftritt die Ansage bekommen haben, dass sie noch mehr für weniger Geld arbeiten müssen. Und dann kam ich und sollte sie mit meinem Musikcomedyprogramm „zwangsbespaßen“ – ganz schön anstrengend und skurril. Trotzdem kamen einige hinterher zu mir und haben sich bedankt und mir erklärt, warum es ihnen so schwer fiel zu lachen.

3. Ihr größter Fan?

Ich nenne sie mal Dietlind. Stellvertretend für die Menschen, die mich und meine Show mögen, immer wieder kommen und mit Lob nicht geizig sind… privat natürlich meine Wahlfamilie, das heißt meine Freundinnen, die mich immer begleiten und unterstützen, aber auch kritisch sind, wenn ich neue Sachen ausprobiere.

4. Ihre Lieblingsnummer?

Das ist schwer zu beantworten, weil bei so viel Programm gibt es viele Nummern, die ich besonders mag. Aber das ist ja das Tolle an einem „Best-of-Programm“, da kann ich endlich mal alle Lieblingsnummern spielen. Das wird eine schöne Mischung aus selbst geschriebenen Liedern, „Fremdliedern“ mit eigenem Text und Liedern, die alle kennen, aber so noch nicht gehört (und gesehen)
haben.

5. Die seltsamste Frage?

Nach einem Auftritt kam eine Frau zu mir und beglückwünschte mich erst mit einem seligen Lächeln und wollte wissen, wann das Kind kommt, um dann mahnend zu fragen, warum ich trotzdem ein Bier trinke. Ich war aber nicht schwanger – nur schlecht proportioniert. Und so ist dann auch das Lied Olivia Öl entstanden.

6. Ihre Lieblings-Location?

Mein allererster Auftritt als Solo-Künstlerin war im Kulturhaus Mikado. Und die ganze Crew hält mir auch noch nach zehn Jahren die Treue. Und natürlich das Tollhaus, welches mich immer unterstützt hat und mir Auftritte ermöglicht. Ich mag dort auch sehr gerne die Atmosphäre und das ganze Team (von der Technik bis hin zum Catering). Und Britta und Bernd sind wirklich tolle, engagierte Menschen, die auch die Kleinkunstszene jenseits des Mainstreams fördern.

7. Ihre schlimmste Location?

Ein Gemeindesaal in der Eifel. Mir wurde versprochen, dass ein Techniker da ist, der Bescheid weiß. Der Techniker war aber in Wahrheit der Hausmeister, der eigentlich nur wusste, wo die Steckdosen zu finden sind. Nachdem wir alles besprochen und Soundcheck gemacht haben, haben wir uns darauf geeinigt, den Rest während des Konzerts über Blickkontakt und Zeichen zu regeln. Erst als ich dann zum Auftritt auf die Bühne kam, habe ich gemerkt, dass er einen Vorhang quer durch den Raum gezogen hat und er saß dahinter (lacht). Da war dann nix mehr mit Sichtkontakt. Aber das Publikum hat mir bei der Verständigung (via stille Post) mit dem Herrn geholfen und hatte sichtlich Spaß.

8. Half der Kleinkunstpreis?

Als ich mit meinem Kollegen Walt 2002 als Duo „The Plastics“ den Kleinkunstpreis gewonnen habe, hatte Comedy noch nicht den Stellenwert von heute. Comedy, insbesondere Musik-Comedy, wurde eher als Ausbruch von Kabarett oder Liedermacherei verstanden. Die einen fanden das gut (deshalb haben wir ja auch den Preis gewonnen), andere hingegen konnten sich erst begeistern, als es Mainstream geworden ist. Wenn etwas populär ist, so wie Comedy heute, sehen es viele als Erfolgsgarant. Damals war das aber noch eine Nische. In den Zeitungsartikeln wurde gerne unser Kleinkunstpreis zitiert, aber um unsere Auftritte mussten wir uns trotzdem selbst kümmern. Da hat uns keiner die Bude eingerannt… Nachdem sich „The Plastics“ leider aufgelöst haben, weil mein Kollege mit Rock’n’Roll ein besseres Auskommen hatte, gab mir der Glaube daran aber den Mut, als Solokünstlerin auf die Bühne zu gehen, was ich bis heute mache.

9. Ihr schönstes Kostüm?

Ich liebe es mich zu verkleiden, daher hat jedes Kostüm etwas Schönes für mich. Aber zu meiner Marika-Rökk-Gedächntnis-Perücke habe ich natürlich ein besonders inniges Verhältnis…(lacht). Ich mag alle meine Kostüme, „Biggis Zähne“ und die Discohose, die Jacke von John Travolta und Olivia Newton-John, mein Mireille-Mathieu Outfit (bei Ebay ersteigert), Siggis Plüsch-Bademantel mit Rüschenbadekappe und sowieso meine Languste. Mit ihren niedlichen großen Augen rührt sie mich heute noch wie am ersten Tag… ich bin halt eine „Rollenschlüpferin“…

10. Gibt es einen Plan B?

Wieso Plan B? Ich werde so lange weiter machen, wie mich meine Beine tragen und ich bei Stimme bin. Sicher können sich da aber auch Dinge verändern oder in eine andere Richtung entwickeln. Ich singe ja auch noch bei der Flugcomedyshow „dreist“ oder moderiere die Veranstaltungen „Damenwahl“ und „Sisters of Comedy“ im Tollhaus. Neuerdings bin ich ja auch Dozentin für „integratives Singen“. Und außerdem bin ich gelernte Schauspielerin, vielleicht werden ja die „3 Damen vom Grill“ neu aufgelegt und ich darf eine davon spielen…ich warte auf Angebote…(lacht)

Zugabe: Ihr Lieblingswitz

Früher konnte ich mir alle Witze merken und Otto und Heinz Erhardt kannte ich sowieso auswendig. Jetzt gerade fällt mir nur ein sehr alter, aber putziger Witz ein: Was liegt am Strand und spricht undeutlich? Eine Nuschel! …is doch süß, oder?!

 

Frau Antjes Programm „Best Of – Wie Kindergeburtstag, nur ohne Topfschlagen!“ kann man am Freitag, 26. April, 20 Uhr, im Karlsruher Tollhaus live erleben. Tickets: www.tollhaus.de