Frauen in der Kfz-Werkstatt sind heute schon ziemlich normal. Beate Filla (links) lässt sich von Ausbildungsmeisterin Meike Illges zeigen, wie man Blech formt – und aus einem Rückspiegel zum Beispiel ein Schminktischchen anfertigt.
Frauen in der Kfz-Werkstatt sind heute schon ziemlich normal. Beate Filla (links) lässt sich von Ausbildungsmeisterin Meike Illges zeigen, wie man Blech formt – und aus einem Rückspiegel zum Beispiel ein Schminktischchen anfertigt. | Foto: Jörg Donecker

Handwerkskammer Karlsruhe

Frauen, die an Autos schrauben

Anzeige

Es ist zwar noch eine klassische Männerdomäne, doch mehr und mehr junge Frauen entscheiden sich auch für Ausbildungsberufe der Handwerkskammer Karlsruhe.

Silke Hanapp wollte eigentlich Elektrikerin werden – schließlich hatte ihr Vater einen eigenen Betrieb. Doch als Frau könne sie diesen Beruf nicht machen, befand der Vater. Hanapp ging in die Verwaltung, heute ist sie Betriebsberaterin an der Handwerkskammer Karlsruhe (HWK).

Für Meike Illges war schon früh klar: „Ich mach’ später mal was mit Autos.“ Die Karosseriebau- und Kfz-Technik-Meisterin bildet an der Bildungsakademie der HWK Schüler und auch mehr und mehr Schülerinnen aus.

Die Autos meines Schwagers waren echt cool

In der ersten Karlsruher Mint-Woche („Mint“ steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) hätte sie gerne interessierten Teilnehmerinnen einen praktischen Einblick in ihr Berufsbild gegeben, doch das Sommerwetter war wohl ein starkes Argument dagegen, sich freitagnachmittags auf den Weg in die etwas entlegene Hertzstraße 177 zu machen, wo das Ausbildungszentrum der HWK liegt.

Als Illges selbst noch Schülerin war, gab es kaum solche Angebote zum „Reinschnuppern“. Ihr Schwager habe immer an Autos herumgebastelt, als sie noch ein kleines Mädchen war, erzählt sie. „Und die Autos waren einfach echt cool.“

Sie hielt an ihrem Traum fest, kaufte sich schon als Schülerin „eine alte Schrottkiste“ (einen Ford Granada) und bastelte drauflos. „Dann wusste ich, wie so ein Fahrzeug funktioniert und wie man es repariert.“ Nach dem Abi begann sie eine Ausbildung bei einem Oldtimer-Spezialisten, arbeitete ein Jahr und hängte dann den Meister dran.

Moderne Kfz-Berufe mit viel Computertechnik

„Bei Oldtimern muss man noch viel von Hand anfertigen, aber die klassische Blechbearbeitung kann heute kaum noch jemand“, sagt Illges. Die moderne Autoindustrie arbeite mit maschinell vorgefertigten Standardteilen. Andererseits sei der Beruf gar nicht unbedingt so schmutzig, wie viele ihn sich vorstellten. „Es gibt sehr viele Spezialbetriebe. Gerade beim Thema Tuning, das sehr boomt, geht es viel um Computertechnik“, sagt sie.

Nebenher half Illges anfangs auf Honorarbasis im Karosseriebau-Meisterkurs der HWK mit, inzwischen ist sie dort in Vollzeit angestellt. „Eigentlich wollte ich mich ja nebenher selbstständig machen“, schmunzelt die 29-Jährige. Aber in der Ausbildung gebe es so viel zu tun, dass das dann irgendwie doch nicht geschah.

„Wir haben gemerkt, dass sie noch viel mehr kann“, sagt Ingrid Lehr-Binder, Bereichsleiterin für Bildungsangebote der HWK. Zum Beispiel, ihr Wissen auch an Schüler und Schülerinnen weiterzugeben. „Wir Frauen reden gerne, das ist manchmal auch ein Vorteil“, meint Illges.

Handwerkskammer macht viele Schnupper-Angebote

Seit mehr als zehn Jahren beteiligt sich die HWK am Girls’ Day, erzählt Lehr-Binder, auch bei den Frauenwirtschaftstagen sei man dabei. „Das sind langjährige Angebote, die sich durchgesetzt haben“, meint sie. Dazu passe auch die Mint-Woche.

In den Sommerferien findet ein zweiwöchiges Schnuppercamp statt, in dem junge Menschen sich im Kfz-Bereich ausprobieren können. Die HWK bietet zudem an, in Elternabenden an Schulen über die guten Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in Handwerksberufen zu informieren.

Auch wenn sich dafür immer noch besonders junge Männer interessierten, gebe es traditionell viele Frauen, die in den Familienbetrieben mitarbeiten. „Das sind oft Ehefrauen oder Töchter, die eigentlich ganz andere Berufe gelernt haben.“ Für sie gibt es zum Beispiel das Angebot, bei der HWK einen Lehrgang zur Fachkraft für Büro und Verwaltung zu machen.

Gute Karrierechancen in Handwerks-Berufen

In den Ausbildungsberufen seien mehr und mehr Mädchen. „Natürlich sehr oft bei den Zahntechnikern, Bäckern, Konditoren oder im kaufmännischen Bereich.“ Raumausstatter-Meisterin Beate Filla berichtet, bei ihr seien die Geschlechterverhältnisse gut gemischt – in der Ausbildung. „Zur Berufsorientierung kommen vor allem Mädchen.“

Doch auch bei den Dachdeckern oder im Kfz-Bereich würden es mehr. „In der Ausbildung sind fast überall die Frauen besser“, sagt Illges. „Das liegt wohl daran, dass es bei den Frauen meist eine sehr bewusste Entscheidung für diesen Beruf ist“, ergänzt Lehr-Binder. „Und dann müssen sie sich unter den männlichen Kollegen die Anerkennung erst erarbeiten.“

Aber wenn man die erst einmal habe, gebe es keine Grenzen, findet Illges. „In meinem Abi-Jahrgang haben nur zwei Leute eine Ausbildung gemacht, alle anderen sind studieren gegangen“, sagt Illges. „Damals wurde ich von anderen belächelt. Heute habe ich vier Autos und eine eigene Wohnung. Andere haben drei Sachen studiert und wohnen noch bei Mutti.“