Der Weg ist wieder frei auf der Ettlinger Straße zwischen Hauptbahnhof und Marktplatz – oberirdisch fallen nun nur noch kleinere Arbeiten, etwa an den Aufzugsschächten, an.
Der Weg ist wieder frei auf der Ettlinger Straße zwischen Hauptbahnhof und Marktplatz – oberirdisch fallen nun nur noch kleinere Arbeiten, etwa an den Aufzugsschächten, an. | Foto: Jörg Donecker

Geschäftsleute erleichtert

Freie Fahrt auf der Ettlinger Straße

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Welch Weitblick: Die Ettlinger Straße präsentiert sich nach fast fünf Jahren erstmals wieder nahezu frei von Bauzäunen, Umleitungsschildern und gelben Fahrbahnmarkierungen. Seit November 2013 war die Nord-Süd-Verbindung für Straßenbahnen zwischen Marktplatz und Hauptbahnhof gesperrt, die Bauarbeiten für die Kombilösung brachen sich Stück für Stück Bahn.

Zumindest zwischen Kriegsstraße und Rüppurrer Straße verlaufen die Wege nun wieder geradlinig. Frisch gepflasterte Fußgängerwege lassen viel Beinfreiheit, auch die breiten Radwege laden zum zügigen Durchstrampeln der Nord-Süd-Verbindung geradezu ein.

Bahngleise kehren nicht wieder

Was fehlt, sind die oberirdischen Bahngleise – sie kehren auch nicht wieder, erklärt Achim Winkel, Pressesprecher der Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft (Kasig). Entgegen der ursprünglichen Planung aus dem Jahr 2013 wird es kein Bahn-Provisorium bis zur Fertigstellung der U-Strab geben. „Dafür hätte man oben Gleise einbauen müssen, die aber dann nach zwei bis drei Jahren wieder rausgebaut worden wären.“

Die Zeit zum Einbau der Gleise samt Oberleitungen sowie die Belastungen der Menschen durch die Arbeiten habe man sich deshalb erspart, sagt Winkel. Dies war Teil des von OB Frank Mentrup vorgeschlagenen Beschleunigungsprogramms für die lahmenden U-Strab-Arbeiten. So fährt nun ein Bus zwischen Augartenstraße und Marktplatz. Und auf dem überflüssigen Gleisbett wird geparkt.

Wo ist denn jetzt die Bushaltestelle?

In der Filiale der Bäckerei Hofmeister erzählt die Verkäuferin von der Verwirrung auf der Straße vor dem Geschäft: „Die Leute hatten keinen Durchblick und fragten, wo die Bushaltestelle sei oder ob ich ihnen nicht einfach ein Taxi rufen könne.“

Die Geschäftsleute können nun wohl wieder auf mehr Laufkundschaft hoffen – beim Radwerk an der Ecke Nebeniusstraße merkt man davon aber bisher nichts. „Natürlich hatten wir Umsatzeinbußen, man fährt hier ja nicht zufällig vorbei“, erklärt Filialleiter Steven Inman. „Und ohne die durchfahrende Bahn hat man uns nicht mehr gesehen.“ Ob sich die Lage nun verbessere, müsse man sehen. „Wir hoffen es.“

Große Erleichterung herrscht beim Elektrohändler Tremml. „Vorher kamen die Kunden nur ganz gezielt zu uns“, erklärt Inhaber-Gattin Nicole Tremml. Jetzt herrsche wieder mehr Leben im Laden. Allerdings gebe es jetzt weniger Parkplätze. Die Baustellenzeit habe man gut überstanden, auch die Kommunikation mit den Bauarbeitern habe immer sehr gut funktioniert. Dennoch: Die letzten Jahre sei es sehr ruhig gewesen. Aber die Stammkunden hätten dem Unternehmen die Treue gehalten. „Deswegen gibt es uns auch noch“, so Tremml.

Geschäftsmodell wegen Baustellen geändert

Anders als etwa den Südstadt-Kiosk in der Schützenstraße, der aufgrund der fehlenden Laufkundschaft seit Samstag geschlossen hat (die BNN berichteten). Auch das ans Exotenhaus des Karlsruher Zoos angegliederte Restaurant Exo hatte mit den Baustellen zu kämpfen: Im Juli 2015 eröffnet, änderte Geschäftsführer Andreas Hill 2016 sein Angebot: Seither gibt es dort abends nur noch Eventgastronomie. Ob das nun so bleibe, stehe noch nicht fest, so Hill gegenüber den BNN.

Auch der „Reparier-Bär“ stellte wegen der Baustellen sein Geschäftsmodell um: Repariert werden nur noch PCs von Firmenkunden, für die Laufkundschaft bleiben die Türen verschlossen. Nebenan in der christlichen Buchhandlung Atempause hofft man dagegen wieder auf die Kunden, die das Angebot im Vorbeigehen entdecken. Zwar biete man ein spezielles Sortiment, doch lebe man auch von der Laufkundschaft, erklärt Sibylle Pfattheecher. Auf eine Verbesserung hoffe sie, doch im Moment sei diese noch nicht spürbar.