Sie ist wieder da: Die neue Wasserwerkbrücke zwischen der Südstadt (oben) und dem Oberwald (unten) wird am Mittwoch, 24. Juli, um 16 Uhr eröffnet.
Sie ist wieder da: Die neue Wasserwerkbrücke zwischen der Südstadt (oben) und dem Oberwald (unten) wird am Mittwoch, 24. Juli, um 16 Uhr eröffnet. | Foto: Sandbiller

Feierliche Eröffnung

Dank der neuen Wasserwerkbrücke wieder entspannt die Karlsruher Gleise überqueren

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In Karlsruhe kommt die beliebte Übergangshilfe zwischen der Südstadt und dem Oberwald schneller wieder als gedacht: Die neue Wasserwerkbrücke, ein Steg mit schlanker Silhouette, ist fertig. Am Mittwoch, 24. Juli, um 16 Uhr wird sie mit einer kleinen offiziellen Feier eröffnet.

Lücke schmerzt auch Pendler

Die Lücke klafft seit August, am 30. Juli 2018 hatte die Sperrung begonnen. Das schmerzte besonders Fußgänger, Radfahrer – darunter etliche Berufspendler – und die Bewohner der Südstadt.

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Viel frequentiert war die autofreie Strecke. Bis zur Sperrung am 30. Juli 2018 wurde die alte Wasserwerkbrücke täglich von Spaziergängern, Familien, Hunden und vielen Radfahrern auf dem Weg aus der Stadt in den Oberwald und umgekehrt überquert. | Foto: jodo

Markanter Vorgänger war marode

Die große alte Bahnbrücke war in die Jahre gekommen: Sie entstand in den Jahren 1894 und 1895. Als sie 1996 per Gesetz aus dem Besitz der Bahn an die Stadt ging, war die Substanz marode. Seit 1998, also in den letzten zehn Jahren ihrer Existenz, war die Wasserwerkbrücke mangels ausreichender Tragkraft schon für Kraftfahrzeuge gesperrt. Einige Träger waren erheblich beschädigt. Seither schlängelten sich Radfahrer, Eltern mit Kinderwagen, Jogger und Hundebesitzer an rot-weißen Absperrungen, Gabionen und Warnschildern vorbei.

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Eingeschränkt war schon seit 1998 der Weg über die mehr als 100 Jahre alte marode Brücke. | Foto: jodo

Nachtarbeit im engen Takt

Präzisionsarbeit über Drähten unter Hochspannung, eng abgestimmt mit dem Bahn-Takt, stellte innerhalb von zehn Monaten die Weichen dafür, dass die beliebte Querverbindung nun vorzeitig schon zu den Sommerferien 2019 wiederkehrt. Ursprünglich war die Baustelle auf 18 Monate angelegt.

Das Mammutprojekt bleibt im Kern deshalb auf Kurs, weil keiner der komplizierten Nachteinsätze platzte. Jedesmal hatten die Brückenbauer Glück, als sie in mehreren Frühlingsnächten im engen Zeitfenster im Vorhinein vereinbarter Gleissperrungen Stücke des neuen Stegs an Ort und Stelle hievten. Kein Sturm verblies die anspruchsvollen Arbeiten, kein Zulieferer, kein Bauunternehmer ließ die Karlsruher hängen.

Nachtarbeit
Präzisionsarbeit bei Technik und Zeitmanagement ist permanent gefragt. Mitte März 2019 schwebt ein Bauteil der neuen Wasserwerkbrücke an seinen Platz. | Foto: jodo

Die stadtseitige Rampe bekommen die Benutzer nun auch mit neuem Belag und kleinem „Bellevue“-Balkon zurück.

Emotionale Geschichte

Generationen von Karlsruhern erinnern sich an das markante Brückengeländer der Vorgängerkonstruktion. Durch die schrägen Metallstreben der Stahlbrücke Baujahr 1894/1895 blicken große und kleine Leute fasziniert auf Lokomotiven und Güterzüge. Früher rangieren die Loks noch unter Dampf. Da ist jeder der insgesamt 163 Brückenmeter ein Galerieplatz.

Petition scheitert

Eine Online-Petition soll verhindern, dass monatelang kein Weg und kein Steg die Südstadt mit dem Tivoli verbindet. Unumstritten ist aber stets: Karlsruhe braucht eine Direktverbindung zwischen dem dicht bewohnten Stadtgebiet und dem erfrischend grünen Erholungsgebiet im Süden.

Stahlpreis lässt ersten Plan platzen

Wachsender politischer Wille zur Förderung abgasfreier Mobilität gibt zusätzlich Rückenwind. 2005 ist eine Ersatzbrücke für 2,5 Millionen Euro fertig geplant, da klettern die Stahlpreise und sprengen die Kalkulation. So wird 2010 nur provisorisch für 200 000 Euro repariert. Rund 3,7 Millionen Euro will die Stadt schließlich in einen Ersatzbau stecken.  Architekten ringen im Wettbewerb um die beste Lösung. Ab August 2018 beißen Abrisszangen zu, wird der mürbe Beton abgetragen. Auch die geschwungenen Brückengeländer verschwinden – nach 124 Jahren.

Sperrung für Motorisierte bleibt

Obwohl autotauglich ausgelegt, bleibt motorisierter Verkehr auch in Zukunft von der Wasserwerkbrücke verbannt. Nur Betriebsfahrzeuge dürfen passieren, etwa die der Tierpfleger auf dem Weg zu den Gehegen im Oberwald.