Eine Kiste zum Kraft tanken hat Fabian Krüger mit seinem Konzept Relaxaholic entwickelt. Damit verbunden ist ein Online-Portal, das Arbeitnehmer anleitet, Strategien für das ganz persönliche Gesundheitsmanagement zu entwickeln.
Eine Kiste zum Kraft tanken hat Fabian Krüger mit seinem Konzept Relaxaholic entwickelt. Damit verbunden ist ein Online-Portal, das Arbeitnehmer anleitet, Strategien für das ganz persönliche Gesundheitsmanagement zu entwickeln. | Foto: Peter Sandbiller

Freude aus dem Pappkarton

Karlsruher Start-Up verkauft Erholungstipps für Arbeitnehmer

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Zu viel Stress macht krank und mindert die Leistungsfähigkeit – dagegen hat ein Karlsruher Start-up jetzt ein Programm entwickelt: „Relaxaholic“ funktioniert sowohl online als auch offline und soll Mitarbeiter durch gezielte und individuelle Erholungstipps wieder fit für den Arbeitsalltag machen.

Beim Aufklappen des Päckchens fällt der Blick auf eine Naturlandschaft: Eine Postkarte klebt an der Innenwand. In der Kiste ein weiterer Karton, obenauf ein Briefumschlag. „Öffne mich“, heißt es da, der Text ist umgeben von einer mandalaartig stilisierten Blume.

Im Brief wird freundlich erklärt, worum es geht: An besonders intensiven Arbeitstagen kommt oft die Erholung zu kurz. Sie ist aber nötig, um Energie aufzutanken für die kommenden Aufgaben.

Damit Mitarbeiter nicht in die Stress-Falle tappen und langfristig ihre Gesundheit bis hin zur Arbeitsunfähigkeit aufs Spiel setzen, hat ein Karlsruher Start-up im Container-Büro des Gründerzentrums Perfekt Futur ein umfassendes Konzept ertüftelt: Relaxaholic nennt Fabian Krüger seine Methode zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz, die sowohl in der physischen als auch in der digitalen Welt ansetzt und in Zusammenarbeit mit einer Krankenkasse und Institutionen des Öffentlichen Dienstes derzeit eine mehrmonatige Testphase durchläuft.

Gelassenheit als Antibiotikum

Man öffnet also die Schachtel mit dem grauen Deckel. Ein Blatt Papier verkündet: „Die Gelassenheit ist ein nebenwirkungsfreies Antibiotikum gegen Alltagsstress“. Darunter in einem kleinen Umschlag liegen die Zugangsdaten für das Internetportal relaxaholic.de, das in einer Light-Version auch ohne Anmeldung viel Wissen über die Entstehung von Stress und dessen Vermeidung bietet.

Im Karton liegen außerdem zwei Heftchen: Eines ist eine Art Gebrauchsanweisung für Gelassenheit, Stressbewältigung und Zeitmanagement. Das zweite Heftchen enthält praktische Übungen zur Lockerung der durch Büroarbeit besonders beanspruchten Nacken- und Schultermuskulatur.

Zarter Orangenduft steigt aus der Schachtel: Ein Fläschchen Orangenöl soll stimmungsaufhellend, belebend und konzentrationsfördernd wirken. „Drück mich!“ steht handgeschrieben auf einem Zettel, der an einem Ball klebt.

Entspannung ist ein Offline-Erlebnis

„Sie haben schon mindestens zweimal gelächelt!“ sagt Fabian Krüger. „Genau das wollen wir erreichen.“ Denn Freude sei der Schlüssel zur Entspannung, und die helfe gegen Stress. Was beim Einzelnen Freude auslöse, sei aber individuell sehr verschieden und könne nicht durch allgemeine Maßnahmen allein gefördert werden.

Die Mitarbeiter selbst müssten Strategien für sich ganz persönlich entwickeln, und dafür soll die Box Inspiration sein. Denn man könne viel im Internet über Entspannungstechniken lesen. „Aber echte Entspannung ist ein Offline-Erlebnis“, ist Krüger überzeugt.

Für manch einen sei das zum Beispiel ein Feierabend-Bier. Alkoholkonsum sei zwar nicht gesund, solle in diesem Fall aber nicht sofort verteufelt werden. „Unser Ziel wäre es, diesen Menschen vom Feierabend-Bier zum Feierabend-Tee und dann soweit zu bringen, dass er auch den nicht mehr braucht.“

Vom Workaholic zum Relaxaholic

Vom Workaholic zum Relaxaholic, gewissermaßen – denn nur erholte Mitarbeiter bleiben langfristig leistungsfähig. Im Online-Portal, bei dem sich jeder Mitarbeiter absolut anonym anmelden kann – es werden keinerlei personenbezogene Daten abgefragt oder gespeichert – wird zunächst ein Fragebogen ausgefüllt, dann gibt es Tipps und Anregungen sowie kleine Aufgaben, die durch ein Belohnungssystem langfristig zur Arbeit am persönlichen Gesundheitsmanagement motivieren sollen.

Zusätzlich stehen Experten für Rückfragen zur Verfügung – ebenfalls anonym. Im Gegenzug kann aufgrund der wiederum anonymisierten Daten die Bedarfslage im Unternehmen aufgezeigt werden.

Wichtig sei, dass das Konzept Relaxaholic von den teilnehmenden Unternehmen als Angebot an alle Mitarbeiter kommuniziert werde und nicht, wie oft, als Lösung für ein „Problem“ Einzelner, die aufs „Stress-Seminar“ geschickt würden.

Firmen profitieren vom Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter

„Selbst in Firmen mit eigenem Gesundheitsmanagement ist psychische Gesundheit noch ein Tabuthema“, sagt Krüger. Damit die Anonymität gewahrt bleibt, müssen pro Firma mindestens 30 Mitarbeiter Relaxaholic nutzen.

Die Teilnahme an der Testphase ist für die Unternehmen kostenlos, im Gegenzug gehen die anonymisierten Daten an ein Forschungsprojekt der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement in Saarbrücken. Die Wissenschaftler evaluieren das Relaxaholic-Konzept. Danach tragen die Unternehmen die Kosten für die Boxen und die Arbeitszeit, in denen die Mitarbeiter sich mit Relaxaholic beschäftigen.

Aus Krügers Sicht ein lohnendes Geschäft: „Die Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht – und sowieso Interesse daran, dass ihre Mitarbeiter langfristig so fit bleiben wie am ersten Tag.“

Kontakt
Unternehmen, die sich an der jeweils sechsmonatigen Testphase von Relaxaholic beteiligen möchten, können noch bis spätestens 1. Oktober 2019 einsteigen. Interessierte können sich unter Telefon (07 21) 17 46 81 03 oder per E-Mail an kontakt@relaxaholic.de melden.