Der Friedrichsplatz ist voll: Am Freitagmorgen haben sich in Karlsruhe viele Demonstranten zur großen Fridays-for-Future-Demo versammelt.
Der Friedrichsplatz ist voll: Am Freitagmorgen haben sich in Karlsruhe viele Demonstranten zur großen Fridays-for-Future-Demo versammelt. | Foto: Kranich

Demo für alle Generationen

Fridays for Future: Mit dabei beim Weltklimastreik in Karlsruhe und Baden

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Der Weltklimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung bringt Jung und Alt in rund 500 Orten in Deutschland und 2 000 Orten in über 140 Ländern weltweit zusammen. Auch in Pforzheim, Rastatt, Achern und Bühl gibt es Veranstaltungen. In Karlsruhe fand eine Kundgebung am Friedrichsplatz statt, im Anschluss zog ein Demonstrationszug durch die Stadt.

In Karlsruhe startete der Tag pünktlich um 11 Uhr mit dem Klang der Kirchenglocken. Vor allem das Geläut von der katholischen Stadtkirche St. Stephan war auf dem Friedrichsplatz zu hören. Die Eröffnungsrede der Kundgebung hielt Katharina von den Fridays for Future, gefolgt von Gewerkschaftsvertreter Dieter Bürk, dem Vorsitzenden des DGB Stadtverbands Karlsruhe.

Kurze Zeit später bebte der Boden: Die Fridays-for-Future-Vertreter forderten die Anwesenden zum Hüpfen im Takt von „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle hey hey“ auf – und die machten mit.

Der Karlsruher Klimastreik in Zahlen

Kurz vor 14 Uhr gab es offizielle Zahlen zu den Demonstranten in Karlsruhe: Die Polizei zählte 11 000 Menschen, der Veranstalter sprach von 12 000 Personen.

Es dauerte etwa 45 Minuten, bis die Demonstranten an der BNN-Redaktion in der Karlsruher Lammstraße vorbeimarschiert waren. Augenzeugen sind sich sicher, dass es die größte Demo sei, die Karlsruhe bisher in der Fridays-for-Future-Bewegung gesehen hat. Die Beteiligung sei so hoch gewesen, dass die hinteren Reihen gerade erst losgelaufen waren, als die vorderen Reihen wieder am Friedrichsplatz ankamen, schreibt der Veranstalter in einer Pressemitteilung.

Erst um 13.30 Uhr fanden sich die letzten Demonstranten nach dem Marsch wieder auf dem Friedrichsplatz ein. Dann wurden die Picknickdecken ausgepackt.

Auch von prominenter Seite gab es Unterstützung für die Klimademonstranten: Gunter Kopf alias Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein von der Karlsruher Mittelalter-Band Saltatio Mortis postete am Freitag auf seinem Instagram-Kanal von der Fridays-for-Future-Demo.

 

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Heute: #fridaysforfutureglobal #saltatiomortis #mümmelstein #tuwas #fridaysforfuture #wachstumüberalles

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Hier noch ein paar Fakten zu den Fridays for Future in Karlsruhe:

  • Schon in den frühen Morgenstunden begann am Friedrichsplatz in Karlsruhe der Aufbau der Bühne, die für die Kundgebung und den späteren Bandauftritt der Headphonemusic benötigt wird.
  • Für die Berichterstattung über die Fridays-for-Future-Demonstration in Karlsruhe liegen die Räume der BNN-Redaktion in der Lammstraße ideal. Zu Beginn spazieren oder radeln immer wieder Schüler vorbei, die auf dem Weg zum Friedrichsplatz sind. Später führt die Demonstration am Zirkel und den Räumen vorbei.
  • Die Schüler des Karlsruher Goethegymnasiums müssen ab der vierten Stunde, also 11:20 Uhr, nicht einmal schwänzen. Ab da sind sie freigestellt, weil die Lehrer beim Ausflug sind.
  • Nicht nur Schüler, sondern auch andere Gruppen kommen zur Demonstration: Eltern („Parents for Future“), Wissenschaftler („Scientists for Future“) oder Großeltern (Grandmas for Future“).
  • OB Frank Mentrup unterstützt die Teilnahme an den geplanten Veranstaltungen und hat die Regelung erlassen, dass dies im Zuge einer „verlängerten Mittagspause“ von 11 bis 14 Uhr möglich ist.
  • Der Parking Day folgt ab 15 Uhr direkt auf Fridays-for-Future. Dort wird darauf aufmerksam gemacht, wie viel CO2 bei der Parkplatzsuche verbraucht wird.
  • In Karlsruhe startet nun eine Aktionswoche. Den Anfang macht das Aktionscamp beim Circus Maccaroni mit verschiedenen Workshops und Diskussionsrunden. Weitere Veranstaltungen der Aktionswoche gibt es hier. 

Mehr zum Thema: Protestaktionen in Berlin: Fahrrad-Demo und Blockade

Fridays for Future in Pforzheim

Auch in Pforzheim sind viele Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Hier der Pforzheimer Klimastreik in Bildern:

Fridays for Future in Rastatt

Auch in Rastatt beteiligten sich viele junge Menschen, aber auch Erwachsene und sogar „Oldies for Future“ an der Protestaktion, die der Rastatter Ableger der Bewegung organisiert hatte. Etwa 400 bis 500 Menschen nahmen nach Schätzungen der Polizei und des Veranstalters an der Kundgebung auf dem Kulturplatz beim Landratsamt und dem anschließenden Demonstrationszug zum Marktplatz teil. Zeitgleich mit der Kundgebung startete auf dem Schulhof des Rastatter Tulla-Gymnasiums ein nicht minder lauter und genauso bunter Fahrrad-Schieb-Corso rund um die Schule.

Der „Demonstrationszug“ war der Höhepunkt des Aktionstages „Tulla for Future“. Dieser umfasste Infoveranstaltungen zum Thema „Umwelt- und Klimaschutz“, Diskussionen und Aktionen in allen Klassen. „Wir unterstützen das Anliegen der Initiatoren des globalen Klimastreiks, wollen aber nicht nur streiken und andere dazu auffordern, etwas zu tun“, betonte die Schulleitung. „Vielmehr möchten wir unsere Unterrichtszeit dafür nutzen, unsere Schüler für die Herausforderungen unserer Zeit zu sensibilisieren.“ Man wolle längerfristig angelegte Projekte auf den Weg bringen, „die über den 20. September hinaus wirken“. Der Aktionstag sei zugleich der Startschuss für die neu installierte Umwelt-AG.

Für die Kundgebung auf dem Kulturplatz konnten die Klimaaktivisten der Rastatter „Fridays for Future“-Regionalgruppe Unterstützer und Redner unter anderem aus den Reihen der Kirche, des Klimabündnisses Rastatt, der Online-Jugendzeitschrift Ravolution, der Grünen Jugend und der Jusos gewinnen.

Zur Vorbereitung ihrer Aktion hatten sich die Rastatter Aktivisten vernetzt und nach Auskunft von Jessica Stolzenberger und Annabelle Sonn ein 16-köpfiges Organisationsteam gebildet. Das Versagen der Politik bei der Bewältigung der Klimakrise kam in den Reden ebenso zur Sprache wie der Vorwurf, die Schüler würden nur streiken, um die Schule zu schwänzen. Genau das Gegenteil sei der Fall, rief ein Lehrer den jungen Leuten zu. „Ihr habt gelernt, dass man etwas tun muss fürs Klima und die Umwelt. Danke, dass Ihr alle gekommen seid. Denn was wir heute hier machen, macht Schule und ist Schule.“

Wofür sie eintreten und wogegen sie protestieren, zeigten die Demonstranten auf ihren mitgeführten Transparenten, auf denen etwa „Erneuerbare Energien statt Krieg um Öl“ zu lesen war. Mit lauthals skandierten Parolen wie „Streik in der Schule, Streik im Betrieb, das ist unsere Antwort auf Eure Politik“ machten sie sich auf den Weg in die Innenstadt, um auf dem Marktplatz noch eine Schweigeminute für die abgebrannten und abgeholzten Wälder einzulegen. Zu dieser Zeit näherte sich auch der Aktionstag zum Umwelt- und Klimaschutz seinem Ende.

Fridays for Future in Bühl

Über Musik, Worte und einen symbolischen Akt haben Schüler und Lehrer des Windeck-Gymnasiums Bühl am „Globalen Klimastreiktag“ zu mehr Klimaschutz aufgerufen. Nach dem Fridays-for-future-Videoclip der Band Culcha Candela und Ansprachen von Schulleiterin Andrea Körner sowie den Schülern Lisa Burov und Maximilian Offermann in der Aula ging es zum wichtigsten Moment auf den Vorplatz: Auf einer Seite einer farblich markierten Bahn häuften die Schüler jene Steine auf, die den täglichen Kilometerverbrauch von Schülern und Lehrern über öffentliche Verkehrsmittel visualisierten, auf der anderen Seite die Steine für die reinen „Autokilometer“. Besonders Letztere, so Andrea Körner, wolle man reduzieren. Die für die bildliche Darstellung nötigen Daten waren zuvor bei einer Verkehrsanalyse erhoben worden. Zum CO2-Fußabdruck des Windeck-Gymnasiums sagten die Schüler: „Insgesamt verfahren wir in einem Schuljahr knapp 1,5 Millionen Kilometer mit dem Bus oder dem Auto. Das entspricht einer Distanz von etwa 37 Mal um die Erde entlang des Äquators.“

Fridays for Future in Achern

Wie überall auf der Welt wurde auch in Achern am Mittag die „Fridays  for Future“-Fahne hoch gehalten. Rund 200 Schüler und überraschend viele engagierte Erwachsene kamen zur einstündigen Kundgebung auf dem Rathausplatz. Mit Slogans wie „Klimaschutz im Höhenflug – Jugendliche sind am Zug“ pilgerte anschließend ein lautstarker Protestzug durch die Innenstadt.

Die Veranstaltung begann mit Verspätung. „Vor dem  Lehrerausflug wurden an der Lender noch Tests geschrieben, so dass wir uns entschlossen haben, erst um 11.30 Uhr anzufangen“, erklärte Anika Ferch und Andrea Rodriguez, die beiden Sprecherinnen des Organisationsteams. Die Eltern der Schüler der Robert Schumann Realschule in Achern, wurden mit einem Rundbrief ausdrücklich auf die Schulpflicht hingewiesen. Wer demonstrierten wollte musste sich schriftlich entschuldigen lassen oder bis 12.05 Uhr ausharren, da auch an der Realschule um diese Zeit ein Lehrerausflug auf dem Programm stand, wie eine Mutter erzählte. Den Acherner Gymnasiasten wurden keine Stolpersteine in den Weg geleitet, berichtete ein Schüler der 10 B. Rund die Hälfte der Klasse war vor Ort.

In seiner mit grossen Applaus bedachten Ansprache thematisierte der 18-Jährige Lukas Krüger im Besonderen die ihn nervende „das bringt doch nichts Einstellung“ vieler Jugendliche und Erwachsener. Bei  den Abendnachrichten „nur lamentierend zuzuschauen wie der Regenwald brennt, bringt nichts“, erklärte Lukas. Jeder solle seinen Teil zum Klimaschutz beitragen.

Demo in Freiburg: die größte Demonstration der Nachkriegsgeschichte?

Tausende Aktivisten haben sich auch in Freiburg zur voraussichtlich größten einer ganzen Reihe von Klima-Demos im Südwesten versammelt. Ein Sprecher der Polizei ging am Freitagmorgen von 17 000 Demonstranten bereits zu Beginn der Versammlung aus, Tendenz steigend. Neben Jugendlichen hätten sich auch viele Erwachsene in der Innenstadt versammelt. „Das ist ein eindrucksvolles und starkes Signal der Bürger“, sagte Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos).

Zehntausende Menschen wollen am Freitag in Baden-Württemberg als Teil eines globalen „Klimastreiks“ für besseren Klimaschutz demonstrieren. In Freiburg rechneten die Veranstalter mit 20 000 Teilnehmern. Das Bündnis Fridays for Future hat diesmal explizit nicht nur Schüler und Studenten, sondern auch Arbeitnehmer aufgerufen, sich an dem globalen „Klimastreik“ zu beteiligen.

Laut Badischer Zeitung könnte die Fridays-for-Future-Demo die größte Demonstration der Nachkriegsgeschichte in Freiburg werden.

Fridays for Future-Demo in Freiburg. | Foto: Müller

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

ts/kkö/cf/wowi/dpa/lsw