Paracelsus
Geschlossen: Die frühere Paracelsus-Klinik wurde vor zweieinhalb Jahren dicht gemacht. Jetzt signalisieren Paletten mit Säcken und Steinen am Eingang, dass der Umbau zu einem Wohnhaus- zumindest in den oberen fünf von sieben Etagen – läuft. | Foto: jodo

Keine Senioreneinrichtung

Frühere Paracelsus-Klinik in Karlsruhe wird weitgehend zu Wohnhaus umgebaut

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Die frühere Paracelsus-Klinik in Durlach wird keine große Senioreneinrichtung. Das ehemalige Krankenhaus wird weitgehend zu einem Wohnhaus umgebaut. Investor Afrim Bajrami erklärt auch, dass dieser Schwenk am Rückzieher der Karlsruher AWO liege – was er bedaure.

Dabei sei die Umwandlung von der Klinik zur Pflegeeinrichtung plus betreutem Wohnen laut Immobilienhändler Bajrami eigentlich „nach einem Jahr Verhandlungen“ unterschriftsreif gewesen. Nun habe die AWO Abstand von ihrem Engagement genommen. „Ich wollte ein medizinisches Zentrum im ganzen Klinikgebäude schaffen“, bekräftigt Bajrami.

AWO zieht sich wegen Corona-Pandemie aus Plänen zurück

AWO-Geschäftsführer Markus Barton bestätigt „erfolgreiche Gespräche“. Deshalb bedeute ein deutliches Abspecken der Pläne auch nicht den totalen Rückzug. „Die wirtschaftliche Unsicherheit in der Pandemie“ sei Grund für den Rückzieher.

„Wir sind aber weiter an einer Kooperation interessiert und werden in wenigen Wochen oder Monaten entscheiden“, sagt Barton. Dabei ist die AWO aber nicht mehr als Generalmieter für das siebenstöckige Haus im Spiel.  Barton kann sich vorstellen, dass der Sozial- und Gesundheitsdienstleister dort in Kooperation mit anderen Mietern ein kleineres Angebot für Durlach mache.

Seit Wochen wird gehämmert.

Nachbarin

„Im ehemaligen Krankenhaus wird seit Wochen gehämmert, gebohrt und gesägt“, berichtet eine Nachbarin. „Wir erleben Baulärm von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr, auch am Samstag“, klagt die Bewohnerin des Markgrafen-Stifts. Selbst zwei Hofkonzerte in der Senioreneinrichtung seien durch die Bauarbeiten „gnadenlos verlärmt“ worden.

Vor zwei Jahren hat Bajrami die für Durlach wichtige Immobilie nach der Paracelsus-Pleite für 6,5 Millionen Euro gekauft. Der Karlsruher Investor bestätigt, dass der Umbau der Durlacher „Para“ nach der Absage der AWO inzwischen auf Hochtouren laufe.

„Es entstehen Wohnungen in den oberen fünf Etagen“, erläutert der Entwickler den Plan. „Die Arbeiten an den Zimmern haben schon begonnen, sie sollen bis Oktober bezugsfertig sein“, bestätigt er, weshalb eben die Nachbarn im Stift nun besonders unter dem Lärm leiden.

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Paracelsus-Gebäude soll für Durlacher weiterhin medizinischen Nutzen haben

Auf den unteren beiden Stockwerken möchte Bajrami aber weiter möglichst im Zusammenwirken mit der AWO eine Art „Gesundheitszentrum“ auch mit Arztpraxen für Durlach in den früheren Klinikräumen etablieren.

„Mir war es immer ganz wichtig, dass das Haus weiter eine medizinische Nutzung für die Durlacher hat“, sagt Bajrami.

Ich strebe einen Wohnungsmix an.

Er sei sich der Bedeutung, welche die „Para“ für die Markgrafenstadt hatte, bewusst und wolle diese Tradition fortsetzen. „Deshalb habe ich wegen der Verhandlungen auch ein Jahr mit dem Umbau gewartet“, bekräftigt er.

Lediglich die Modernisierung der Infrastruktur wie Steigleitungen und Heizungen laufe bereits seit acht Monaten. „Ich strebe einen Wohnungsmix an“, versichert er. Bei insgesamt 80 Wohneinheiten auf fünf Etagen seien relativ kleine Studentenzimmer in der Mehrzahl.

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„Ob Pflege, ob Wohnungen – für Durlach kann man sich alles gut vorstellen“, meint Ortsvorsteherin Alexandra Ries. In beiden Segmenten sei der gesellschaftliche Bedarf groß. Dies gelte auch für eine Kombination beider Nutzungen. Möglicherweise könnten so doch eine Notfall-Medizin sowie Praxen die Versorgung Durlachs in direkter Nachbarschaft zum Markgrafenstift verbessern.