Die Fontäne auf dem Friedrichsplatz lockt die Menschen an.
MIT DER FONTÄNE auf dem Friedrichsplatz lässt Karlsruhe jetzt wieder Wasser in den blauen Himmel schießen. Viele Menschen freuen sich und suchen in der Mittagspause die Idylle am Beckenrand auf. Fotos: jodo | Foto: jodo

Wasser marsch bis Mitte April

Der Frühling lässt die Brunnen sprudeln

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Die Sonne lacht, die Bäume grünen und die Vögel zwitschern. Aber etwas fehlt zum Frühjahrsglück in der Fächerstadt: Die allermeisten Brunnen plätschern noch nicht. Keine Fontänen, kein Gurgeln aus Rohren. Ihre Becken liegen noch trocken. Die wenigen Ausnahmen können da nicht trösten.

Mancher Brunnen sprudelt schon

Sicher die Wasserwand auf dem Kronenplatz ist neben dem Baucontainerdorf der U-Strab-Arbeiter in Betrieb. Auch beispielsweise im Becken des Flachbrünnleins am Kaiserplatz tut sich schon was. Gerade haben auch die Fontäne auf dem Friedrichsplatz und der besonders bei den Kindern beliebte Wassertisch neben St. Stephan den Betrieb aufgenommen.

Noch kein Wasser

Aber sonst herrscht weitgehend Fehlanzeige etwa bei großen Brunnenanlagen wie auf dem Gutenbergplatz oder dem Haydnplatz.

 

Trockener Brunnen auf dem Haydnplatz
OHNE DAS WASSER IM BECKEN seines großen Brunnens fehlt dem Haydnplatz etwas von seinem Liebreiz. Dabei sitzen die Sonnenanbeter schon auf dem Rasen. | Foto: jodo

Übergangssituation vor dem Schloss

Die Brunnen in Landesregie auf dem Schlossplatz spiegelten gestern die Übergangssituation wider: Im Becken um den Großherzog Karl-Friedrich kräuselt sich schon das Wasser, auch die Wasserbänder im Rasen tragen einen glitzernden Film. Im Brunnehaus unter dem Pflaster des Ehrenhofs basteln die Techniker an den Pumpen. Zeitweise platscht das Wasser schon auf die Teller des westlichen Brunnens. Sein gegenüber im Osten ist dagegen noch so trocken wie die beiden Brunnen in den Nyadenwäldchen.

 130 Brunnen unter Kontrolle

Das Gartenbauamt hat immerhin rund 130 städtische Brunnen unter Kontrolle. Da will gut Ding Weile haben, bis alle öffentlichen Quellen an Straßen, in Anlagen und auf Plätzen nach rund fünf Monaten Winterschlaf angestellt sind. Bis Mitte April aber müsste dies spätestens wie all die Jahre geschafft sein. Mag sein, dass dann jener launische Monat Kühle, Wind und Wolken bringt. Egal, dann werden alle Brunnen plätschern – und eben nicht jetzt im März bei eitel Sonnenschein.

Paten und Gesellschaft

Im Prinzip nämlich hätte der Winter bis vor kurzem mit strengem Nachtfrost zurückschlagen können. Auch wenn nun im endlich ausgebrochenen Lenz 2017 das Risiko nicht mehr besteht, dass in Karlsruhe Wasserrohre wegen Eiseskälte platzen, so kann doch das Gartenbauamt nicht spontan alle Brunnen laufen lassen. Da hilft auch die große Unterstützung durch die in Karlsruhe beheimatete und äußerst rege Europäische Brunnengesellschaft und durch die 50 Brunnenpaten nichts.  Eines aber scheint sicher: Bevor die Freibäder Anfang Mai öffnen, wird bei allen 130 Brunnen das Becken voll sein.

Vier Wochen nach Plan

„Das geht alles nach einem vierwöchigen Ablaufplan“, erklärt Gartenbauamtchef Helmut Kern. Die Wiederinbetriebnahme bewerkstellige „unser technischer Partner Stadtwerke in Abstimmung mit dem Gartenbauamt“, erläutert er. Im Prinzip plätschert es zuerst in der City. „Wir gehen von innen nach außen“, bestätigt Kern. Doch gebe es Ausnahmen. Also ist es möglich, dass sich die Sonne bereits Anfang April etwa im der Wolfsbrunnen in Wolfartsweier oder Mühlburgs Brunnen am Entenfang spiegelt.

Wie die Brunnenputzer

Sprichwörtlich „wie die Brunnenputzer“ müssen die Kräfte der Stadtwerke und des Gartenbauamts zupacken: Nicht nur das Reinigen der Becken und Durchspülen der Leitungen gehören zum Frühjahrsputz. Schon im Winter wird am Comeback der Brunnen gearbeitet. Viele Pumpen, die instand gesetzt wurden, werden jetzt wieder eingebaut“, erklärt Kern. Auch die Brunnenbeleuchtung sei nun wieder überall auf dem Stand.

Sanierung im Sommer

Es ist also viel zu tun, damit das Wasser richtig fließt und nicht mit den Jahren zum Rinnsal verkümmert. „Große Brunnensanierungen laufen unabhängig vom Start im Frühling, oft werden sie im Sommer vorgenommen“, berichtet Kern. Gerade beim Auswechseln von Dichtungen müsste eine Außentemperatur im zweistelligen Bereich garantiert sein, ergänzt Karlsruhes Herr der Brunnen.

 

Brunnenanlage Friedrichsplatz
Der Frühling ist endgültig angekommen: Wasser und Licht am Friedrichsplatz. | Foto: jodo

 

306 Brunnen in einem Nachschlagewerk

Über die Karlsruher Brunnen wurde manches Buch oder Büchlein geschrieben. Weil es aber in der Fächerstadt in der Europäischen Brunnengesellschaft besonders passionierte Experten gibt, hat Karlsruhe sogar ein echtes Brunnenlexikon. Dieses Werk basiert laut Herausgeber auf dem städtischen Brunneninformationssystem. Die 306 Brunnen auf Plätzen und in Parks, in Höfen und in Gebäuden, die öffentlich zugänglich sind, findet man in dem Nachschlagewerk akribisch aufgelistet. Nach einheitlichen Kriterien und geordnet nach Stadtteilen werden die einzelnen Wasserspiele beschrieben.

Heimliche Brunnenhauptstadt

„Mit diesem Lexikon habe sich Karlsruhe zur heimlichen deutschen Brunnen- und Wasserhauptstadt“ entwickelt, meint Harald Denecken, der Präsident der Europäischen Brunnengesellschaft (EBG). Die EBG wurde 2004 in Karlsruhe gegründet.
Der verstorbene Dietrich Maier, früherer Wasserchef der Stadtwerke, war der Pionier und Motor dieser Brunnen-Bewegung. Die EBG fördert im Zusammenhang mit Brunnen Wissenschaft, Forschung und Kultur. Auch humanitäre Einsätze in Katastrophengebieten der Welt wie nach dem Tsunami 2005 auf Sri Lanka oder der Cholera-Epidemi 2009 in Simbabwe wurden für sauberes Trinkwasser geleistet.

Das Brunnenlexikon

Das Brunnenlexikon für die Stadt Karlsruhe von Uwe Faulhaber und Dietrich Maier (Herausgeber Europäische Brunnengesellschaft) enthält präzise Steckbriefe von 306 Brunnen – dazu gehören auch Becken in Gebäuden – auf 406 Seiten. Es kann im Brunnenmuseum im alten Wasserwerk an der Südtangente mittwochs von 15 bis 17 Uhr für 39,50 Euro erworben werden.