Den Eisvogel können Spaziergänger in Karlsruhe an der Pfinz und an der Alb erspähen. Der blitzschnelle Fischjäger brütet dort auch.
Den Eisvogel können Spaziergänger in Karlsruhe an der Pfinz und an der Alb erspähen. Der blitzschnelle Fischjäger brütet dort auch. | Foto: Büttner

Tiere turteln auch bei Frost

Frühlingsgefühle in der Fächerstadt

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Mit gespitzten Ohren spazieren Vogelschützer durch das noch vorfrühlingshafte Karlsruhe. Pflanzenfreunde bescheiden sich auch am kalendarischen Frühjahrsstart im neuerlichen Kälteschub noch mit wenigen Farbtupfern. Erste Narzissen und golden überpuderte Weidenkätzchen, flockenweiße Ansätze von Kirsch- oder Schlehenblüte, Forsythienknospen und Gelber Hartriegel wecken Sehnsucht nach dem Lenz, befriedigen aber noch kaum.

Artenschützer beobachten Naturerwachen

Entflammt aber sind, von vielen Städtern unbemerkt, trotz Frost die Frühlingsgefühle tierischer Stadtbewohner. Haupt- und ehrenamtliche Artenschützer beobachten aufmerksam, wo sich neues Leben anbahnt – unter Wasser übrigens zuerst, nicht nur in Krötengewässern.

Turteln im Wasser

Gespannt auf die nächste Fischbrut ist Hans Peter Postweiler. Der Chef des Anglervereins Durlach kennt jeden Meter der von Natur aus schlammigen Pfinz: in Grötzingen, an Hühnerlochwehr, Obermühle und Steinerner Brücke und schließlich in Hagsfeld. Das große Turteln unter Wasser haben die Bachforellen beginnen lassen.

Die Bachforellen haben das große Turteln unter Wasser eingeläutet.
Die Bachforellen haben das große Turteln unter Wasser eingeläutet. Die Weibchen schlagen mit der Schwanzflosse Laichburgen in kiesige Bachbetten, etwa in der Pfinz. | Foto: Lackner

Die kräftigen Weibchen schlagen mit der Schwanzflosse noch bis Ende März Laichburgen in Kies am Bachgrund. Viel verspricht sich der Gewässerwart der Durlacher Angler vom Nachwuchs 2018: Ab der Pforzheimer Straße mit der Brücke in den badischen Farben bis zu den Bahngleisen sind über 1 000 Meter Bachlauf frisch renaturiert.

Naturnah umgebaut ist die Pfinz in Durlach flussabwärts der Pforzheimer Straßer mit der rot und gelb bemalten Brücke.
Naturnah umgebaut ist die Pfinz in Durlach flussabwärts der Pforzheimer Straßer mit der rot und gelb bemalten Brücke. | Foto: jodo

Neuer Lebensraum im Flachwasser

Wertvoller Lebensraum entwickelt sich nun im Strömungsschatten einer Mittelinsel. Im Flachwasser schützen mit Stahlseilen verankerte Baumstämme mit Geäst und Zwielicht Fische vor hungrigen Reihern und Kormoranen. Vielleicht verstecken sich dort bald erste, fingerkurze Jungforellen. Das Rotauge, auch als Plötze bekannt, kleine Elritzen, der Schlammpeitzger und andere Weißfischarten ziehen nach, sobald das Wasser wärmer wird. „Sie spüren mit ihrer Seitenlinie den feinen Temperaturunterschied zwischen 13 und 14 Grad Celsius“, erklärt Postweiler.

Balz in der Luft

Zart gackernd inspiziert ein Teichhuhn mit rotem Schnabel und hellgrünen Stelzbeinen den steinigen Saum der neuen Mittelinsel in der Pfinz. Daneben gründelt ein Paar Stockenten. Über die Gleisbrücke rattert eine rote Lok und scheucht ein Pärchen Ringeltauben auf. Erobert Röhricht, wie Postweiler hofft, die Flachwasserzone, perlt womöglich künftig auch dort des Schilfrohrsängers Lied, das die Angler bisher nur am Bach bei Hagsfeld erlauschen. Auch die Wasserralle lebt an der Pfinz.

Kostbare Kinderstuben

Ab Monatsende lauern Karlsruher Vogelkundler nach langen Jahren erstmals wieder auf den Balzruf des Wiedehopfs. „Im Rappeneigen in Durlach hatten wir vergangenes Jahr einen Brutverdacht“, berichtet Artur Bossert, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Karlsruhe.

Experten sorgen sich ums Graue Langohr

Für jeden Zugvogel, der zurückkehrt in Karlsruhes Naturräume, Gebäude und Gärten, ist das Angebot artgemäßer Kinderstuben entscheidend. Der Bruterfolg im Häusermeer nimmt dramatisch ab für Schwalben und Mauersegler. Auch um etliche Fledermausarten steht es schlecht.

Fledermaus im Flug
Fledermäuse im Flug auf der Jagd nach Insekten sind in einigermaßen lauer Luft in Karlsruhe schon zu sehen gewesen vor dem aktuellen Kälteschub. Vielen Arten mangelt es an Wochenstuben im Häusermeer. | Foto: Rumpenhorst

Einzelne dieser pelzigen Insektenjäger sind schon unterwegs gewesen an Tagen mit einigermaßen lauer Luft. Gerade für das Graue Langohr verzeichnen die Artenschützer im Regierungspräsidium Karlsruhe in den vergangenen Jahren jedoch einen enormen Rückgang an Wochenstuben. Erst kürzlich wurden rund 40 Menschen in Karlsruhe geschult, um ehrenamtlich Fledermausquartiere im Regierungsbezirk zu betreuen.

Urbane Futterquellen

Der pfeilschnelle, eisblaue Eisvogel findet in der Fächerstadt dank steiler Ufer für Brutröhren an Pfinz und Alb gute Bedingungen. Dazu gehört auch passende Vegetation: „Der Eisvogel braucht einen Ansitz über dem Wasser“, betont Postweiler. Dann schnappt er sich jede Elritze, die zu langsam flieht.

An der Pfinz fischen Mensch und Tier im Trüben

In der Pfinz fischen Menschen und Tier wie Bachforelle, Eisvogel und die scheue Wasseramsel im Trüben. Das Wasser ist erheblich reicher an Nährstoffen und Biomasse als die Alb als klarem, aber nährstoffarmem Gebirgsbach. In der Pfinz sieht Postweiler Kleinkrebse „unter jedem Stein, den ich umdrehe“. Diese Nahrung färbt das Fleisch der Lachsartigen wie den Forellen zartrosa. Für Fledermäuse und gefiederte Stadtbewohner zählt dagegen, wie viele Insekten durch Karlsruhes Naturschutzgebiete, aber auch möglichst viele Gärten und Parks schwirren.

Karlsruher Naturkompass gibt Erkundungstipps

Wer dem Frühlingserwachen in der Fächerstadt nachspüren will, findet Tipps im Karlsruher Naturkompass, den ortskundige Beobachter im Internet pflegen. Aktuell empfohlen sind Naturdetektiven Ausflüge auf den Spuren der Wasseramsel, zu Brutplätzen des Graureihers und zu wandernden Kröten.