Spaßiges Scheitern: Mit seiner amüsant verpackten Misserfolgs-Geschichte sorgt Jonas Loch für Lacher bei der FuckUp Night im Club Stadtmitte.
Spaßiges Scheitern: Mit seiner amüsant verpackten Misserfolgs-Geschichte sorgt Jonas Loch für Lacher bei der FuckUp Night im Club Stadtmitte. | Foto: Peter Sandbiller

Volles Haus in „Stadtmitte“

FuckUp Night in Karlsruhe: Erfolgreich gescheitert

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Wer hat schon Spaß daran, Geschichten vom Scheitern der anderen zu hören? „Wir dachten, es kommen vielleicht so 40 Leute, und 30 davon sind unsere Freunde“, sagt Mel Schoen zur Begrüßung. „Und die zehn müssen wir bezahlen, damit sie kommen.“

Bezahlt haben die rund 160 Gäste dann aber selbst, um die von Schoen und Linda Roth organisierte FuckUp Night im Karlsruher Club „Stadtmitte“ zu erleben. Dabei erzählen verschiedene Speaker, oft aus der StartUp-Szene, auf unterhaltsame Weise von ihren größten Misserfolgen. Dem Scheitern eine Bühne geben, nennen es die Organisatorinnen.

Öffentlicher „FuckUp“ in der „Höhle der Löwen“

„Ein Kackhaufen kommt selten allein“, eröffnet Jonas Loch, Geschäftsführer einer Videoproduktionsfirma, seinen Beitrag. Er muss es wissen, denn „verkackt“, was in etwa die Übersetzung des englischen Begriffs „to fuck up“ ist, hat er schon ein paar Mal. Ein Preisvergleichsportal für Auto-Ersatzteile zum Beispiel, in das er und sein Bruder ihre gesamten Ersparnisse investierten.

Oder „Lustblume“, ein Kaufberatungsportal für Sexspielzeug. „Neue Idee: steht“, beschreibt er die Anfänge und erntet viele Lacher im Publikum. Entgegen vieler Hemmnisse schafft er es sogar bis in die TV-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, doch keiner der Promis will investieren. Seine Reaktion auf die Abfuhr im TV: „Ja, fuck!“ Trotzdem kann Loch heute gut gelaunt auf seine Erfahrungen zurückblicken. „Das Positive überwiegt. Das war besser als jedes Masterstudium“, meint er.

Einer nach dem anderen hat mir gesagt, wie scheiße ich bin

„Ich spreche jetzt immer ganz viel mit meinem Bauchgefühl“, erzählt Andrea Hanna. Als selbstständige Scrum Masterin bietet sie Coachings für Softwareentwickler-Teams an. Ihr allererstes Team ist, anders als sie selbst, so gar nicht begeistert von ihren Lehrbuchmethoden. Sie wird zum Feedbackgespräch eingeladen. „Einer nach dem anderen hat mir gesagt, wie scheiße ich bin“, erzählt sie.

Der letzte Satz des Gesprächs: „Bitte pack’ deine Sachen und geh. Jetzt sofort.“ Nur durch den Zuspruch ihres damaligen Chefs und sein Mentoring sei es ihr möglich gewesen, aus dieser schmerzhaften Erfahrung positiv für die Zukunft zu lernen und richtig gut in ihrem Job zu werden.

Wie das Einbrechen ins dünne Eis eines zugefrorenen Sees beschreibt Ben Bartolovic in eindrücklichen Worten eine Phase seines Lebens, die damit beginnt, dass er bei einem Zwischenfall in einer russischen Industrieanlage dem Tode knapp entrinnt.

Wie ein Schmetterling aus dem Kokon

Er stellt seinen Berufsweg als Ingenieur infrage, wechselt mehrmals den Arbeitgeber, irgendwann haben Freunde und Familie kein Verständnis mehr. „Ich war ganz allein“, sagt er. Und wiederholt immer wieder den Satz: „Wer siegt, bleibt dumm.“

Sein Weg zurück an die Oberfläche: Die spirituelle Einkehr und das Hören auf den eigenen Körper, der irgendwann „komplett herunterfuhr“. Wie ein Schmetterling, der aus der Isolation des Kokons heraus sein wahres Wesen entfaltet – heute arbeitet er mehrere Monate im Jahr als Programmierer, den Rest der Zeit verbringt er „mit Dingen, die ich sinnvoll finde“, etwa Ehrenamt und Reisen.

Scheitern und wieder aufstehen

Letzter Redner auf der „Stadtmitte“-Bühne ist der weit über Karlsruhe hinaus bekannte DJ und „Monk Bar“-Betreiber Shahrokh Dini. Er erzählt von seiner Liebe zur Philosophie, erwähnt seine Erlebnisse in der Iranischen Revolution, erzählt davon, wie er mit seiner preisgekrönten „Mood Lounge“ letztlich am auslaufenden Pachtvertrag scheiterte und erklärt, warum er trotzdem immer das tue, was er für richtig hält.

Alle vier Redner eint eine Erkenntnis: Sie sind dankbar für ihre Misserfolge. Shahrokh Dini drückt es philosophisch aus: „Das Leben besteht aus Scheitern und wieder Aufstehen.“