Eric Schätzlein ist nach einer langen beruflichen Sinnsuche fündig geworden. | Foto: pr

Digitaler Kopf Eric Schätzlein

Fündig nach einer langen Suche

Anzeige

Eric Schätzlein wirkt tiefenentspannt. Ganz und gar nicht wie jemand, der Spuren in der schnelllebigen IT-Landschaft hinterlassen hat. Der gebürtige Wormser nippt an einer Tasse Tee und spricht sehr unaufgeregt. Dabei hat er durchaus aufregende Zeiten hinter sich. Und eine lange Suche, die er erst vor knapp zwei Jahren beenden konnte. Begonnen hat alles noch recht unspektakulär.

„Ich habe eine klassische Computer-Nerd-Jugend hinter mir“, sagt Schätzlein im Gespräch mit den BNN. Folglich sei relativ schnell klar gewesen, dass es nur ein Informatik-Studium sein kann. „Dann hatte ich die Wahl zwischen Kaiserslautern und Karlsruhe.“ Die Fächerstadt machte vor allem deshalb das Rennen, weil sich Ende der 80er Jahre einige Karlsruher Informatiker in die Rechner der Nasa gehackt hatten. „Das fand ich ziemlich spannend, und das war ausschlaggebend für Karlsruhe“, sagt Schätzlein und lacht. „Vorher kannte ich die Stadt nur aus Staumeldungen im Radio.“

Im Studium vom Internet fasziniert

Im Studium ab 1994 war Schätzlein schließlich schnell vom Thema Internet abgelenkt und fasziniert. Als wissenschaftliche Hilfskraft beschäftigte er sich mit Domain-Registrierungen. „Die ersten Internet-Adressen wurden damals noch auf dem Bierdeckel vergeben“, erinnert sich der heute 45-Jährige zurück. Vor einem Informatik-Raum an der Uni fand Schätzlein schließlich mit einigen Gleichgesinnten zusammen – darunter der heutige Gameforge-Chef Alex Rösner sowie Achim Weiss und Volker Rauscher, die inzwischen das Geschehen bei 1&1 mitbestimmen. Ihr Beschluss: „Wir müssen irgendetwas mit Internet machen.“

Vom Bafög wurde zunächst ein Rechner angeschafft. „Das war unsere Stammeinlage.“ Den passenden Internet-Anschluss fand man in Karlsruhe bei der Firma Schlund. Dort setzte das Quartett den ersten Mail-Server und auch den ersten Web-Server auf. Es herrschte ein Geben und Nehmen zwischen den „Untermietern“ und den Hausherren von Schlund. Die vier Studenten brachten technisches Wissen ein, die Firmen-Macher verstanden etwas von Vertrieb und Marketing. Im Kern automatisierte Schätzlein in seinem „Nebenjob“ die Einrichtung von E-Mail-Adressen. Das Studium rückte dabei schnell in den Hintergrund.

Im Büro unterm Tisch geschlafen

„Das war die Zeit meines Lebens“, sagt Schätzlein rückblickend. Als das Quartett Puretec entwickelte – bis heute quasi der Web-Hosting-Bereich von 1&1 – habe man mehr oder weniger den ganzen Tag in der Firma verbracht. „Ich habe unter einem Tisch im Büro geschlafen. Und morgens riefen die ersten Kunden an. Dann habe ich den Hörer in die Hand genommen und weiter programmiert“, erzählt Schätzlein. Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben seien damals komplett verschwommen. „Familie und Kinder waren eh noch kein Thema. Das Studium haben wir alle mehr oder weniger aufgegeben.“ Die Firma sei der Dreh- und Angelpunkt gewesen.

Heute ist Schätzlein längst in einer anderen Lebenswelt angekommen. Auch weil sich mit dem Wachstum von Schlund, Puretec und Co, die letztlich alle in 1&1 aufgingen, vieles geändert hatte. „Deswegen bin ich 2005 auch komplett ausgestiegen“, sagt Schätzlein. Er sei vom Typ her niemand für Konzern-Strukturen. „Mir liegt es eher, Dinge umzusetzen, schnell zu sein und frei entscheiden zu können.“ Im Prinzip begann an dieser Stelle Schätzleins Suche. Er machte dies, das und jenes – natürlich alles in der IT-Szene. Eine echte, neue berufliche Heimat fand er jedoch erst vor Kurzem: bei exgenio. „Das ist meine zweite Liebe nach Schlund.“

Suche nach Gemeinschaft

Schätzlein wollte in erster Linie wieder eine Gemeinschaft finden, „mit der man gemeinsam eine interessante Idee verfolgt“. Kathrin Rauscher holte ihn bei exgenio ins Team. Das Unternehmen bietet Online-Trainings an – E-Learning lautet das Zauberwort. Von Schulungen zur passenden Vertriebsstrategie bis zum viel zitierten Teambuilding wird vieles angeboten. „Als ich verstanden hatte, worum es dabei geht, war ich sofort fasziniert“, sagt Schätzlein. Den Machern des Start-ups gehe es darum, ganzheitliche Weiterbildung anzubieten. „Es bringt nichts, im Beruf erfolgreich zu sein, wenn einem die Ehefrau wegrennt oder man am Ende des Tages einen Herzinfarkt hat“, beschreibt Schätzlein die Philosophie von exgenio.

Er selbst habe in seinem Berufsleben schon viele Seminare absolviert. Von vielen sei er auch sehr fasziniert gewesen. „Allerdings habe ich immer festgestellt, dass wenig davon übrig bleibt, wenn der nächste Arbeitstag kommt.“ Genau das will exgenio ändern. „Unsere Mission ist es, Leuten zu vermitteln, dass man Nachhaltigkeit am besten mit digitalen Strategien begleiten kann.“

Balance mit Yoga und Boxen

Abseits seiner neuen Aufgabe geht es Schätzlein hingegen nahezu ausschließlich analog an. Und das sogar an drei Tagen pro Woche. Denn im Gegensatz zur Schlund-Zeit lassen sich Beruf und Privatleben im jetzigen Lebensabschnitt nicht mehr ohne Weiteres vermengen. Durch die 80-Prozent-Stelle bleibt mehr Zeit für die Familie. Der 45-Jährige hat zwei Kinder, für die er sich auch schon eine zweijährige Berufs-Auszeit genommen hatte. Zudem hält er die Balance mit Yoga und Boxen – Kontrastprogramm als Kontrast zur Arbeit.

Ganz ohne Digitales geht es jedoch auch in der Freizeit nicht: „Mein Hobby ist Retro-Gaming, das kommt aber leider etwas zu kurz.“ Schätzlein ist Mitglied im Verein Retro Games. Dieser sammelt, restauriert und stellt alte Videospiele in Karlsruhe aus. Auch das ist eine Idee aus der Schlund-Zeit. Ein Stück alte Liebe, während Schätzlein die neue längst gefunden hat.