Baustelle 2017 auf dem Marktplatz
DIE ZEIT DER KRÄNE läuft ab. In den ersten drei Monaten des Neuen Jahres wird die U-Strab-Baustelle auf dem Marktplatz abgeräumt. Dann können die Karlsruher immerhin neun Monate lang unbehindert um die Pyramide spazieren. Anschließend wird der Marktplatz wieder bis auf wenige Durchlässe komplett gesperrt, um nach 2019 im Glanze neuer Platten Weinbrenners Stadtbaugeist zu atmen. | Foto: jodo

Die U-Strab-Bauer ziehen bis Ostern ab

Für den Marktplatz Karlsruhe wird 2018 das Jahr ohne Baustelle

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Karlsruhe bekommt 2018 seinen alten Marktplatz wieder. Fünf Jahre war die gute Stube der Fächerstadt eine einzige Baustelle für ihre U-Strab-Station.

Doch auch dieses lang ersehnte Comeback der Stadtkernzelle, wo kurz nach 1715 mit der Konkordienkirche und dem ersten Rathaus die bald 303-jährige Geschichte der Brigantenstadt begann, gilt nur mit drei Einschränkungen: Erstens geben die Bauarbeiter erst zu Ostern die mehr oder minder komplette Oberfläche um die Pyramide frei.

Die letzten Kräne verschwinden

Solange laufen noch die Rohbauarbeiten an der Untergrundstation. Folglich drehen sich wohl noch ein paar Wochen zwei Kräne zwischen Rathaus und „Schöpf“.

Provisorium aus Asphalt

Zweiter Wermutstropfen, aber nur für Nostalgiker: Es kommen nicht das alte Pflaster und die historischen Rosetten zurück, sondern das Provisorium wird in Asphalt gegossen.

Vor Platten-Zukunft   kommt 2019 das Umbaujahr

Doch nun das dritte Manko: Es ist der Preis für die vielleicht grandiose Zukunft einer per Kombilösung verwandelten Innenstadt, die auf dem Marktplatz vielleicht „schon“ 2020 anbrechen kann. So wenigstens hat es die Stadtpolitik sich vorgenommen. Und das bedeutet: Kaum wird 2018 mit rund neun Monaten Marktplatz Karlsruhe ohne Baumaschinen abgelaufen sein, da wird die gute Stube 2019 gleich wieder bis auf enge Durchgänge gesperrt.

Denn in einem Jahr beginnen die Arbeiten für eine Oberfläche des Marktplatzes mit einem grundlegend anderen Aussehen, große Granitplatten und kleinteilige Pflasterzierbänder um die renovierte Pyramide und den wiederaufgebauten Ludwigsbrunnen – so jedenfalls schwebt es dem Tiefbauamt vor.

 

Marktplatz ab 2020
DIESER BLICK IN DIE ZUKUNFT ist schon fast acht Jahre alt und wird in rund zwei Jahren Wirklichkeit sein. Der Marktplatz wird zur Steinplattenfläche. Lediglich ein Wasserspielfeld mit 31 Düsen ist hinzugekommen. Es soll erhitzte Gemüter abkühlen. Imagination: Mettler | Foto: Mettler

Geht dieser Plan auf, dann kann die badische Sonne im Sommer 2020 auf einen veränderten Marktplatz scheinen – also noch bevor in der Tiefe die U-Strab rollt. Vielen Bürgern erscheint auch angesichts des Klimawandels die Steinwüste einer neoklassizistischen Piazza à la Weinbrenner zwischen den Säulen des Rathauses und der Stadtkirche längst nicht mehr attraktiv.

Wasser für die  schwitzenden Bürger

Darauf hat die Stadtpolitik reagiert. Ohne das denkmalgeschützte Erbe des Stadtbaumeisters Friedrich Weinbrenner zu verwässern, will man das erhitzte Stadtklima mildern. Wenn das neue Konzept umsetzbar ist, dann kühlen Wasserstrahlen aus Düsen in den Marktplatzplatten die erhitzten Gemüter ab.

Am Grundsätzlichen des Wettbewerbsbeschlusses zur „Neugestaltung der Kaiserstraße und der Karl-Friedrich-Straße“ aber wird auch mit dem jüngsten Beschluss des Gemeinderats nichts mehr geändert. Seit fast acht Jahren steht die Sache fest: Das renommierte Büro Mettler Landschaftsarchitekten aus Gossau in der Schweiz und Berlin hat um Ostern 2010 die Konkurrenz um das Zukunftsstyling der City gewonnen.

45 Millionen für die Oberfläche

45 Millionen Euro brutto muss die Stadt laut eigener Angabe in diese Aufwertung nach dem Herausreißen der Straßenbahnschienen stecken.

Auf eigene Rechnung

Diese Stadtverschönerung geht fast ganz allein auf Rechnung von Karlsruhe. Bund und Land tragen „nur“ zusammen 80 Prozent von den förderfähigen Kosten der momentan mit 1,1 Milliarden Euro bezifferten Kombilösung. Für die Kombi aus U-Strab und Autotunnel Kriegsstraße hat der Konzern Stadt nach heutigem Stand wohl über 400 Millionen Euro aufzubringen.

Der gesamte Stadtumbau durch die Kombi plus Umgestaltung der Kaiserstraße sowie des Marktplatzes belastet den Konzern Stadt also insgesamt mit fast einer halben Milliarde Euro. Dabei ist die Neugestaltung des Durlacher Tors nicht berücksichtigt.

Sieben Millionen für den Marktplatz

Die Pflege des feinen Stadtbelags gegenüber dem herkömmlich Karlsruher Pflaster soll später jedes Jahr 100 000 Euro mehr kosten. Mit dem Marktplatz geht es los. „Um die sieben Millionen Euro werden dort investiert“, sagt Baubürgermeister Michael Obert.

Vollständige Rückkehr des Christkindlesmarkts 2020?

Möglicherweise reicht ein Jahr für das Verlegen von Stromkabeln und Wasserleitungen. Dass indes bereits 2019 der Christkindlesmarkt zurückkommen kann, will Obert nicht garantieren, spätestens dann eben 2021. Jedenfalls kann sich die „Lichterweihnacht“, der Marktplatz-Abzweig der Budenstadt Friedrichsplatz, im baustellenlosen Jahr 2018 um die Pyramide breitmachen.

Auch für den Europaplatz und das Durlacher Tor – wo es auch in der U-Strab-Zukunft oberirdischen Straßenbahnverkehr gibt, die Gleise also nicht frühestens 2021 herausgerissen werden – kann die Aufbereitung der Oberfläche vielleicht 2020 laufen.

 31 Düsen  nahe der Pyramide

Nach dem jüngsten Doppelbeschluss der Stadtpolitik für die großen Granitplatten und Pflasterzierbänder ohne „tiefgraue Steine“ in der Fußgängerzone sowie für 31 Düsen auf dem 100 Quadratmeter großen Wasserspielfeld nördlich der Pyramide fehle nur dafür noch die Abstimmung mit dem Denkmalschutz, erklärt Obert. Die Wasserspiele sollen laut Rathaus 260 000 Euro kosten, ihr Betrieb jährlich 45 000 Euro.