Genügend Plätze in der Straßenbahn, wenn es auf der Straßen-Rheinbrücke wegen der Sanierungsarbeiten zu noch mehr Staus kommen kann? | Foto: Donecker

Rheinbrücke Karlsruhe

Für die Pendler wird es bald ernst

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Langsam wird es ernst. Mit dem Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg Ende Juli beginnen die 14-monatigen Sanierungsarbeiten der Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth – und auch die 500 Mitarbeiter des Städtischen Klinikums Karlsruhe, die aus der Pfalz täglich über den Fluss fahren, richten sich gedanklich auf Probleme bei der Fahrt zur Arbeit und nach Hause ein.

500 Pfalz-Mitarbeiter im Klinikum

Das Städtische Klinikum setzt sich unter Federführung seiner Personalabteilung intensiv in Abstimmung mit den Mitarbeitenden, den Führungskräften sowie dem Betriebsrat mit den potenziellen Auswirkungen der Sanierung der Rheinbrücke auseinander, heißt es auf BNN-Anfrage. Darüber hinaus steht das Klinikum zu diesem Thema in Kontakt mit der Stadt und dem Regierungspräsidium.

Rücksicht bei Schichteinteilung

Um die Situation für die Mitarbeiter angesichts mehrerer angekündigter Wochenend-Vollsperrungen abzufedern, hat das Klinikum schon Vorkehrungen getroffen. So werde für die Mitarbeitenden, die aus Rheinland-Pfalz kommen und in Gleitzeit arbeiten, für den Sanierungszeitraum die Anpassung der Gleitzeitregelung geplant. Beschäftigte, die im Schichtdienst arbeiten, sollen vorrangig in für sie günstige Schichten eingeteilt beziehungsweise an Wochenenden, an denen die Brücke gesperrt wird, frei bekommen. Bezüglich der Nutzung des ÖPNV und der Schaffung weiterer Alternativen gebe es diverse Vorschläge, die noch mit den zuständigen externen Ansprechpartnern thematisiert würden.

Beeinträchtigungen

Auf der anderen Seite des Flusses rechnet man im Daimler-Werk für Lastwagen in Wörth und für die Werke Rastatt und Kuppenheim „im Rahmen der erforderlichen Sanierungsarbeiten an der bestehenden Brücke mit Beeinträchtigungen für unsere Mitarbeiter auf ihrem täglichen Arbeitsweg über den Rhein“. Um die Auswirkungen – auch mit Blick auf Lieferanten – so gering wie möglich zu halten, sei man in engem Austausch mit Politikvertretern und den zuständigen Behörden wie etwa dem „Projektbegleitkreis Rheinbrücke“. Man sei aber zuversichtlich, „dass wir weiter wie geplant unsere Fahrzeuge in Rastatt und Wörth produzieren“, heißt es auf eine BNN-Anfrage hin.

Nicht bedarfsgerecht

Diese Zuversicht teilt man beim „Verkehrsforum Südpfalz“ mit Blick auf das angekündigte Entlastungspaket im Schienenpersonennahverkehr nicht. Dieses sei „nicht bedarfsgerecht“. So moniert das Forum, dass die angekündigten 2 700 zusätzlichen Sitzplätze im Tagesverlauf sehr ungleich verteilt seien und lediglich 720 davon in der absoluten Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 8.30 Uhr auf den Strecken Landau – Wörth – Karlsruhe und Germersheim – Karlsruhe zur Verfügung stünden.

P&R-Plätze

Für die auf der Strecke Landau – Karlsruhe im morgendlichen Berufsverkehr zusätzlich eingebrachten 420 Sitzplätze fehlten die entsprechenden P&R-Plätze an der Strecke, beklagt das Forum. Demgegenüber stünden zwischen Germersheim und Wörth etwa 1 000 freie Plätze zur Verfügung, die aber nur teilweise genutzt werden könnten, da lediglich eine bescheidene Sitzplatzerweiterung im morgendlichen Berufsverkehr von 300 Plätzen zugestanden werde. Vom Verkehrsforum wurde daraufhin als weitere Frühverbindung eine Rhein-Neckar-S-Bahn, Germersheim ab 6.10 Uhr, gefordert, was seitens der Bahn machbar gewesen wäre. Diese soll es aber nicht geben. Stattdessen wurde ein alter Dieseltriebwagen in Aussicht gestellt. Jedoch nur als Reserve- beziehungsweise „Jokerzug“, da er nur dann zum Einsatz kommen soll, wenn Bedarf festgestellt wird.

Ausgelastete Bahnen

Das Verkehrsforum betrachtet diese Ankündigung als unzulänglich, zumal der S-Bahn-Zug dringend gebraucht werde. Schon jetzt seien die morgendlichen Stadtbahnwagen so gut ausgelastet, so dass es ab Rheinzabern meist keine freien Sitzplätze mehr gebe.

Entlastung?

Bei den Zahlen sei zu beachten, dass das Entlastungspaket nur eine einzige zusätzliche längere Zugverbindung zu den Knoten Landau und Germersheim enthalte. Dies sei bedauerlich, da die Chance vertan wurde, durch weitere Züge zwischen Germersheim – Wörth – Karlsruhe dieser Strecke den Stellenwert einzuräumen, der ihr aufgrund der hohen Bevölkerungs- und Industriedichte zustehen müsste. Ein ähnliches Zugangebot wie zwischen Landau und Wörth würde weitere 2 000 Menschen auf die Bahn bringen, was eine echte Entlastung der Rheinbrücke wäre.