Zum Protestzug starteten Eltern, Kinder und Erzieher am Gottesauer Platz. Ihre Forderung: Der KVV soll wieder Krippenwagen befördern. | Foto: jodo

Bunter Protest in Karlsruhe

Für Krippenwagen in Bahnen und Bussen

Ein Traktor aus der Wagenburg Karlsruhe blubbert voran, biegt im Schatten der Lutherkirche am Gottesauer Platz in die Durlacher Allee ein und nimmt Kurs auf den Alten Schlachthof. So startet die Demonstration, die der Gesamtelternbeirat Karlsruher Kindertageseinrichtungen (GKK) für die Mitnahme von Krippenwagen in den Bahnen und Bussen in und um Karlsruhe organisiert hat. Dem luftballongeschmückten Anhänger folgt ein fröhlich-bunter Schwarm. Über 100 Mütter und Väter, Erzieherinnen, Erzieher und selbstständige Tagesmütter sind gekommen, mehr als 125 Kinder haben sie mitgebracht.

Wir wollen mobil bleiben

Die meisten Teilnehmer schieben einen Kinderwagen oder ein Fahrrad mit Anhänger, andere lotsen Vorschulkinder durch den gemächlich zockelnden Protestzug. „Wir wollen mobil bleiben“, steht auf einem Schild, auf einer anderen Tafel, geschmückt mit farbigen Handabdrücken von Krabbelkindern, ist zu lesen: „Wir demonstrieren auf allen Vieren“.

Heftige Kritik am Mitfahrverbot

Dass der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) seit Mitte März in Bahnen und Bussen keine Krippenwagen mehr befördert, hat viel und teils heftige Kritik ausgelöst und dazu geführt, dass sich KVV-Geschäftsführer Alexander Pischon mit dem GKK sowie dem Leiter des Kinderbüros der Stadt Karlsruhe, Jonas Nees, traf.

Gemeinsame Ausflüge fallen zurzeit aus

Kevin Levermann, angehender Erzieher in der Kita Räuberkiste, schiebt einen von fünf Krippenwagen im Demonstrationszug. Seit die Beförderung per Bahn weggefallen ist, „sitzen die Kleinen eigentlich nur noch in der Einrichtung herum“, sagt seine Kollegin.

Moderne Krippenwagen bieten sechs und mehr Kleinkindern Platz. | Foto: jodo

Die Kindheitspädagogin hofft, dass die gemeinsamen Ausflüge auch für die Kinder wieder ins Programm rutschen, die noch nicht alleine laufen können. Zum Beispiel der wöchentliche Ausflug in die Bibliothek in der Waldstadt und besonders die Waldwoche, die zweimal für dieses Jahr angesetzt war.

Suche nach Kompromiss geht weiter

Ob es so kommt, steht derzeit in den Sternen. Die Suche nach einem Kompromiss geht jedenfalls weiter, teilt die KVV-Sprecherin Sarah Fricke auf BNN-Anfrage mit. Der Verkehrsverbund hole weitere Informationen bei Experten ein. Bei einem Ortstermin in der Wagenhalle loteten zudem Elternvertreter und KVV-Verantwortliche aus, welche Wagentypen sichere Transportkapazitäten bieten könnten.

Es gibt zwei Knackpunkte

Knackpunkte sind die Kippsicherheit und die Frage, ob Krippenwagen Fluchtwege blockieren. Der TÜV habe das Problem bestätigt. „Wir sind weiter im Gespräch, die Demo liegt im Ablauf zwischendrin“, sagt Fricke.

Es geht auch um Rücksichtnahme

Aus der Kita Wirbelwind in der Waldstadt kennt GKK-Vorstandsmitglied Sibylla Antal die Bedeutung von Krippenwagen für Gruppenausflüge. Die KVV-Einwände überzeugen sie nicht. „Für Fahrräder gelten doch dieselben Argumente“, sagt sie. Ich finde, es geht auch um Rücksichtnahme.“

Kult-Fraktion kritisiert KVV-Entscheidung

Kult-Stadtrat Lüppo Cramer beobachtet die Eltern-Kind-Demo bis zur Schlusskundgebung im Alten Schlachthof auf dem Platz vor dem Musikclub Substage. „Der Gemeinderat macht seit Jahren kinderfreundliche Politik. Wir können nicht nachvollziehen, dass eine städtische Gesellschaft mit einem nirgends vorbesprochenen Beschluss diese Anstrengungen konterkariert.“

Vorschlag: Mitnahme nur in geeigneten Bahnen zu unproblematischen Zeiten

Durch den rasanten Ausbau der Kitas und der Betreuungsplätze für unter Dreijährige ist die Zahl der Krippenwagen zwar stark gestiegen. Dennoch müsse sich ein Kompromiss finden, so Cramer – Mitnahme nur in Zeiten ohne großen Andrang etwa und nur in dafür geeigneten Bahnen.