LÄNGST IST SIE WELTBERÜHMT: Von außen kennen Millionen Menschen die Hamburger Elbphilharmonie. Nur wenige wissen aber, dass das Eingangsfoyer mit Eichenfurnier des Unternehmens Schorn & Groh ausgestattet ist . Das Karlsruher Unternehmen ist in seiner Branche weltweit bekannt. | Foto: dpa

Schorn & Groh Karlsruhe

Furnier – das dünnste Massivholz der Welt

Der Schatz lagert in unscheinbaren Lagerhallen in einem Karlsruher Industriegebiet und kommt aus der weiten Welt. Sechs Millionen Quadratmeter Furniere, 140 verschiedene Holzarten, hat der Familienbetrieb Schorn & Groh GmbH hier vor Tageslicht geschützt auf Paletten liegen – „und dafür keinen einzigen Auftrag“. Firmenchef Axel Groh schätzt den Marktwert der edlen Hölzer auf 25 Millionen Euro. „Das gibt es sonst in dieser Qualität nirgends in Europa.“

Was außer Insidern auch keiner weiß: Hier, nach Karlsruhe-Hagsfeld, entsenden Weltfirmen ihre Einkäufer: Apple-Leute reisen mehrmals im Jahr aus Kalifornien an, weil sie Eichen-Furnier für ihre Verkaufstresen brauchen. Steinways & Sons stellt auf Kundenwunsch Pianos mit Oberflächen her, die garantiert einmalig sind. „Dafür muss der Kunde dann aber Furnier von einem kompletten Baum kaufen“, sagt der Diplom-Forstwirt, der kürzlich noch in Panama war und demnächst in Sachen Holz zur neu erworbenen Plantage nach Finnland jettet.

EIN LEBEN FÜR FURNIERE: Diplom-Forstwirt Axel Groh führt auch den Branchen-Fachverband IFN an. | Foto: Fabry

Furniere aus dem Hause Schorn & Groh finden sich nach Angaben des Firmenchefs im Eingangsfoyer der Elbphilharmonie, im Spielcasino Monaco, im Airport von Dubai, in Fahrzeugen von ziemlich vielen Autobauern („Da sind wir deutscher Marktführer“) – übrigens auch in Bentley- und Rolls-Royce-Nobelkarossen. „Und Brad Pitt kauft sich einen Tisch bei einem unserer Kunden in New York, so muss man sich das vorstellen“, sagt Groh.

Wenn wir schon beim Thema Luxus und Prestige sind: Das Interior des Fahrstuhls der Eclipse von Roman Abramowitsch – zweitlängste Privatjacht der Welt – ist laut Groh mit Ostindisch Palisander der Karlsruher ausgekleidet. Er zeigt auch ein Frisierzimmer einer weiteren Jacht, der Elysian. Und ein weiterer russischer Oligarch ließ den größten Privathubschrauber mit Nussbaumfurnier aus dem Kaukasus ausstatten.
Wie bereits 2016 habe Schorn & Groh mit seinen vier Standorten 16 Millionen Euro erlöst. 25 Prozent davon kommen aus dem Automobilsegment. Ähnlich hoch sei der Anteil, den Schreinereien, Innenausbaubetriebe und Ladenbauer beisteuern. Die Exportquote beziffert Groh mit rund 60 Prozent. Die Geschäfte liefen mittlerweile wieder gut, so der Unternehmer.

EDEL AM STEUER: Bentley gehört zu den Top-Partnern der Schorn & Groh GmbH. | Foto: Bentley

Schorn & Groh hat auch Kunden wie Ikea, wird aber immer stärker im Premiumsegment. Da werden von den sieben Messereien, mit denen die Karlsruher weltweit zusammen arbeiten, auch Wurzelhölzer verarbeitet, die Groh und seine Mitarbeiter zuvor bei Vor-Ort-Terminen ausgesucht haben. „Manche Dinge kann man nicht beschaffen, manche will man nicht beschaffen. Alles, was legal ist, haben wir“, beteuert er.

Wer bei Schorn & Groh Spezialitäten bestellt und beispielsweise für eine edle Schrankoberfläche verarbeiten lässt, kann oft gleich eine passende Geschichte erzählen. Beispiel Venedig-Eiche. Die Gondolieri legen über viele Jahre an Eichenstämmen an, die im Wasser stehen. Irgendwann haben sie so von den Muscheln so viele Löcher, dass sie verkauft werden – zum Beispiel an Groh. Unkonventionell sieht das Furnier aus.
Gerade einmal 0,52 Millimeter ist das Standardmaß. „Furnier ist das dünnste Massivholz der Welt“, betont Groh voller Stolz. Massivholzplatten, wie man sie als Massenprodukt in Einrichtungshäusern kaufen kann, seien in der Regel aus Stäben zusammen gesetzt. Sonst wären sie gar nicht wirtschaftlich zu produzieren.

Furniere sind Grohs Leben

Furniere sind Grohs Leben. Stundenlang kann er darüber dozieren. Auch um das Premium-Segment zu stärken, hat er eine Tochterfirma gegründet. Die gibt Innenarchitekten Anregungen und sorgt dafür, dass die Ideen umgesetzt werden. Furniere lassen sich beispielsweise auf Vlies aufziehen und sind so extrem verformbar. Und effektvoll von LED-Licht hinterleuchtet, ist das dünne Holz ein kurioser Hingucker.
75 Mitarbeiter beschäftigt das Karlsruher Unternehmen, das 1961 gegründet wurde. Besonders gut liefen die Geschäfte in Europa, in den USA, aber auch in Indien. Gefragt sei zum überwiegenden Teil Eichenfurnier in verschiedensten Ausführungen. Die Konkurrenz ist überschaubar: Groh nennt in Deutschland fünf Messerwerke und 15 reine Furnier-Händler.

FRISIERSTUBE der Luxusjacht Elysian mit Furnier aus Karlsruhe. | Foto: David Churchill

Der Herr der Hölzer ist immer noch in seinem Lager – den Geruch, der dort jedem Besucher sofort angenehm in die Nase steigt, nimmt er gar nicht mehr wahr. Groh läuft an Paletten mit Furnieren von Bäumen wie Zeder, Zitrone, Zypresse, Zwetschge, Zebrano oder Ziricote vorbei, die mit dünnen Folien abgedeckt sind. Verramscht wird hier nichts. „Hier gibt es noch Furnier von zwei Bäumen, die mein Vater gekauft hat“, verdeutlicht Groh. Bei etlichen Bäumen weiß er, wo sie einst standen. Der Unternehmer freut sich aber, wenn Konzerne aus aller Welt wieder ihre Einkäufer in die von außen unscheinbar wirkenden Karlsruher Lagerhallen entsenden – um Schmückendes zu besorgen.

 

Mehr über das Thema Furniere lesen Sie auf der Sonderseite der Badischen Neuesten Nachrichten vom 31.03.2018