Er agiert gern mal als Schattenmann, um ganz allein geheime neue Projekte für die Fußballwelt auf den Weg zu bringen: Fifa-Präsident Gianni Infantino, der gerade wiedergewählt wurde. Auch in Europa basteln Klubbosse am kommerziell perfekten Fußball der Zukunft. | Foto: AFP

Was Infantino und Co planen

Fußball der Zukunft: Großartig gespalten

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Für Donald Trump ist alles großartig, was er selbst macht oder machen wird und sind alle großartig, die ihm unterwürfig oder zähneknirschend die Aufwartung machen. Gianni Infantino, der Präsident des Welt-Fußballverbandes Fifa, weiß schon, dass Katar 2022 ein „großartiges Erbe“ mit der Fußball-WM hinterlassen wird. (Von dem die gestorbenen und ausgebeuteten asiatischen Stadionarbeiter nichts mehr haben.)

48 teilnehmende Mannschaften bei der nächsten WM hätte der gerade wiedergewählte Schweizer „großartig gefunden“. Aber „wenn es nicht klappt, ist es mit 32 auch großartig“.

Der Fifa-Präsident findet alles großartig

Selbstverständlich erwähnt Infantino jetzt noch den „großartigen Test“ für Katar, wenn dort die Club-WM 2020 und 2021 stattfindet. Großartig für korrupte Fifa-Funktionäre ist es, dass eine kürzere Verjährungsfrist ins Ethik-Reglement des Verbandes geschmuggelt wurde. Also einfach zehn Jahre lang nicht auffliegen, dann bleibt der Reibach erhalten.

Die europäische Superliga

Hinterzimmer-Deals und Unsinns-Sprech vereint Infantino aufs Feinste. Er möchte, dass 50 Nationen die WM gewinnen können, obwohl künftig „nur“ 48 daran teilnehmen. Und er beglückt die Welt noch durch eine Club-WM mit 24 Teilnehmern. Dafür gab es halbherzigen Widerstand aus Europa. Die Krösus-Clubs dort basteln selbst eifrig an Aufblähungen, die als Reformen verkauft werden. Die Champions League soll bald aus 24 Mannschaften bestehen, die immer dabei sein dürfen. Gnädig aufgefüllt würde die Superliga mit vier „Aufsteigern“ aus der Euro-League und vier armen Qualifikanten aus 50 nationalen Ligen.

Nationale Ligen abgehängt

Der gute Rudi Völler findet das „furchtbar und tödlich“. Er wird sich damit abfinden müssen, dass sich einiges ändert. Geschickt haben die Initiatoren um Juve-Boss Andrea Agnelli Wochenendspiele der Superliga mit vier Achtergruppen ins Spiel gebracht. Wenn die Wochenenden dann doch teilweise europafrei bleiben, hat man ja ein großartiges Zugeständnis an die Abgehängten gemacht. Die Abkopplung jener europäischer Liga mit tollem Kick der Stars von den heimischen Ligen ist ziemlich wahrscheinlich. Geld bestimmt die Regeln.

Daumen hoch für den globalen, finanziell optimierten Fußball: Gianni Infantino | Foto: AFP

Finanziell das Paradies, aber was macht der Rest ?

Infantinos Fußball der Zukunft bringt WM-Vorrunden in 16 Dreiergruppen, die zur Wettbewerbsverzerrung einladen. Hinzu kommt ein packendes Spiel des FC Bayern um Platz fünf der Champions-League-Vorrunde gegen den AC Mailand. Aber finanziell ist das für alle bestimmt großartig, oder? Und der kleine Rest geht zum KSC gegen Freiburg oder Lautern in der beliebten zweitklassigen Bundesliga.