Fahrradstraße
Unterwegs in Karlsruhe sind die Menschen zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem Auto. Unzufrieden werden sie besonders dann, wenn der Platz knapp ist wie hier an der Kreuzung von Erbprinzenstraße und Herrenstraße. Karlsruhes Verkehrsplaner kündigen an, künftig auch die Interessen von Fußgängern gezielt zu berücksichtigen. | Foto: jodo

Stadt strebt neue Wege an

Fußgänger und Radfahrer in Karlsruhe werden nach ihren Wünschen gefragt

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Was müsste in der Stadt anders werden, damit man mehr Wege mit dem Rad oder zu Fuß zurücklegt? Das ist die Kernfrage eines Stadtbauforums mit dem Titel „Neue Wege zu Fuß und Rad“ am Donnerstag, 5. März 2020. Stichworte sind das Wegenetz, Fahrradparken, Orientierung, Service und Aufenthaltsqualität.

Flächendeckend will Karlsruhe in diesem Jahr seine Fuß- und Radverkehrspolitik neu justieren. Ein Konzept wird erarbeitet. Interessierte Karlsruher können daran mitarbeiten.

Was die Menschen in Karlsruhe von der Fuß- und Radverkehrspolitik der Stadt erwarten, fragen die Verkehrsplaner unter Leitung des Karlsruher Baubürgermeisters Daniel Fluhrer. Zunächst wird der Ist-Zustand vorgestellt. An Thementischen bringen anschließend Bürger ihre Vorschläge vor.

Über das Konzept entscheidet der Gemeinderat voraussichtlich im Herbst. Karlsruhe ist in dieser Hinsicht kein Vorreiter. Heilbronn etwa hat seit 2012 ein Konzept für besseren Fußverkehr.


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Längst sind nicht nur Kinder, Jugendliche und ältere Menschen zu Fuß unterwegs. Eine patente Durlacherin ist ein Beispiel dafür. Meist ist sie zu Fuß unterwegs. Die Oma zweier Enkel im Teenageralter kauft häufig ohne Auto im einwohnerstärksten Stadtteil Karlsruhes ein, trägt ihre Briefe zur Post, schaut bei Mietern vorbei, wenn zum Beispiel ein Fenster klemmt.

Sie benutzt gern den autofreien Fuß- und Radweg an der Pfinz und freut sich, in der Fußgängerzone inzwischen häufiger Polizisten zu beobachten, die Radfahrer am verbotenen Durchfahren hindern.

Zum Thema: Deutscher Fahrradpreis für Parkstation in Karlsruhe 

Die eigenen Füße: das wichtigste Verkehrsmittel nach dem Auto

Studien zufolge werden in manchen Städten rund 30 Prozent der Wege zu Fuß zurückgelegt. Dort sind die eigenen Füße nach dem Auto das zweitwichtigste Verkehrsmittel. Auch mit Blick auf Klimaerwärmung, Lärm, Nahversorgung, Lebensqualität in der Großstadt, Gesundheit, eine älter werdende Gesellschaft und soziale Teilhabe wird gefordert, Fußgänger stärker zu berücksichtigen.

Die größte Bedeutung hat das in den Stadtteilen. Dort sind die Menschen flexibel, umweltschonend und oft auch am schnellsten zu Fuß unterwegs. Auch der lokale Einzelhandel setzt auf Kunden, die in Fußweg-Entfernung wohnen oder arbeiten.

Mehr zum Thema: Karlsruhe war auch 2019 die freundlichste Stadt für Radler

Überholtes Programm zur Förderung des Radverkehrs

Überholt von der Entwicklung ist zudem Karlsruhes 15 Jahre altes Programm zur Förderung des Radverkehrs. Die ungebremste Zunahme der Pedelecs bewirkt, dass manche Radler nun sehr schnell fahren. Radwege und Fahrstreifen müssen also breit genug sein zum Überholen, aber auch für Lastenräder oder Kinderanhänger.

Bahnhof Durlach
Am Bahnhof Durlach soll der verfügbare Platz neu geordnet werden. Ein angestrebter Effekt ist, attraktivere Wege für diejenigen zu gestalten, die ohne Auto unterwegs sind. | Foto: jodo

Noch ein dritter Anlass bewirkt, dass sich Bürger an der städtebaulichen Entwicklung beteiligen können. Am Ortseingang von Durlach will Karlsruhe eine große Fläche aufwerten. Ein Schwerpunkt ist der Platz vor dem Durlacher Bahnhof einschließlich der Grünanlage nördlich der Straßenbahnhaltestelle Auer Straße.

Bürger können am Freitag, 6. März 2020, an einem Rundgang plus Workshop zur Vorbereitung der städtebaulichen Sanierung teilnehmen.

An der Herrenalber Straße in Rüppurr sehen Fußgänger, was ihnen eine „autogerechte Stadt“ zumutet, zum Beispiel Brücken, Treppen und Rampen an Haltestellen der Stadtbahn. Eine Umgestaltung hat ebenerdige Wege ergänzt.

Wo die Rastatter Straße auf den Haltepunkt „Tulpenstraße“ trifft, bittet jedoch unverändert ein Schild Passanten, die Straßenseite zu wechseln. Fußgänger müssen dann an zwei Ampeln Grün abwarten, bis sie die Haltestelle erreichen. Die nächste Bahn kann man so durchaus verpassen.

Termine
Das Stadtbauforum „Neue Wege zu Fuß und Rad“ am Donnerstag, 5. März, beginnt um 20 Uhr im Haus der Industrie- und Handelskammer (IHK) Karlsruhe am Friedrichsplatz, Lammstraße 13-17.
In Durlach gibt es am Freitag, 6. März, einen Spaziergang mit Planern. Start ist um 16 Uhr am Dr. Willmar-Schwabe-Platz. Ein Bürgerworkshop folgt von 17.30 bis 19.30 Uhr im Rathaus Durlach.