Rochen Flecki schwimmt ins Haibecken
Der giftige Blaupunktrochen Flecki ist ins Haibecken im Naturkundemuseum Karlsruhe eingezogen. Chefaquarianer Hannes Kirchhauser im Taucheranzug setzte ihn vorsichtig auf den Sandboden. | Foto: jodo

Giftige Rochen am Korallenriff

Gefährlicher Neuling im Karlsruher Haibecken

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Blubbernde Blasen verraten den noch versteckten Taucher. Kinder vor der Panoramascheibe des Haibeckens im Naturkundemuseum Karlsruhe deuten aufgeregt auf die silbrige Wolke, die Hannes Kirchhauser hinter dem übermannsgroßen Kunstriff aufsteigen lässt. Der Schwarzspitzen-Riffhai ist alarmiert. Wachsam patrouilliert „Karli“, Runde um Runde ziehend, durch sein Revier.

Heikle Mission im Neoprenanzug

Kirchhauser, der Chef der außergewöhnlichen Aquarien im Westflügel des Forschungsmuseums, schlüpft für eine heikle Mission in Flossen und Neoprenanzug.  Eine Wiedervereinigung steht auf dem Plan: Der junge Blaupunktrochen „Flecki“ soll ins Paradebecken der Karlsruher Aquarianer umziehen, zu seinem schon umgesiedelten Bruder.

Flecki hat eine höchst wirksame Waffe

Langsam schiebt sich Kirchhauser über ein sandiges Plätzchen direkt vor der Glasscheibe. In der Hand hält der Routinier in Sachen Fischtransport einen wassergefüllten Beutel. Darin wartet Flecki darauf, wieder frei zu kommen. Sein fast kreisrunder Bauch sieht aus wie ein schwach gebräunter Pizzaboden. Der harmlose Eindruck täuscht mächtig. Fast die Hälfte der mehr als 40 Zentimeter Körperlänge des halbwüchsigen Rochens macht sein schlanker, muskulöser Schwanz aus. Mit ihm schlägt der elegante Bewohner von Lagunen und Flachwasserzonen im Indopazifik bei Bedarf blitzschnell peitschend zu.

Stachel mit Widerhaken und Gift kann schmerzhaft treffen

Weil auf dem Schwanz ein oder zwei Stachel mit Widerhaken und Giftdrüsen sitzen, ist die Waffe höchst wirksam. Auch Menschen trifft sie, etwa bei Badeunfällen, sehr schmerzhaft, wenn auch nicht tödlich. Das Gift wirkt auf den Kreislauf.

Pfiffiger Pflegling hält klug Abstand

Alexander Mendoza hat als Mitglied des spezialisierten Karlsruher Tierpflegerteams ein Händchen für Flossenträger aller Art. Er fischte Flecki aus der „Wohngemeinschaft“ mit dem Bambushai-Weibchen „Mariechen“ im Keller des Naturkundemuseums. Das machte ihm der pfiffige Pflegling nicht leicht. Futter sollte ihn locken, doch Flecki schwamm nicht wie sonst an der Scheibe hoch, um oben schmatzend nach den Leckerbissen zu schnappen. Stattdessen hielt er klug Abstand. „Ich hatte einen durchsichtigen Kescher gewählt, aber Flecki hat ihn schon außerhalb des Wassers entdeckt“, berichtet Mendoza.

Riffhai "Karli" ist ein wachsamer Jäger.
Der Schwarzspitzen-Riffhai „Karli“ kontrolliert sein Revier und lässt den Schauplatz des Geschehens nicht aus den Augen. | Foto: jodo

Hai „Karli“ nimmt zielstrebig Kurs auf den Neuling

Endlich auf dem Sandboden des neuen Zuhauses angelangt, bringt sich der Neuankömmling flugs unter einer vorspringenden Steinschuppe in Sicherheit. Das ist bitter nötig: Hai „Karli“ nimmt schon zielstrebig Kurs auf den Schauplatz. „Der Hai wittert Schreckstoffe, die jeder Fisch in Stressmomenten ausstößt“, erklärt Kirchhauser. Der Duft verrät dem stromlinienförmigen Jäger: Hier könnte Beute zu packen sein.

 

Flecki wird in seinem Versteck jedoch nur von seinem Bruder aufgespürt. Das Wiedersehen verläuft friedlich. Die Heranwachsenden, die im März 2016 im Haus der Natur in Salzburg (hier im Internet) zur Welt kamen und seit Mitte November in Karlsruhe leben, schieben sich schließlich gemeinsam über- und nebeneinander in die Fuge zwischen Sand und Fels.

Geleitschutz für die Geschwister

Eine Weile gibt der Mensch im Haifischbecken den tellergroßen Geschwistern noch Geleitschutz, dann taucht Kirchhauser auf, um den nächsten Akt vorzubereiten. Appetitliche Ährenfische sind vorbereitet, die der Chefaquarianer den Blaupunktrochen nun mundgerecht mit einer langen Pinzette serviert. Es schmeckt ihnen bereits wieder, Stress hin oder her.

Futter für die bunte Komparserie

Hai „Karli“ ist noch satt vom Vortag, als die Tierpfleger ihm mit Bedacht reichlich Beute anboten. Alexander Mendoza verwöhnt aber noch die bunte Komparserie mit feinem Futter. Wie Schnee rieseln weiße Fetzen auf die üppig wachsenden Korallen herab und verschwinden in gierigen Mäulern. Mendoza streut die Fülle, unsichtbar fürs Publikum, drei Meter höher von einem Metallsteg auf die Wasseroberfläche.

Bunt geht es zu bei der Fütterung am Korallenriff.
Es schneit Futter – das lockt die bunte Komparserie samt handtellergroßem Palettendoktorfisch aus der Reserve. | Foto: jodo

 

Handtellergroße Palettendoktorfische, spitzmäulige Gelbe Seebader, schwarzweiß gemusterte Dreibinden-Preußenfische und ein metallisch glänzender Schwarm Füsiliere sind das prachtvolle Abschlussfeuerwerk für die geglückte Vergesellschaftung der Respekt gebietenden Südsee-Stars.

Wer Hai „Karli“, Blaupunktrochen „Flecki“ und ihre Mitbewohner im Naturkundemuseum Karlsruhe besuchen will, findet nützliche Informationen hier im Internet.

Flecki im Film
Die Landesschau widmet dem Ereignis einen Beitrag am Mittwoch, 2. August 2017, im SWR-Fernsehen (18.45 bis 19.30 Uhr), der anschließend auch in der SWR-Mediathek zu sehen ist.