Was krabbelt da? Mit Becherlupen erkunden Vorschulkinder im Naturschutzzentrum Rappenwört in Karlsruhe die Natur.
Was krabbelt da? Mit Becherlupen erkunden Vorschulkinder im Naturschutzzentrum Rappenwört in Karlsruhe die Natur. | Foto: jodo

Den Geisterbäumen auf der Spur

Im Karlsruher Naturschutzzentrum Rappenwört offenbart der Auenwald seine Geheimnisse

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Was hat es nur mit den mysteriösen Geisterbäumen im Auenwald auf sich? Die Antwort auf diese Frage und viele weitere interessante Dinge über die Natur erfahren Kinder im Karlsruher Naturschutzzentrum Rappenwört. Einmal im Monat treffen sich dort die Auen-Zwerge, um mehr über den nahezu unangetasteten und besonders schutzwürdigen Auenwald bei Karlsruhe zu lernen.

 

Was hat es nur mit diesen Bäumen auf sich? Von oben bis unten sind sie mit einem zarten, weißen Gespinst überzogen. Wie ein feines Netz spannen sich die Fäden über kaum noch vorhandene Blätter und Zweige. „Habt ihr schon mal solche Geisterbäume am Wegesrand gesehen?“, fragt Naturpädagogin Katja Hoppner. Gespenster, Geister? Damit hat sie in Sekundenbruchteilen die volle Aufmerksamkeit der gebannt vor ihr sitzenden Kinder. Der richtige Zeitpunkt, um mit dem Bilderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ die Grundlage für die darauffolgende Wanderung durch den Rheinauenwald zu legen. Heute geht keiner der Auen-Zwerge nach Hause, ohne einen Blick für die kleinen Wunder der bei Rappenwört nahezu unangetasteten Natur entwickelt zu haben.

Auen-Zwerge erkunden unangetasteten Wald

Die Auen-Zwerge, Kinder zwischen vier und sechs Jahren, treffen sich in der warmen Jahreszeit einmal im Monat im Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört, mitten im Rheinauenwald. Unangetasteter Wald, wo gibt es das heute noch? Damit gefährdete Naturräume wie dieser erhalten bleiben, wurde das Naturschutzzentrum im Jahr 1996 gegründet. Es versteht sich als Bewahrer, Vermittler und Öffentlichkeitsarbeiter, wenn es um den Erhalt der Flusslandschaften am Rhein geht. Auch beteiligt es sich auch an vielen grenzüberschreitenden Aktivitäten im Pamina-Raum. Ein kleiner Mitarbeiterstab, einige Ehrenamtliche und freie Mitarbeiter halten den Betrieb am Laufen.

Freie Mitarbeiterin ist auch Hoppner, die für das Naturschutzzentrum die Auen-Zwerge betreut und alle paar Wochen eine Kräuter-, Blüten- oder Heilpflanzenwanderung anbietet. Die Erzieherin mit den tiefen Lachfältchen und dem wippenden grauen Pferdeschwanz tut das aus Überzeugung: „Ich liebe das Ursprüngliche des Auenwaldes, und es ist mir wichtig, Kindern die Liebe zur Natur weiterzugeben“, sagt sie. Hoppner richtet den Blick gern auf die kleinen Dinge des Lebens, und so entgeht ihr nichts, was da am Wegesrand krabbelt, kreucht und fleucht.

Naturpädagogin Katja Hoppner bereitet die Auen-Zwerge mit dem Bilderbuch "Die kleine Raupe Nimmersatt" auf die folgende Wanderung vor.
Naturpädagogin Katja Hoppner bereitet die Auen-Zwerge mit dem Bilderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ auf die folgende Wanderung vor. | Foto: jodo

Boah, den Faden kann
man ja gar nicht zerreißen

„Schaut mal, hier ist ein Raupenbaum“, ruft sie ihre Schützlinge, die sofort eine kleine Traube um sie bilden. Nun wird alles genau beäugt. Wie sich die kleinen grünen Raupen in ihrem weichen Gespinstbett winden, was für einen großen Appetit sie haben und wie fest die Fäden sind, die sie spinnen. „Boah, den Faden kann
man ja gar nicht zerreißen“, sagt ein Sechsjähriger, „der ist viel fester als Spinnenfäden.“ Voll neu gewonnenem Respekt beobachtet er die winzigen Raupen, die noch einen langen Weg vor sich haben, bevor sie ihre Schmetterlingsflügel ausbreiten.

Spannende Routen für Ausflügler

Das Naturschutzzentrum Rappenwört hat, wenn man bei diesem Bild bleiben will, die Entwicklung von der Raupe zum Schmetterling längst hinter sich. Inzwischen ist es mit seinem ökologischen Bildungsangebot im Bewusstsein vieler Karlsruher fest verankert. Schulen und Kindergärten finden den Weg ins  Auenklassenzimmer, Familien besuchen die Ausstellungen im Hauptgebäude, Erwachsene nehmen an geführten Wanderungen teil. Und auch wer sich lieber selbst auf den Weg macht, wird bei Rappenwört fündig. Mit dem Walderlebnispfad, dem Mathematikpfad und der Auenwald-Rallye bietet das Naturschutzzentrum spannende Routen an. Für sie können im Hauptgebäude Infos geholt und Materialien geliehen werden.

Auch die Auen-Zwerge benötigen Material, deshalb hat Katja Hoppner immer ihren Koffer dabei, während sie mit den Kindern durch den Wald wandert. Findet jemand einen interessanten Käfer, dann ist es Zeit, den Koffer aufzumachen, und die Becherlupen herauszuholen. „Weißt du, wie man den Käfer in den Becher kriegt, ohne die Beinchen zu verletzen?“, fragt sie.

Geisterbaum kehrt zu neuem Leben zurück

Sorgsamkeit im Umgang mit der Natur und ihren kleinsten Bewohnern ist ihr ein echtes Anliegen. Das sehen ihre kleinen Begleiter am besten an Hoppners eigenem Beispiel, und keine Ermahnung ist nötig, damit sie es ihr gleichtun. Beim gemeinsamen Abschiedsvesper werden noch einige Feuerwanzen unter die Lupen genommen und auf dem Rückweg sichten die Kinder auch endlich einen richtigen Geisterbaum. „So viel Appetit hatten die kleinen Raupen“, sagt Katja Hoppner, während alle den kahl gefressenen und dicht mit Fäden umspannten Strauch bewundern. Was passiert jetzt mit dem Geisterbaum? „Keine Sorge“, sagt Hoppner, „wenn die Raupen weg sind, treibt der Strauch frisch aus.“ Dann kehrt der Geisterbaum wieder zum Leben zurück – bis zum nächsten Jahr.

Service
Naturschutzzentrum Karlsruhe-Rappenwört, Hermann-Schneider-Allee 47, Info: (07 21) 95 04 70, www.nazka.de.
Auf der Website ist das gesamte Veranstaltungsprogramm zu finden. Bis 30. September hat das Naturschutzzentrum von Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr. Von 1. Oktober bis 31. März schließt es jeweils eine Stunde früher. Der Eintritt ist kostenlos.
Anfahrt mit dem Auto oder ab dem Karlsruher Hauptbahnhof mit der Linie 2 bis zur Endhaltestelle Rappenwört. Tipp: Im Sommer bei Veranstaltungen im Freien langärmlige Shirts und lange Hosen tragen – selbst bei hohen Temperaturen. Denn in den Flussauen sind Stechmücken zuhause.