Der Rauch über Block 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks (RDK 8) erscheint in seltenen Fällen gelblich getrübt. Diese Aufnahme stammt vom 8. November 2019.
Der Rauch über Block 8 des Rheinhafen-Dampfkraftwerks (RDK 8) erscheint in seltenen Fällen gelblich getrübt. Diese Aufnahme stammt vom 8. November 2019. | Foto: Bruno Kelzer

RDK Karlsruhe

Darum färbt sich der Rauch über dem Karlsruher Dampfkraftwerk an manchen Tagen gelb

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Mitunter erscheint der Rauch über dem Schornstein des Rheinhafen-Dampfkraftwerks (RDK) in einem bedrohlichen Gelb. Der Betreiber des RDK beruhigt: Alle gesetzlichen Grenzwerte werden eingehalten. Damit die Trübung überhaupt erst sichtbar wird, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen.

Dass Schadstoffe aus den Schornsteinen von Kohlekraftwerken wie dem RDK austreten, lässt sich – trotz Rauchgasreinigung – nicht komplett vermeiden. Meist sind diese Partikel allerdings mit bloßem Auge gar nicht zu erkennen. Dann erscheint das Rauchgas über dem Rheinhafen wie reiner Wasserdampf.

Keine Grenzwerte überschritten

Manchmal bildet sich allerdings ein bedrohlich wirkender gelblicher Kranz an der Rauchfahne. Grenzwerte werden dabei aber keine überschritten, versichert die EnBW, die das Steinkohlekraftwerk in Karlsruhe betreibt. Im Gegenteil: „Die Grenzwerte wurden zu jedem Zeitpunkt deutlich unterschritten“, erklärt ein Sprecher. Das hätten zusätzliche Untersuchungen eines Messinstituts ergeben.

Temperaturschwankungen im Kessel

Die Färbung komme zustande, weil in bestimmten Betriebssituationen eine geringfügige Verschiebung des Anteils von Schwefeltrioxid (SO3) an den Schwefeloxidemissionen (SOx) auftritt. Der Sprecher nennt als Beispiel verschmutzte Kesselrohre, die Temperaturschwankungen im Dampferzeuger auslösen. Auch die Art der eingesetzten Kohle spiele eine Rolle. Insgesamt steigen die Emissionen allerdings nicht an, sagt der Sprecher. „Die absolute Erhöhung ist null.“

Satellitenfoto oder USB-Symbol? Der Karlsruher Rheinhafen vom All aus gesehen. Dort betreibt die EnBW das Dampfkraftwerk RDK.
Satellitenfoto oder USB-Symbol? Der Karlsruher Rheinhafen vom All aus gesehen. Dort betreibt die EnBW das RDK. | Foto: Google/Screenshot

Bernard Vogel vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am KIT Karlsruhe hält die von der EnBW beschriebenen Probleme mit der Rauchgasreinigung ebenfalls nicht für gefährlich. In erster Linie seien die Folgen ein ästhetisches Ärgernis. „In den 1970er-Jahren waren solche Färbungen über Kaminen gang und gäbe“, sagt Vogel, „allerdings handelte es sich damals auch um andere Partikel. Die waren tatsächlich gesundheitsschädlich.“

Kleine Partikel färben Rauch gelb

Dass bei einer erhöhten SO3-Konzentration der Rauch über dem Rheinhafen eine gelbe Farbe annimmt, könnte daran liegen, dass aus dem eigentlich farblosen Gas ultrafeine Partikel gebildet werden, die mehr Sonnenlicht streuen. „Und wenn diese in großer Menge auftreten, kommt es unter Umständen zu der beschriebenen Färbung“, sagt Vogel. Theoretisch kommen auch Stickstoffdioxid und Feinstaubpartikel als Ursache in Frage. „In bestimmten Größen erzeugt Feinstaub ähnliche Farbspiele wie Saharastaub.“ Im Normalbetrieb entweichen diese Partikel aber nicht mehr aus den Schornsteinen moderner Kraftwerke.

Laut EnBW seien solche Färbungen ohnehin eher die Ausnahme als die Regel. „Im Jahr 2019 traten die beschriebenen Betriebssituationen an weniger als zehn Tagen auf“, sagt der EnBW-Sprecher. „Aktuell werden Versuche mit dem Ziel durchgeführt, den Betrieb von Block 8 des RDK so anzupassen, dass der SO3-Anteil und damit auch die Trübung der Rauchgasfahne minimiert werden.“

So wird in einem Dampfkraftwerk Strom erzeugt
Kohlekraftwerke wie das RDK werden mit Stein- oder Braunkohle befeuert. Dabei entsteht Rauchgas, das durch einen Schornstein entweicht, sowie Wärme, die in einem Wasserkessel Dampf erzeugt, der anschließend eine Turbine durchströmt. Dort wird die Energie des Dampfes in mechanische Energie umgewandelt. Diese treibt wiederum einen Generator an, der schließlich elektrische Energie, sprich Strom, erzeugt. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert auch ein Atomkraftwerk.
Anders als die vergleichsweise dünnen Schornsteine dienen die breiten Kühlturme eines Dampfkraftwerks dazu, das in einem Kondensator erwärmte Kühlwasser wieder auf die ursprüngliche Temperatur zu bringen, bevor es erneut im Wasserkessel verwendet oder in einen Fluss abgelassen wird.
Korrektur: In einer ursprünglichen Version des Textes hieß es, die Temperaturschwankungen im Dampferzeuger werden durch verschmutztes Wasser ausgelöst. Tatsächlich treten sie laut EnBW infolge von verschmutzten Kesselrohren auf. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

BNN/som