Bei der Bewertung der Qualität des Essens in Karlsruher Schulen sollen künftig zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden.
Bei der Bewertung der Qualität des Essens in Karlsruher Schulen sollen künftig zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden. | Foto: dpa

Neue Vergabekriterien

Gemeinderat Karlsruhe macht sich für besseres Schulessen stark

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Die Klagen über das Essen in Karlsruher Schulen reißen nicht ab: „Es schmeckt nicht, es entspricht nicht den Bedürfnissen der Kinder, und es wird von weit her nach Karlsruhe gebracht“, sagt Renate Rastätter, Grünen-Stadträtin. Sie beschwor den Gemeinderat: „Wie müssen unbedingt an die Verbesserung der Qualität“.

Der war sich letztlich weitgehend einig: Bei sieben Enthaltungen von FDP und AfD stimmten die Stadträte den neuen Vergabekriterien für das Essen in den 36 Karlsruher Schulmensen zu. Durchschnittlich 3. 570   Kinder und Jugendliche nehmen dort täglich eine warme Mittagsmahlzeit ein.

Wurden bei der Entscheidung, welcher Caterer den Zuschlag erhält, bislang der Preis zu 70 und die Qualität zu 30 Prozent berücksichtigt, sollen nun beide Komponenten zu gleichen Teilen gewertet werden. Zudem sollen für die Bewertung der Qualität nicht nur das Ergebnis eines Probeessens, sondern zusätzliche Kriterien berücksichtigt werden.

Vegane Menüs sollen nicht angeboten werden

Liegt etwa der Bioanteil höher als die vorgeschriebenen 25 Prozent, wird viel frisch gekocht und werden Lebensmittel mit bestimmten Qualitätssiegeln verwendet, bringt dies zusätzliche Wertungspunkte. Das gilt auch für angebotene Sondermenüs, die Lebensmittel-Unverträglichkeiten berücksichtigen.

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Weiterhin nicht angeboten werden sollen vegane Menüs, da diese nicht den Standards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen, die der Karlsruher Schulverpflegung zugrunde liegen. Von den neuen Kriterien erhoffen sich die Stadträte, dass es für kleine, vor allem regional angesiedelte Caterer wieder attraktiver wird, für einzelne Schulen mitzubieten.

Festlegen, dass das Essen von einem lokalen Anbieter kommen muss, kann die Stadt nicht: Dies verstieße gegen europäisches Vergaberecht und dessen Diskriminierungsverbot. Viel Kritik komme zurecht von Schülern des Max-Planck-Gymnasiums, so Rastätter. „Sie streiken für das Klima und bekommen ihr Mittagessen aus Wiesbaden geliefert“, erklärt sie.

Zusätzlich beantragten die Grünen daher, die klimaneutrale Anlieferung künftig in der Ausschreibung vorzusehen. Wie zum Zusatzantrag der Linken, die nur Anbieter mit sozialversicherten und tariflich beschäftigten Mitarbeiten zulassen wollen, bestand breiter Konsens.

FDP hat Bedenken: Stehen Schulen bald ohne Essen da?

Da aber über Formalien noch Klärungsbedarf besteht, werden beide Zusatzanträge nochmal im Schulbeirat behandelt. Grundsätzlich müsse das Ziel sein, möglichst viele Schüler fürs Schulessen zu begeistern, betonte Dirk Müller (CDU).

Mehr Wert auf Qualität zu legen, sei notwendig. „Die Vergabekriterien waren bislang unausgewogen“, findet Irene Moser (SPD). Sie regte zudem an, über die bislang geltende vierjährige Laufzeit der Verträge nachzudenken, um bei Problemen besser gegensteuern zu können.

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Kritisch sieht Karl-Heinz Jooß (FDP) die neuen Richtlinien. „Das ist ein Regulierungsmonster ohne Ende“, findet er und äußerte die Befürchtung, dass mangels Bewerbern die Schüler bald „ohne Essen dastehen“.

„Die Kriterien schließen sich oft gegenseitig aus“, bemängelte Paul Schmidt (AfD), nachdem sein Parteikollege Oliver Schnell angemerkt hatte, dass Bio-Ware oft von weither komme. „Das Wichtigste ist, dass das Essen schmeckt“, meint Schmidt.