Sein grauer Bart ist Bennys Markenzeichen. Schließlich ist er schon rund 50 Jahre alt.
Sein grauer Bart ist Bennys Markenzeichen. Schließlich ist er schon rund 50 Jahre alt. | Foto: Zoo Karlsruhe

Schimpanse Benny in Karlsruhe

Geschätzte 50 Jahre

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Bennys Herkunft ist unklar, sein Alter geschätzt. Ganz sicher aber ist er für viele Zoobesucher ein richtig guter alter Bekannter und irgendwie auch ein waschechter Karlsruher. Schließlich lebt er seit 1. September 1970 im Zoo und ist mehreren Besuchergenerationen ans Herz gewachsen. Und nicht nur diesen: Der stellvertretende Zoochef Clemens Becker hat zu Benny eine ganz besondere Beziehung. „Wir kennen uns seit 32 Jahren und sehen uns fast jeden Tag“, so Becker schmunzelnd. Schaut er nicht selbst bei Benny vorbei, klettert der im Außengehege vor Beckers Bürofenster und sieht nach, ob der Affenexperte an seinem Schreibtisch sitzt.

Geburtstagsüberraschung für Benny

Keine Frage also, dass Clemens Becker am Donnerstag über Benny berichten wird: Dann nämlich soll es für den Schimpansen eine Geburtstagsüberraschung geben. Menschliche Zaungäste, die dabei sein wollen, sollen sich gegen 14.30 Uhr beim Affenhaus einfinden, teilt der Zoo mit.

Angeblich war er bei seiner Ankunft neun Monate alt.

Dass Bennys 50. Geburtstag ansteht, ist geschätzt. Fest steht nur, dass er als Jungtier auf kuriose Weise nach Karlsruhe kam: Ein mit dem damaligen Zoodirektor Karl Birkmann befreundeter Tiermediziner, der zu Studienzwecken an der Elfenbeinküste weilte, schickte den kleinen Schimpansen „ohne Vorwarnung“ und per Luftfracht. So steht es in den BNN vom 8. September 1970. Das Foto zum Artikel half auch, Bennys Alter zu bestimmen. „Angeblich war er bei seiner Ankunft neun Monate alt – sah auf dem Bild aber deutlich älter aus“, erklärt Becker. „Mit neun Monaten sind Schimpansen noch echte Babys.“ Er zeigte das BNN-Foto schließlich Tom de Jong in Arnheim, mit dem er in einer europäischen Expertengruppe für Menschenaffen zusammenarbeitet. Der schätzte den Karlsruher Publikumsliebling auf damals drei Jahre.

Seemann aus Bretten beschert Zoo weiteren Schimpansen

Knapp zwei Jahre vor Bennys Ankunft war der Karlsruher Zoo auf einem nach heutigen Maßstäben ebenso unglaublichen Weg an seinen ersten Schimpansen gekommen: Ein Seemann aus Bretten hatte beim Zoodirektor geklingelt und ihm das Tier, das ebenfalls von der Elfenbeinküste stammte, angeboten. Da das Affenbaby an einer Lungenentzündung litt, konnte Birkmann nicht anders, als sich seiner annehmen, hieß es im November 1968 in den BNN. Wobei der Direktor freilich auch die Chance ergreifen wollte, nach 30 Jahren wieder Menschenaffen im Zoo zeigen zu können.

Kleiner „Dschingo“ wurde aufgepäppelt

Birkmanns Familie päppelte den kleinen „Dschingo“ auf, der zunächst bei den Birkmanns und später in Büroräumen der Zooverwaltung untergebracht war – das Affenhaus wurde erst nach 1970 fertig. Viele ältere Karlsruher erinnern sich noch daran, dass Dschingo und seine Gefährtinnen Emma und Mizzi – für deren Kauf in Liberia die Fächergarde 1 400 Mark gesammelt hatte – in Kinderwagen durch den Tiergarten geschoben wurden. Heute zum Glück ebenso undenkbar wie die Herkunft der Primaten: Schon seit vielen Jahren stammen Zootiere ausschließlich aus Erhaltungszuchtprogrammen der Zoogemeinschaft.

Bennys Markenzeichen ist ein grauer Bart

Mizzi starb im Dezember 1969 an einer Lungenentzündung, Benny komplettierte ein knappes Jahr später das Trio. Das konnte freilich nur mit Jungtieren funktionieren. Schon seit Jahrzehnten ist Benny, dessen Markenzeichen inzwischen sein grauer Bart ist, der alleinige Pascha der Karlsruher Schimpansengruppe. Vier Damen hatte er zwischenzeitlich in seinem Harem, zur Mutter machte er aber keine von ihnen. Die Fehlprägung auf Menschen ist wohl die Ursache für sein Desinteresse, vermutet Becker.

Diesem gegenüber macht Benny immer mal wieder klar, dass er der Chef ist. Gelegentlich auch mit großem Auftritt: Aufbauen, Haare stellen, laut werden, und dann mit Händen und Füßen voraus gegen die Scheibe donnern. Mit demütigen Friedensgesten versucht Becker aber oft schon im Vorfeld, Benny zu beschwichtigen – und wird ihn gewiss auch an seinem „Geburtstag“ eher beruhigen. Schließlich erwartet den Jubilar eine „Torte“ aus viel Obst. Für die sich aber sicher auch seine Damen Katche und Sophie interessieren werden.

Neubau im Karlsruher Zoo angedacht

Ebenso gewiss ist, dass Benny einer der letzten seiner Art im Karlsruher Zoo ist. Für Menschenaffen ist nach den aktuellen Haltungsrichtlinien in Karlsruhe ein Neubau erforderlich. Der wird aber, wenn er denn kommt, gemäß des Zookonzepts eher für die deutlich bedrohteren Orang-Utans konzipiert.