Enspannte Pause auf der Fidelitashütte im Jahr 1951
Enspannte Pause auf der Fidelitashütte im Jahr 1951 | Foto: DAV

Gründung im Café Däschner

Größter Sportverein von Karlsruhe: Alpenverein feiert 150-jähriges Bestehen

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Allen Grund zum Feiern gibt es in diesem Jahr bei der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins (DAV). Vor 150 Jahren wurde die Bergsteigervereinigung aus der Taufe gehoben. Heute ist die Sektion mit ihren 9.000 Mitgliedern der größte Sportverein der Fächerstadt. Die BNN blicken auf die wechselvolle Geschichte des Traditionsvereins.

Wenn sich der Schauspieler Hans Sigl in seiner Paraderolle als Bergdoktor Martin Gruber im Wilden Kaiser um das Wohl seiner Patienten kümmert, freut sich Peter Zeisberger jedes Mal von Neuem über die kostenfreie Imagekampagne. „Solche Fernsehserien sind für uns die beste Werbung“, betont der Vorsitzende der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins (DAV).

Die stimmungsvollen Aufnahmen von malerischen Alpenpanoramen machten schließlich vielen Leuten Lust auf einen Urlaub in den Bergen.

Gegründet von 16 Männern im Café Däschner

Bei der Gründung der Sektion Karlsruhe gab es noch kein Fernsehen, und nach Zeisbergers Einschätzung waren noch nicht einmal viele Fotografien von den Alpengipfeln im Umlauf. Trotzdem hoben 16 Männer am 31. Januar 1870 im Café Däschner die Sektion Karlsruhe des DAV aus der Taufe und schrieben sich dabei ehrgeizige Ziele wie „Die Kenntnis der Alpenwelt zu fördern“ oder „Das Bereisen der Alpen dem Einzelnen möglichst genussreich und nutzbringend zu machen“ auf die Fahnen.

Jubiläumsfeier am 31. Januar im Südwerk

Wenn das Jubiläum auf den Tag genau 150 Jahre später mit einem Festakt im Bürgerzentrum Südwerk feierlich begangen wird, kann Zeisberger ohne Übertreibung auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken. Mit etwa 9.000 Mitgliedern ist die Karlsruher DAV-Sektion der mitgliederstärkste Sportverein der Fächerstadt. „Bergwandern und Klettern liegen voll im Trend. Deshalb werden wir mit Sicherheit weiter wachsen“, sagt Zeisberger. Außerdem gibt es beim DAV niederschwellige Angebote für sämtliche Altersgruppen wie Kletterkurse für Kinder oder Wandertouren für Senioren.

Angebot für alle sozialen Schichten

Dass der DAV ein breit gefächertes Angebot für sämtliche sozialen Schichten bereitstellt, war nicht immer der Fall. Bei den Gründervätern stand nämlich noch die touristische Erschließung des Alpenraums im Vordergrund. Vor 150 Jahren waren Bergurlaube noch das Privileg einer elitären Minderheit. Zudem war die Sektion Karlsruhe zunächst einmal ein reiner Männerverein, der erst 25 Jahre nach der Gründung die erste Frau aufnahm.

Sektion Karlsruhe hat vier Hütten

Bereits ein Jahr später wurde mit der Eröffnung der Fidelitashütte im Ötztal das erste vereinseigene Gebäude in Betrieb genommen. Weitere Meilensteine waren in den 1920er Jahren der Bau der Madrisahütte im Valzifental sowie die Eröffnung der Langtalereckhütte im Ötztal.

Seit der Inbetriebnahme des direkt neben der Fidelitashütte gelegenen Hochwilderhauses im Jahr 1939 hat die Sektion Karlsruhe vier Berghütten zu bewirtschaften.

Zeit zwischen Kriegen war dunkelstes Kapitel

Die Zeit zwischen den Weltkriegen war allerdings auch das dunkelste Kapitel in der Geschichte der Bergsteigervereinigung, die zwischen 1873 und 1938 unter dem Namen Deutscher und Österreichischer Alpenverein (DuÖAV) firmierte. Weil die Antisemiten nach und nach die Oberhand erlangten, wurden jüdische Bergsteiger ab 1924 in den Alpenvereinshütten nicht mehr bewirtet.

1938 wurde der Alpenverein als „Fachverband Bergsteigen“ in den nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen eingegliedert und nach Kriegsende vom den Alliierten aufgelöst. Die Sektion Karlsruhe nahm mit Erlaubnis der Militärregierung bereits im Herbst 1945 die Arbeit wieder auf und war sieben Jahre später bei der Wiedergründung des DAV eine von 234 Sektionen. Ihre vier Hütten erhielt die Sektion Karlsruhe aber erst 1956 zurück.

Hüttensanierung ist dringendste Aufgabe

Auch wenn Kriegsschäden relativ schnell beseitigt wurden, ist die Zeit an den Berghütten nicht spurlos vorübergezogen. Deshalb gehören die Sanierung von Langtalereckhütte und Hochwilderhaus im Jubiläumsjahr zu den dringendsten Aufgaben.

„Der alte Anbau der Langtalereckhütte muss abgerissen und durch einen neuen Anbau ersetzt werden“, beschreibt Zeisberger eine der Herausforderungen. Bis zum Ende der Sanierung werden deshalb noch zwei Jahre ins Land ziehen. Erst danach soll die Wiederinstandsetzung des Hochwilderhauses beginnen.

Zerreißprobe für Vorstand

Zeitplan und Finanzierung der Hüttensanierungen hatten im vergangenen Jahr innerhalb der Vereinsführung zu einer Zerreißprobe mit dem Rücktritt mehrerer Vorstandsmitglieder geführt. Mittlerweile herrsche aber wieder ein konstruktives Miteinander, sagt Zeisberger. Einige der zurückgetretenen Vorstände bringen sich auch wieder aktiv in die Weiterentwicklung des Vereins ein.

Arbeit gibt es für den achtköpfigen Vereinsvorstand und die zahllosen ehrenamtlichen Gruppenleiter und Wanderführer zur Genüge. Deshalb soll das Hauptamt um Geschäftsführer Benjamin Böhringer künftig gestärkt und ausgebaut werden. „Ein Verein in dieser Größe ist alleine mit ehrenamtlichem Engagement kaum mehr zu führen“, sagt Zeisberger. Und wahrscheinlich seien der Sektion durch falsche oder fehlende Antragstellung in den vergangenen Jahren „mehrere tausend Euro“ an Fördergeldern entgangen.

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Heutiger Höhenflug begann vor 17 Jahren

Der Grundstein für den derzeitigen Höhenflug legte die Sektion bereits vor 17 Jahren mit dem Bau der Kletterhalle im Traugott-Bender-Sportpark. Seither hat sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppelt, und mit dem mit dem Bau einer neuen Boulderhalle wurde dem anhaltenden Kletter-Boom vor zwei Jahren erneut Tribut gezollt.

Mit der Gründung einer Paraclimbing-Abteilung konnte die Inklusion vorangetrieben werden und auch Kletterkurse für Anfänger erfreuen sich großer Nachfrage. Ohnehin lässt das Angebot kaum Wünsche offen. Anspruchsvolle Alpentouren stehen ebenso im Programm wie Genusswandern im Schwarzwald. Ein Mitgliedermagnet ist laut Zeisberger auch die Mountain-Bike-Gruppe.
„Die Hallen sind eigentlich rund um die Uhr ausgebucht“, sagt Zeisberger. Wegen fehlender Kapazitäten mussten mittlerweile sogar Anfragen von Kindern und Jugendlichen abgelehnt werden.

Der Bau einer weiteren Kletterhalle steht für Zeisberger dennoch nicht zur Debatte. „Wir können nicht noch ein Großprojekt stemmen“, stellt der Vereinschef klar. Dank des großen Engagements von zahlreichen Wanderführern könne aber Jahr für Jahr ein abwechslungsreiches Angebot zusammengestellt werden. Und das Ende der Fahnenstange ist nach Zeisbergers Einschätzung noch lange nicht erreicht. „Wir erleben derzeit einen echten Kulturwandel“, so Zeisberger. Mittlerweile seien selbst klassische Routen wie der lange Zeit vergessene Schwarzwald-Westweg wieder total in.