Der Mendelsonplatz wird zur Baustelle.
VOR DEM GROSSEN GRABEN: Der Mendelssohnplatz ist der bedeutende Verkehrsknoten im Südosten der City. Im Sommer wird die Kreuzung für rund ein Jahr zur Großbaustelle mit einer 150 Meter langen Grube für den Bau des Autotunnels Kriegsstraße. Dann kann dort wochenlang keine Straßenbahn fahren. Im Herbst sollen dann Behelfsbrücken stehen. | Foto: jodo

Autotunnel Kriegsstraße

Gleisbrücken gegen Verkehrskollaps

Anzeige

Dieses Jahr wird kein leichtes sein. Dies gilt besonders für Karlsruher, für Pendler und Gäste, die sich in der Fächerstadt zu Fuß, per Rad, mit der Bahn oder mit dem Auto bewegen. Im neunten Jahr des Stadtumbaus entfaltet die Tunnelbaustelle Kriegsstraße erstmals ihr volles Störpotenzial für den fließenden Verkehr.

Grube kommt im Sommer

Der Mendelssohnplatz wird im Sommer zur Grube. Die Straßenbahnen kommen dann einige Wochen nicht mehr über diese wichtige Kreuzung im Südosten des Cityrings. Damit ist dort die Gleisroute Fritz-Erler-Straße/Rüppurrer Straße, die östliche Nord-Süd-Achse zwischen Kaiserstraße und Hauptbahnhof, gekappt.

Ab Oktober rollen die Bahnen dort, wo einst das Rüppurrer Tor stand, wieder. Allerdings geschieht dies für viele Monate auf Behelfsbrücken über die offene Grube, in welcher der Autotunnel seine Betonform annimmt. Bevor der Knoten Mendelssohnplatz zum Buddelloch wird, wollen die Baustellenkoordinatoren drei Projekte umsetzen, damit der Verkehr auf Schiene und Straße in der Innenstadt nicht kollabiert.

Durlacher Tor geht auf

Erstens: Das Durlacher Tor wird nach sieben Jahren als U-Strab-Baustelle bis Ende August komplett verkehrstüchtig wiederhergestellt. Dadurch können die Bahnen zwischen der Oststadt und der City wieder ohne Slalom um Baustellen von der Durlacher Allee direkt übers „Durlacher Tor“ in die Kaiserstraße rollen.

Gleiskreuz in Rüppurrer Straße

Zweitens: Bis zum Sommer wird das Gleiskreuz am Schnittpunkt von Rüppurrer Straße/Baumeisterstraße und Philipp-Reis-Straße komplettiert. Es bekommt einen Schienenbogen, der dort auch die Kurvenfahrt der Bahn von Karlsruhe Südost in die Rüppurrer Straße direkt zum Hauptbahnhof ermöglicht.

Gleiskreuz Rüppurrer Straße
DER FEHLENDE SCHIENENBOGEN im Gleiskreuz Rüppurrer Straße/Baumeisterstraße (rechts) und Philipp-Reis-Straße (links) wird demnächst eingebaut. | Foto: jodo

Durch diese Maßnahme kann die Südostbahnstrecke durch den Alten Schlachthof, über den Kreisel und durch den Erhardboulevard im Sommer als Umleitung für das am Mendelssohnplatz unterbrochene Gleis dienen.

Vor der Grube

Drittens: Im Vorfeld des Gruben- und Brückenbaus mitten auf dem Mendelssohnplatz lässt die Kasig die Gleise am Süd- und am Nordrand der Kreuzung erneuern und den Boden als Basis für die Brücken ertüchtigen.
Jürgen Lohmeyer, beim Tiefbauamt angesiedelter Baustellenkoordinator der Stadt, Johannes Häberle, Projektleiter des Kombi-Bauherrn Kasig für den Bau des Autotunnels Kriegsstraße, und Philipp Banschbach, der Kasig-Mann für die Oberflächengestaltung über den Tunnels für U-Strab und Autos, erklären ihren komplexen Plan.
Eins nach dem anderen, wo es geht, und manches im Schatten einer Sperrung noch dazu, oder etwa in den Sommerferien auch möglichst viel auf ein Mal. Mit dieser Mischung wollen sie die Operationen für die Veränderung des Mobilitätszentrums Karlsruhe am offenen Herzen zielstrebig aber ohne Infarkt auf Schiene und Straße durchziehen.

Ende August für Bahnen gesperrt

„Am 27. August wird der Mendelssohnplatz für die Bahnen gesperrt“, erklärt Lohmeyer. „Sobald das Direktgleis Durlach – City am Durlacher Tor komplett ist“, ergänzt Banschbach. Man dürfe nicht früher loslegen, sonst könnte das durch die Kombi-Baustellen ohnehin seit Jahren schwer strapazierte Liniennetz der Bahnen zerreißen, räumen die Experten ein. „Die Grube wird 150 Meter lang und quer über den Platz bis in die Kriegsstraße reichen“, sagt Häberle.

Arbeiten unter den Brücken

Bevor die Gleishilfsbrücken im Oktober installiert werden, müsse an ihrer Stelle der Tunnelverbau mittels Spund- und anschließend Schlitzwänden laufen, erläutert Häberle. „Drei Meter tief müssen wir dort vorher ausheben. Außerdem müssen die Röhrchen für die Injektion der abdichtenden Gelsohle sowie die erste Ankerlage für die Grubenwände gesetzt sein“, erklärt Häberle.

Diese Arbeitsschritte seien wegen des Einsatzes von Großgeräten wie dem Schlitzwandgreifer nicht unter den provisorischen Brücken möglich.

Für die Betonage des Tunneldeckels im Sommer 2019 müssten die Gleise also voraussichtlich ein knappes Jahr später wieder gesperrt werden.

Sobald dann am Mendelssohnplatz das neue Gleiskreuz für die Strecke Fritz-Erler-Straße/Rüppurrer Straße sowie die neue oberirdische Straßenbahntrasse in der Kriegsstraße eingebaut ist, werden die Kombi-Bau-Koordinatoren Banschbach, Häberle und Lohmeyer die letzte Baustufe zünden: Ist die östliche Nord-Süd-Gleisachse über den Mendelssohnplatz wieder dauerhaft frei, dann erst darf die westliche Nord-Süd-Achse durch die Karlstraße gesperrt werden.

Schlusspunkt am Karlstor

Am Karlstor lassen die drei Koordinatoren dann 2020/2021 das gleiche Schauspiel wie am Mendelssohnplatz 2018/2019 folgen. Da müsste nach heute gültigem Plan der Kasig Ende 2020 „bereits“ die U-Strab in Betrieb sein. Deren Südabzweig bringt das unterirdische Comeback der mittleren Nord-Süd-Achse Karl-Friedrich-Straße/Ettlinger Straße.

Verkehrsknoten Karlstor
KNACKPUNKT KARLSTOR: Dieser Knoten wird beim Umbau der Kriegsstraße zuletzt angepackt. | Foto: jodo

Die U-Strab könnte also 2021 in der Schlussphase des Autotunnelbaus in der Kriegsstraße die Verkehrslage entspannen. Angesichts der Komplexität der beiden Kombi-Bauprojekte halten Experten aber mittlerweile auch einen Fertigstellungstermin für beide Kombi-Teile erst Mitte 2022 für gut möglich.