Greif
Ordentlich herausgeputzt haben Steffen Waidelich (links) und Marco Müller die Greif | Foto: jodo

Runderneuert in neue Saison

Die Greif geht wieder im Karlsruher Schlossgarten auf Tour

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Ab Samstag, 1. April, dampft es wieder im Schlossgarten. Und es pfeift – in einem etwas satteren Ton: Die Greif startet in die neue Saison nach der Winterpause, in der sie sich mächtig veränderte. Und das sowohl technisch als auch optisch.

1.500 Stunden an Greif gebastelte

Rund 1.500 Stunden bastelte das zehnköpfige Team um die Greif-Besitzer Marco Müller und Steffen Waidelich seit November an der 79 Jahre alten Lok. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Beispiel Lack: Der stammte aus dem Jahr 1991 und war damit zwar nicht ab, aber ziemlich verbraucht. Also entschieden Marco Müller und Steffen Waidelich, die die Greif Anfang vergangenen Jahres übernahmen, sie komplett neu zu lackieren.

Vom Team unterstützt

„Wir wussten, dass einiges an der Lok zu tun ist“, berichten die beiden jungen Männer. „Aber als wir dann loslegten, waren mit jeder Baustelle, die wir aufmachten, zehn weitere da.“

Dass alles in der Winterpause zu schaffen ist, dachten Marco Müller und Steffen Waidelich nicht. „Wir wollten die Arbeiten eigentlich auf zwei Jahre aufteilen.“ Nun wurde doch alles schon jetzt fertig. „Das war nur möglich, weil wir unglaublich vom ganzen Team unterstützt wurden.“

Verkehrsbetriebe halfen kräftig mit

Auch die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) halfen kräftig mit. „Dafür sind wir sehr dankbar“, so Marco Müller und Steffen Waidelich. „Letztlich haben wir die Lok einmal auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt“, erzählen sie.

90 Prozent der Leitungen und Ventile seien erneuert worden, darunter die Abdampfleitung, die bisher zu eng gewesen sei. Das Ergebnis ist der veränderte Sound.

Ein Experte in Darmstadt arbeitete sämtliche technische Armaturen und Bedienelemente des Führerstands auf. „Man kann ja nicht einfach in den Baumarkt gehen und neue Teile kaufen“, erklärt Steffen Waidelich.

Neuer Scheinwerfer als Dauerleihgabe

Zusammen mit seinem Kompagnon entdeckte er in der Ausstellung der Modell- und Eisenbahnfreunde Karlsruhe dann noch eine Feldbahnlaterne – die der Vereinsvorsitzende Stephan Viel ihnen als Dauerleihgabe überlässt.

Lampe der Greif
Die Greif fährt mit neuer Lampe | Foto: jodo

Das Stück sitzt nun statt des bisherigen französischen Scheinwerfers auf der Nase der Lok. „Das sieht schöner aus“, sind sich die Greif-Chefs einig.

Ob Besucher Greif wiedererkennen?

„Ich freue mich jetzt total auf die neue Saison. Ich werde erst mal am Bahnsteig stehen und hören, was die Besucher sagen, ob sie die Greif wiedererkennen“, sagt Marco Müller, der gerade ein Referendariat an einer Schule absolviert.

Ebenso wie der angehende Verkehrsingenieur Steffen Waidelich engagierte er sich viele Jahren in seiner Freizeit im Team der Greif, die der frühere Besitzer Manfred Halle vor einem Jahr aus Altersgründen an sie abgab.

Porsche-Lok für Bundesgartenschau

Manfred Halle hatte die Lok im Jahr 1967 auf einem Lagerplatz bei Mannheim aufgestöbert und gekauft. 1967: In diesem Jahr fand in Karlsruhe die Bundesgartenschau statt. Im Schlossgarten wurden deshalb Schienen verlegt, auf denen vier Porsche-Loks verkehrten.

Karlsruher wollten Loks nicht hergeben

Es sollte ein auf ein Jahr beschränktes Angebot sein, berichtet Tobias Birkenbeil aus dem Greif-Team. Aber die Karlsruher waren begeistert und wollten weiter Lok fahren. Also setzten sich der damalige Oberbürgermeister Günther Klotz und die Lok-Betreiberin Hannelore Grandmontagne für den Verbleib ein – mit Erfolg.

Wagen erhalten

Zwei Porsche-Loks zogen weiter nach Saarbrücken, wo sie noch heute im deutsch-französischen Garten verkehren. Zwei blieben in der Stadt, eine ist heute noch da. Auch drei der heute fünf Wagen, in denen die Besucher fahren, stammen noch von der Bundesgartenschau.

Manfred Halle entdeckte schließlich, dass die Gleise im Schlossgarten für seine Lok passen – und schickte sie 1968 erstmals dort auf Tour. Ohne Wagen, ohne Tender.

Einfach nur zum Anschauen

Die Greif fuhr hinter der Porsche-Lok mit ihren Wagen her, einfach nur zum Anschauen. Ein Autoreifen lag auf dem Dach, weil dieses nicht richtig befestigt war und stabilisiert werden musste, berichten ihre heutigen Besitzer.

Greif früher
Ende der 1960er Jahre fuhr die Greif nur zum Anschauen | Foto: Dörflinger

Seit 1976 zieht die Greif Wagen, vier in der Regel, in denen jeweils bis zu 30 Besucher Platz finden. „Wir könnten ohne Probleme fünf Wagen ziehen“, erklären Marco Müller und Steffen Waidelich. „Aber das geht wegen der Größe des Bahnhofs nicht.“

50 Jahre Schlossgartenbahn

1991 bauten die VBK zusätzlich die Diesel-Lok, die nun zusammen mit der Greif und der Porsche-Lok die Schlossgartenbahn bildet – die 50 Jahre nach der Bundesgartenschau nun also Jubiläum feiert.

Der Treffpunkt Schienennahverkehr (TSNV) gibt aus diesem Anlass ein 160 Seiten umfassendes Buch heraus, das demnächst erscheint.

Emma kommt wieder zu Besuch

Und auch das Greif-Team feiert: Nicht nur indem es sein gutes Stück zum Geburtstag richtig aufpolierte. Nein, es ist im Sommer auch wieder eine besondere Aktion geplant: Wie schon im vergangenen Jahr kommt nämlich wieder „Emma“ nach Karlsruhe – eine 95 Jahre alte Dampflok aus Frankfurt. Sie dreht dann am 4. und 5. sowie am 11. Juni zusammen mit der Greif ihre Runden im Schlossgarten.

Fahrzeiten

Grundsätzlich fährt die Greif bis November immer sonn- und feiertags – jedoch nicht bei Regen – von 11 bis 19 Uhr im Schlossgarten. Am  Samstag, 1. April, ist sie zusätzlich von 13 bis 19 Uhr im Einsatz, ebenso die kompletten Osterfeiertage über. Ansonsten verkehrt samstags die Diesellok.
Vom 1. Juni bis 29. September fährt unter der Woche von 13 bis 18 Uhr die Diesellok, freitags allerdings die Porsche-Lok. Die letzte Möglichkeit einzusteigen ist immer eine halbe Stunde vor Betriebsende.

Hier finden sich mehr Informationen zur Bahn.