Die vorherrschende Farbe in den deutschen Briefzentren ist ganz eindeutig gelb. | Foto: Deutsche Post DHL Group

Briefzentrum Karlsruhe

Grünwinkel sieht Gelb

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Briefe und Postkarten sind out – heutzutage schickt man sich Nachrichten nur noch per Mail oder WhatsApp. Hört man ja immer wieder. Stimmt aber nicht wirklich, wenn man sich die Zahlen des Briefzentrums Karlsruhe mal vor Augen hält: Bis zu 2,25 Millionen Sendungen pro Tag werden hier sortiert! 2,25 Millionen! Kein Wunder also, dass in der riesigen Halle in Grünwinkel ganz schön was los ist, auch an einem ganz normalen Montagabend. „Gearbeitet wird hier in drei Schichten rund um die Uhr“, sagt Betriebsleiter Gerd Zimmermann. „Aber am meisten zu tun ist abends ab 18 Uhr, wenn die Inhalte sämtlicher geleerter Briefkästen hier angeliefert werden.“ Zimmermann, der einst als Schalterbeamter anfing, fühlt sich sichtlich wohl an seinem Arbeitsplatz, was unter anderem auch daran liegen mag, dass die vorherrschende Farbe Gelb ist: „Als Fan von Borussia Dortmund komme ich damit prima klar“, sagt er und lacht.

Vor 23 Jahren eröffnet

Vor knapp 23 Jahren, am 22. November 1996, eröffnete die Deutsche Post ihr Briefzentrum in Karlsruhe. Doch was damals technisch auf dem neuesten Stand war, ist heute längst veraltet und wurde längst wieder ausgetauscht. „Man arbeitet ja im Büro auch nicht mehr mit einem PC aus dem Jahr 1996“, erklärt Hugo Gimber, der Pressesprecher der Pressestelle Süd.
Gleich geblieben ist jedoch das Einzugs- und Versorgungsgebiet des Briefzentrums. Es umfasst das gesamte Gebiet, in dem die Postleitzahlen mit „76“ beginnen: Von Philippsburg im Norden bis Forbach im Süden, vom pfälzischen Hauenstein im Westen bis Ubstadt-Weiher im Osten. „Jeder Brief, der in dieser Region aufgegeben oder zugestellt wird, wird hier sortiert“, sagt Gimber. Und das können, wie erwähnt, auch schon mal 2,25 Millionen Sendungen an einem einzigen Tag sein.

Viele neue Maschinen

Erneuert wurden in den letzten 23 Jahren nicht nur die Anschriftenlese- und Briefsortiermaschinen. Neu hinzugekommen sind unter anderem auch elf Gangfolgesortiermaschinen. Die technischen Helfer mit dem sperrigen Namen bringen Postkarten, Standard- und Kompaktbriefe schon im Briefzentrum in die richtige Reihenfolge, in der die Postboten am nächsten Tag in ihrem jeweiligen Bezirk die Straße entlang gehen oder fahren. Auch die neue Großbriefsortieranlage sortiert die Sendungen nach der Gangfolge der Postboten.
„Die erste Station für Sendungen aus den Briefkästen ist die Briefordnerei“, sagt Abteilungsleiter Daniel Schnetzke. „Hier werden sie zunächst nach Formaten getrennt.“ Zwar können die Maschinen inzwischen vieles, aber menschliche Kontrolle ist auch hier immer noch notwendig. Was aus dem Rahmen fällt, wird von Hand aussortiert und weiterverarbeitet. Danach werden die „maschinenfähigen“ Standard- und Kompaktbriefe automatisch gestempelt, alle anderen von Hand.

Um 21.15 Uhr muss die Post raus

Die nächste Station für Standard- und Kompaktbriefe ist die „Integrierte Anschriftenlese- und Videocodiermaschine“ (ILVM). Schon wieder so ein Wortungetüm, aber das stört hier niemanden, denn die ILVM übersetzt die Adresse in einen Strichcode und spritzt diesen mit orangefarbener Tinte auf den unteren Rand des Briefes. Und dann transportiert sie den Brief auch noch in eines von 128 Fächern. „Bei der weiteren Bearbeitung bis ins Zielgebiet wird nur noch diese Codierung gelesen“, sagt Zimmermann. „Auch die Gangfolgesportiermaschinen sortieren die Briefe nach diesem Code.“
Bis 21.15 Uhr muss die Post, die die Region verlässt, in die Fahrzeuge verladen sein, um sie zu anderen Briefzentren, zu den Umschlagstellen oder zum Flughafen Stuttgart zu bringen. Damit ist die Post, die von hier aus verschickt wird, erstmal erledigt. Jetzt geht’s weiter mit jener Post, die in Karlsruhe und Umgebung am nächsten Tag zugestellt wird.

Auch montags kommt der Postbote

Dafür muss man die Sortiermaschinen von „Abgangsbearbeitung“ auf „Eingangsbearbeitung“ umstellen. Sortiert wird nun zunächst die Post, die in der Region zugestellt wird. Zuerst die Sendungen aus der Region für die Region, dann die Briefe und Postkarten, die im Laufe der Nacht von den 81 anderen Briefzentren und dem Internationalen Postzentrum eintreffen. Und nach einer ersten Sortierung kommen dann die erwähnten Gangfolgesortiermaschinen an die Reihe, die den Postboten die Arbeit am nächsten Tag erleichtern.
Stimmt es eigentlich, dass an Montagen gar keine Post mehr ausgetragen wird? Die Post-Profis dementieren dies energisch! „Es gibt natürlich keine Behördenpost, da diese spätestens am Freitag verschickt und am Samstag schon zugestellt wird,“ sagt Pressesprecher Gimber. „Aber was glauben Sie, was los wäre, wenn wir am Montag den „kicker“-Abonnenten ihren „kicker“ nicht liefern würden. Stimmt. Dieses Argument ist kaum zu widerlegen. ww