Handel
Mit Abstand und Maske: Anna Barbara Paschen, die hier Ruth und Gerhard Schönbeck berät, hat in ihrem Geschäft Kinderglück weniger Kunden als vor der Krise. | Foto: jodo

Viele schließen weiterhin früh

Der Handel in der Karlsruher City kommt noch nicht richtig in Schwung

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Trotz Corona-Krise dürfen inzwischen alle Geschäfte wieder öffnen. Doch viel los ist in der Karlsruher City in den meisten Läden nicht – obwohl satte Rabatte locken. Die Zahl der Kunden liegt in der Regel deutlich unter der erlaubten Obergrenze.

„Wir haben dich vermisst“ oder „Schön, dass du wieder da bist!“: An ihren Schaufensterscheiben haben viele Einzelhändler in der Innenstadt herzliche Botschaften an ihre Kunden angebracht – die aktuell jedoch nicht in großer Zahl kommen.

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Citymanager Frank Theurer spricht von einem Zwiespalt: Eine übervolle City wäre in der Corona-Krise nicht gut, auf der anderen Seite wünschen sich viele Geschäftsleute mehr Frequenz, weil sie mit den aktuell geringen Umsätzen auf Dauer schlicht nicht überleben können.

Um 18 Uhr ist oft Schluss

Ob Karstadt, Breuninger oder Peek & Cloppenburg: Selbst in den großen Häusern, die als Frequenzbringer gelten, schlendern an diesem sonnigen Dienstagmittag wenige durch die Gänge. Obwohl zahlreiche Anbieter ordentliche Rabatte einräumen, bleibt die Kundenzahl deutlich unter der jeweils erlaubten Obergrenze.

Kaum ein Geschäft in der Innenstadt hat länger als bis 18 Uhr offen. Der Kosmetikanbieter L’Occitane in der Kaiserstraße sperrt erst ab 12.30 Uhr auf. Der Spielzeuganbieter Kinderglück in der Nähe des Ludwigsplatzes hat neu eine Mittagspause eingeführt. „Wir müssen auch mal raus, die Maske absetzen und frei durchatmen“, sagt Inhaberin Anna Barbara Paschen.

Die Umsätze sind geringer als sonst.

Anna Barbara Paschen, Inhaberin des Spielzeugladens Kinderglück

Sie arbeitet mit reduzierter Mannschaft, die zumindest ganz gut zu tun habe. Doch noch immer muss Paschen Angestellte in Kurzarbeit lassen.

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„Die Umsätze sind geringer als sonst“, sagt die Geschäftsfrau. Und der Ausfall des Ostergeschäfts traf ihre Branche zudem besonders hart. Aktuell sagt die Kinderglück-Chefin: „Die Leute kommen seltener, kaufen dann aber mehr.“

Maskenpflicht führte zu weniger Frequenz

Bekleidung kaufen viele indessen offenbar weniger. „Die Kauflust ist nicht gegeben“, bilanziert Melitta Büchner-Schöpf vom gleichnamigen Haus am Marktplatz. Auch die vergangenen beiden Samstage seien schwach gewesen.

Im Durlacher Modehaus Nagel beobachtet Geschäftsführer Holger Witzel seit der Einführung der Maskenpflicht Einbußen. „Die ersten 14 Tage, in denen wir wieder aufmachen durften, hatten wir Umsätze, mit denen man eine Chance zum Überleben hatte.“ Seit die Kunden Mund und Nase bedecken müssen, seien die Frequenz und die Einnahmen jedoch deutlich nach unten gegangen.

Es ist kaufmännisch eine emotionale Zeit.

Holger Witzel, Geschäftsführer Modehaus Nagel

Witzel sagt: „Es ist kaufmännisch eine emotionale Zeit.“ Miete, Rechnungen, Gehälter und Lieferanten müssen bezahlt werden. Aktuell muss der Geschäftsführer entscheiden, was er für den Herbst bestellt: „Habe ich zu viel Ware, wenn es dann zu der von einigen Experten vorhergesagten zweiten großen Infektionswelle kommt? Oder ist es zu wenig, wenn diese Welle nicht kommt?“ Und überhaupt: „Wie läuft das Geschäft künftig?“

Witzel wünscht sich, dass die Kunden den Wert der Geschäfte vor Ort erkennen und schätzen – vielleicht im Zuge der Krise mehr als zuvor. Und er kann sich vorstellen, dass mehr Kunden kommen, wenn sie ab kommender Woche den Einkauf auch wieder mit einem Besuch im Café oder Lokal verbinden können. „Wir spürten schon eine Verbesserung, als die Eisdielen wieder öffnen durften.“

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Neue Formate sind gefragt

Auch Citymanager Theurer glaubt an den Einfluss der Gastronomie. „Andererseits sind natürlich auch Veranstaltungen oder Kultureinrichtungen Frequenzbringer, das fällt ja noch weiterhin weg.“ Zusammen mit der Karlsruhe Marketing und Event (KME) GmbH arbeitet er aktuell an Formaten, die die Stadt beleben sollen, aber nicht Massenaufläufe zur Folge haben.

Die KME unterstützte den Handel auch, als es darum ging, Zugangswege einzuzeichnen. Rechte Tür rein, linke raus gilt beispielsweise bei Thalia in der Kaiserstraße.

Abstände werden vergessen

80 Kunden dürfen gleichzeitig in den Buchladen. „Die Leute strömen nicht in den Laden“, sagt Filialleiterin Iris Grißtede. Viele seien derzeit noch vorsichtig, oft würde nicht gestöbert, sondern gezielt gekauft.

„Im Großen und Ganzen sind wir aber zufrieden“, sagt die Buchhändlerin. Eines fällt ihr auf: Seit die Maskenpflicht gilt, würden viele den weiterhin geltenden Mindestabstand vergessen.